Glänzende US-Oldtimer vor Straßenkulisse – Das Automuseum in Nová Bystřice
Das kleine Städtchen Nová Bystřice liegt nur wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Es gilt als die älteste Ortschaft in Südböhmen – doch nicht nur denkmalgeschützte Gebäude locken Besucher an, sondern auch das dortige Oldtimermuseum. Es handelt sich um die größte Sammlung von US-amerikanischen Straßenkreuzern im östlichen Mitteleuropa.
Auch weitgereisten Oldtimer-Fans dürfte diese Sammlung den Atem verschlagen: Im südböhmischen Nová Bystřice zeigt ein privater Sammler viele Dutzend historische Autos aus den USA. Natürlich kann das Museum nicht mit den größten Häusern seiner Art mithalten – wie etwa dem Bugatti-Museum im elsässischen Mulhouse oder dem Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart. Dafür sind die Straßenkreuzer aus Übersee liebevoll eingefügt in einzigartige historische Kulissen.
Dieses Muzeum veteránů befindet sich auf dem Gelände einer ehemaligen Textilfabrik. Gegründet wurde es von Pavel Janouš. Im Interview für Radio Prag International schildert er seinen Weg vom Sammler zum Museumseigentümer:
„Jeder Sammler erreicht irgendwann die Grenze zwar nicht für die Zahl der Objekte, aber für die Möglichkeit ihrer Unterbringung. Zum Glück überlegte der Bürgermeister von Nová Bystřice zu der Zeit gerade, was mit der verlassenen Fabrik fast im Zentrum der Stadt, die bereits einige Jahre verfiel, geschehen solle. Und so kam eins zum anderen. Da ich selbst aus Nová Bystřice komme und den Bürgermeister gut kannte, vereinbarten wir recht schnell, dass meine wachsende Sammlung ihr künftiges Heim in dieser ehemaligen Fabrik finden wird.“
Die Sammlung hat Pavel Janouš komplett eigenständig aufgebaut. Sein Vater besaß zwar einige tschechoslowakische Oldtimer der Marken Praga oder Tatra, doch in diese Richtung wollte der Sohn nicht weitergehen. Denn hierzulande wäre er nur einer unter vielen gewesen. Oldtimer aus Übersee sind hingegen in Tschechien eher selten, und vor allem gab es damals kein Museum dieser Autos.
2012 jedenfalls kamen Janouš und der Bürgermeister überein. Und nur zwei Jahre später eröffnete das Muzeum veteránů. Das bedeutet, dass im Moment gerade die elfte Saison läuft...
„Ehrlich gesagt habe ich 2012 nicht geglaubt, dass wir das Museum bis zu seiner heutigen Gestalt bringen könnten. Das betrifft sowohl den Fuhrpark an sich, aber auch die Kulissen und die ganzen zeithistorischen Gegenstände. Als wir das Museum eröffneten, erhielten wir eine kleinere Subvention. Die Voraussetzung war, dass wir die Rückflussdauer der Investition berechnen. In der optimistischsten Variante haben wir mit 8000 Besuchern pro Saison gerechnet. Tatsächlich kamen im ersten Jahr, als uns noch niemand kannte, rund 15.000 Menschen – und zwar ohne dass wir Reklame gemacht hätten. Da haben wir große Augen gekriegt. Niemand von uns hatte erwartet, dass es solch ein Interesse an einem gerade eröffneten regionalen Museum geben könnte. Aber die Leute haben uns gefunden“, schildert Janouš.
Und das Museum wird immer weiter ausgebaut. Vergangenes Jahr wurden dort zwei neue Säle eingeweiht, damit sind es nun neun. Dadurch stieg die Zahl der Exponate von 50 auf 70 an. Allerdings umfasst die ganze Sammlung mittlerweile fast 200 Wagen. Mehrere Dutzend Autos warten im Lager auf die Restaurierung. Sie sollen dann demnächst einige der Exponate ersetzen, die derzeit in den ehemaligen Fabrikhallen gezeigt werden.
Der American Boulevard
Im Muzeum veteránů spielen aber nicht nur die Autos eine Rolle, obwohl sie natürlich im Mittelpunkt stehen. Sondern auch das Ambiente, in dem sie präsentiert werden. So parken einige von ihnen neuerdings in einer authentischen Straße von New York, mit Nachtclubs, einer Tankstelle oder in der Werkstatt. Denn das zentrale Element ist ein Boulevard, den Pavel Janouš anhand von authentischen Fotos aus den Vereinigten Staaten von Amerika gestalten ließ:
„Diese Straße ist praktisch die Zukunft des Museums, mit der zum Teil aber schon begonnen wurde. Wir wollten die Autos in ihrer natürlichsten Umgebung zeigen, und das ist schließlich eine Straße. Uns ist damit gelungen, dass sich die Besucher nicht nur die Wagen anschauen, sondern auch die Umgebung bestaunen, in der diese gezeigt werden. Unser Ziel war, ein harmonisches Ganzes zu schaffen. Wir wollten die Autos nicht vor eine weiße Wand mit Informationstäfelchen stellen. Stattdessen versetzen wir sie zurück in alte Zeiten.“
Ein Highlight des American Boulevard ist etwa ein leuchtend blauer Buick Special von 1947. Besonders häufig treffen die Besucher in dem Museum aber auf Wagen der Marke Lincoln. Und der Betreiber gesteht, dass er voll auf diese Modelle abfahren würde.
„Diese Marke ist seit 1922 das Aushängeschild des Herstellers Ford. Damals setzte Henry Fords Sohn Edsel durch, eine Luxus-Baureihe zu starten. Die Lincolns wurden zu einem progressiven Element der Firma. Sie sind ein klassisches Beispiel dafür, wie gute Autos gefertigt werden. Deswegen mag ich sie so sehr“, sagt Janouš.
Und der Betreiber scheut auch fast keine Kosten, wenn es um Autos der Baureihe Lincoln geht. So erzählt er davon, dass er ein bestimmtes Modell lange gesucht habe:
„Ich bekam dann die Möglichkeit zum Erwerb, obwohl der Wagen in keinem guten Zustand war. Wenn ein Auto schon auf dem Foto nicht gut aussieht, dann stellt man bei der Ankunft am Verkaufsort meist fest, dass es in Wirklichkeit noch schlechter um den Wagen steht. Die Restaurierung dieses Lincoln dehnte sich daher auf lange fünf Jahre aus und kostete mehrere Millionen Kronen, was wirklich viel ist. Und ich weiß mittlerweile, dass wir die Gesamtinvestitionen in diesen Wagen niemals bei einem Verkauf wieder herausbekommen würden. Mich stört das aber nicht. Denn wir haben das Auto bis auf die kleinste Schraube restauriert, und es ist jetzt eines der Schmuckstücke meiner Sammlung.“
Ein weiteres Glanzstück des Museums ist ein Ford Continental Mark II. Zu seiner Zeit Mitte der 1950er Jahre war das Luxuscoupé das teuerste US-amerikanische Auto. 10.000 Dollar mussten die Interessenten hinblättern. Nur etwa 3000 Exemplare wurden von dem Wagen produziert. Aber auch US-Präsident Dwight D. Eisenhower und Elvis Presley oder etwa Frank Sinatra fuhren diesen Schlitten.
Dass solche edlen Stücke nun in Südböhmen präsentiert werden können, hat auch mit den Kontakten von Pavel Janouš zu tun. Nach der Gründung des Museums ergaben sich nämlich neue Möglichkeiten. Er sei dadurch im Ausland nun bekannt und stehe mit unterschiedlichen Autoclubs US-amerikanischer Marken in Verbindung, erläutert er.
„Es handelt sich vor allem um solche Clubs in den USA selbst, die sich auf Lincoln, Dodge, Packard oder etwa Nash spezialisiert haben. Wir werden dort bereits als Institution und nicht mehr als Sammler wahrgenommen. Das heißt, dass wir nicht nur einander vertrauen, sondern freundschaftliche Beziehungen pflegen. Und so gelangen wir an Autos, die niemals der Öffentlichkeit zum Kauf angeboten werden würden. Wir nutzen die Stellung unseres Museums dafür, mit ausländischen Partnern zu kooperieren. Manchmal wenden sie sich von selbst mit Angeboten an uns, die wir dann auch gerne nutzen“, so Janouš.
Werbung in Österreich
Das Muzeum veteránů hat mittlerweile einen guten Ruf auch in der interessierten Öffentlichkeit. Die Zahl der Besucher steigt und lag im vergangenen Jahr bereits bei über 30.000. Rund 40 Prozent von ihnen kommen gerne und teils regelmäßig wieder, wie eigene Erhebungen gezeigt haben. Auch deswegen tauscht Pavel Janouš immer wieder seine Exponate aus. Ein Ziel ist nun aber auch, im benachbarten Österreich bekannter zu werden:
„Wir wollen uns gezielt an die Menschen in Österreich wenden, dies liegt aber noch im Bereich der Pläne. Die Vorbereitung besteht darin, alle Texte und Informationsmaterialien ins Deutsche zu übersetzen. Im Anschluss wollen wir massiv Reklame machen in einem Gebiet von Niederösterreich bis Wien auf der einen und Linz sowie St. Pölten auf der anderen Seite. Denn die Entfernung zwischen Wien und Nová Bystřice entspricht etwa der zwischen Prag und unserer Stadt.“
Zuvor soll jedoch das Museum um einen weiteren Saal von etwa 1000 Quadratmetern Größe erweitert werden, wie der Chef ausführt...
„Dabei handelt es sich um eine freie Weiterführung unseres neu eröffneten American Boulevard. Ein solcher Boulevard soll ja nicht nur breit sein, sondern auch lang. Und diese Länge verpassen wir ihm nun.“
Aber das ist immer noch nicht alles. Neuerdings sind auch Abendbesichtigungen geplant:
„Vonseiten unserer Besucher wird das sehr begrüßt. Dafür müssen wir aber die gesamte elektrische Einrichtung umgestalten. Wir wollen nämlich, dass die Autos selbst ihre Geschichten erzählen. Daher müssen wir sie beschallen und beleuchten.“
Und das würde noch mehrere Monate oder vielleicht noch ein Jahr dauern, so der Museumschef.
Ein bisschen weiter in die Zukunft reicht ein anderes Projekt. Es geht darum, dass Henry Ford mit seiner Massenproduktion die USA erst so richtig mobilisiert hat. 1914 führte der Hersteller die Fließbandproduktion ein. Der Ford T wurde damit zum ersten erschwinglichen Auto für die Masse. Und weiter sagt Janouš:
„In vielen Automuseen der Welt findet man einen Ford T, das ist vielleicht sogar das bekannteste Auto der Welt. Und diese Museen zeigen auch unterschiedliche Artefakte aus Fords Fabriken, seinem Büro und so weiter. Aber nirgendwo gibt es eine funktionsfertige Replik eines Original-Fließbands von Ford, die die Serienfertigung von Autos dokumentiert. Aber genau das wird es bei uns geben. Wir arbeiten daran.“
Das Muzeum veteránů Nová Bystřice ist jetzt im November immer an Wochenenden sowie am Staatsfeiertag, dem 17. November, geöffnet. Dann schließt es bis Mai kommenden Jahres. Mehr Informationen gibt es auf der Website www.muzeumveteranu.cz, und das auch auf Englisch.
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