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3) Škoda Museum in der Auto-Stadt Mladá Boleslav

Škoda Museum

Auch im deutschsprachigen Raum ist Škoda ein Begriff. Wenn Sie mehr über diese Automarke aus Tschechien und ihre Geschichte erfahren möchten, sollten Sie das Firmenmuseum in Mladá Boleslav / Jungbunzlau besuchen.

Michal Velebný | Foto: Ondřej Tomšů,  Radio Prague International

Škoda zählt heute zu den ältesten Automarken der Welt. Das Museum präsentiert diese Geschichte an einem sehr authentischen Ort – in den Fertigungshallen, in denen das Unternehmen bis 1928 Autos gebaut hat. Kurator Michal Velebný führt durch die Geschichte und durch das Haus:

Statue von Václav Laurin und Václav Klement vor dem Škoda Museum | Foto: Ondřej Tomšů,  Radio Prague International

„Das Unternehmen in Mladá Boleslav wurde 1895 gegründet. Dahinter standen zwei Fans des Fahrradsports – Václav Klement und Václav Laurin. Der eine war Geschäftsmann und Buchhändler, der andere ein erfahrener Mechaniker. Sie fingen mit fünf Leuten in gemieteten Räumen an und schafften es bald, mehrere Tausend Fahrräder pro Jahr zu produzieren. Dann zogen Laurin und Klement in eigene Räumlichkeiten um und bauten in kurzer Zeit ein Unternehmen auf, in dem sie mehrere Tausend Menschen beschäftigten.“

Laurin & Klement

Die Unternehmensgeschichte ist über 125 Jahre alt. Und die Anfänge des ursprünglichen Škoda-Museums liegen in den 1960er Jahren:

Foto: Ondřej Tomšů,  Radio Prague International

„1968 wurde beschlossen, eine Sammlung von Autos und Motorrädern zusammenzustellen. Damals veröffentlichte das Unternehmen Anzeigen in Zeitschriften und der Fachpresse. Wer ein interessantes Laurin- oder ein Škoda-Auto zu Hause hatte, wurde gebeten, es der Firma anzubieten. Es kamen recht viele Briefe mit Fotos. Mitarbeiter der damaligen Werbeabteilung besuchten die Besitzer und dokumentierten den Zustand der Fahrzeuge. Zwischen 1968 und 1974 wurden etwa 60 Autos und Motorräder angekauft. Sie bilden den ältesten Teil der Sammlung, die seither ständig erweitert wird. Jedes Jahr kommen auch Autos aus aktueller Produktion und die neuesten Designstudien hinzu. Derzeit umfasst die Sammlung 350 Exemplare, das sind auch Motorräder, aber vor allem Autos.“

Voiturette A | Foto: Ondřej Tomšů,  Radio Prague International

Bei ihnen überwiegen Personenfahrzeuge aus der Serienfertigung, Rennfahrzeuge sowie Prototypen und ferner mehrere Dutzend Motoren, vier Motorräder und ein Fahrrad. Besucher können alle Meilensteine und viele Exoten aus der Firmengeschichte vor Ort begutachten. Das Slavia-Fahrrad und die Motorräder von Laurin & Klement stehen für die Anfänge. Und mit der Voiturette A, dem ersten Wagen des tschechischen Herstellers, startet die vielfältige Schau der Autobauhistorie.

Foto: Ondřej Tomšů,  Radio Prague International

„Das Unternehmen war in vielen verschiedenen Bereichen tätig, in manchen Jahren war sein Angebot sehr breit, in kommunistischen Zeiten dann wiederum sehr eingeschränkt. Laurin & Klement starteten zunächst die Motorrad-Produktion. Sie boten 21 Varianten an, darunter Motorräder für Reisen, die sogenannten Tourer, für den Straßenverkehr und für den Amateursport sowie Fahrzeuge für Herren und für Damen. Als man mit dem Bau von Autos begann, reichte die Skala von Kleinwagen wie der Voiturette oder Laurin & Klement S bis hin zu Luxuslimousinen mit einem Fünfliter-Motor für den Adel. Sie nahmen auch die Herstellung von Nutzfahrzeugen, Omnibussen, Lastwagen und sogar Flugzeugmotoren auf. Die Produktpalette war wirklich breit gefächert.“

Foto: Ondřej Tomšů,  Radio Prague International

Zu einer weiteren Ausdehnung kam es in den 1930er Jahren, nach dem Zusammenschluss mit der Firma Škoda. Die Firma war auch im Bereich Lkws und Traktoren im Geschäft. Ab 1948 übernahm dann der Staat die Leitung des Unternehmens. Dabei wurde beschlossen, nur noch Pkws in Mladá Boleslav vom Band laufen zu lassen.

„Auch viele weitere Hersteller waren von der Entscheidung betroffen, der Markt war dadurch nicht mehr so vielfältig. Autos wurden knapp, und es dauerte Jahre, bis sich alles wieder normalisierte.“

Foto: Ondřej Tomšů,  Radio Prague International

Meilensteine der Unternehmensgeschichte seit 1895

Haben Sie schon mal einen Škoda-Witz gehört? Der Ruf der Marke im Ausland war in den 1970er und 1980er Jahren nicht besonders gut. Und der Hauptgrund? Der Heckmotor:

Foto: Ondřej Tomšů,  Radio Prague International

„Mitte der 1980er Jahre war es auch den politischen Spitzen klar, dass Autos mit Heckmotor out sind. Sie billigten die Entwicklung eines Autos mit einem Frontmotor, des künftigen Škoda Favorit. Seine Produktion begann 1987. Man musste dafür aber neue Technologien ankaufen, wodurch hohe Schulden entstanden. Nach der Samtenen Revolution wurde ein neuer strategischer Partner gesucht, und es war klar, dass es ein starker Partner sein musste, der in das Unternehmen investiert. Volkswagen und Renault kamen bei der Ausschreibung in die engere Auswahl. Volkswagen gewann letztlich, unter anderem weil die Firma das Potenzial des Unternehmens zu schätzen wusste. Dass wir nämlich das einzige Unternehmen im Ostblock waren, das ein neues, modernes Auto entwickeln konnte. Dadurch kam es zur Fusion.“

Škoda Octavia | Foto: Ondřej Tomšů,  Radio Prague International

Soweit zur Geschichte der Marke. In der Ausstellung macht Michal Velebný besonders auf drei Modelle aufmerksam, die einen bedeutenden Platz in der Firmengeschichte einnehmen:

„Es ist das erste Modell des Škoda Oktavia, heute die erfolgreichste Modellreihe. Die ersten Oktavia-Wagen wurden in den Jahren 1956 bis 1964 hergestellt. 1964 wurden sie durch den Škoda 1000 MB ersetzt. Dies war ein weiterer Durchbruch in der Firmengeschichte. Dafür wurde ein neues Werk gebaut, mit vielen Produktionshallen. Es war das erste Auto mit einer selbsttragenden Karosserie, die Achsen und das Aggregat wurden direkt in die Karosserie montiert. Der Motor wurde nach hinten versetzt. Das Konzept wurde in den Nachfolgemodellen Škoda 100 sowie Škoda 105, 120 und 130 bis Ende der 1980er Jahre weiterverarbeitet.“

Škoda Favorit | Foto: Cherubino,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 4.0

Gleich daneben steht ein weiteres Durchbruchsmodell, nämlich der Škoda Favorit.

„Es ist das erste Auto des Unternehmens mit Frontantrieb. Das gelungene Design seiner Karosserie trug dazu bei, dass Škoda 1991 zum Teil des Volkswagen-Konzerns wurden. An den Favorit knüpfte das bereits gemeinsame Modell Felicia an. Und auf Grundlage von VW entstanden dann weitere Autos, beginnend mit dem Škoda Oktavia.“

Im Teil der Ausstellung mit dem Titel „Tradition“ werden die Besucher unter anderem mit der Entwicklung des Firmennamens und des Logos bekannt gemacht:

Foto: Ondřej Tomšů,  Radio Prague International

„Das erste Werk war die Fabrik Slavia zur Herstellung von Motorrädern und Fahrrädern: Slavia und Laurin & Klement Mladá Boleslav. Das neue Logo war geprägt von den Buchstaben L&K in einem Lorbeerkranz. 1925, nach der Fusion mit Škoda, tauchte das Symbol eines geflügelten Pfeils auf. Dieses wird in verschiedenen Variationen und Farben bis heute genutzt. Seit 1991 wird der grüne Pfeil verwendet, ergänzt um Lorbeerzweige. Das aktuelle Logo hat scharf geschnittene, klare Konturen.“

Foto: Ondřej Tomšů,  Radio Prague International

Multimediale Erlebniswelt der Marke

Foto: Ondřej Tomšů,  Radio Prague International

Ende 2012 wurde das Museum als multimediale Erlebniswelt der Marke völlig neu konzipiert. Neben Fahrzeugen aus allen Epochen präsentiert es Filme, Fotografien, Dokumente und Weiteres mehr:

„Wir versuchen, ein modernes Museum zu sein. Für fast jedes Exponat gibt es eine Multimedia-Tafel, auf der man zusätzliche Informationen erhält. Außerdem bieten wir auch Hightech: Mit einer Virtual-Reality-Brille kann man etwa einen Laurin & Klement 110 durch das historische Prag fahren.“

Foto: Ondřej Tomšů,  Radio Prague International

Zum Museum gehört zudem ein umfangreiches Unternehmensarchiv, in dem sich mehrere Millionen Schriftstücke, Zeichnungen sowie Ton- und Filmdokumente von den ersten Tagen bis in die Gegenwart befinden.

Das Museum bietet Führungen in vielen Sprachen. Wer mag, kann den Besuch auch mit einer Besichtigung der benachbarten Produktionsstätten verbinden. Und wie kommt das Ganze an?

„Ich habe das Museum schon mehrere Male besucht und bin begeistert. Der Stil ist sozusagen deutsch. Er ist präzise, die Exponate sind toll, und die Ausstellung wird auch variiert. Besonders gefallen haben mir die alten Fahrzeuge“, so einer der Besucher.

Foto: Ondřej Tomšů,  Radio Prague International
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