Glückspilz holt Eurojackpot-Gewinn ab – und geht weiter zur Arbeit

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Was war nicht alles schon spekuliert worden, als sich der tschechische Gewinner des Eurojackpots wochenlang nicht meldete: Vielleicht habe er den Gewinn der 90 Millionen Euro psychisch nicht verkraftet, war eine Version. Die Lotteriegesellschaft Sazka wollte jedenfalls bereits eine Anzeige aufgeben, um den Glücklichen zu suchen. Doch am Donnerstag kam der Mann endlich in die Sazka-Zentrale.

Ganze 26 Tage war die Öffentlichkeit auf die Folter gespannt. In der Zwischenzeit riefen bei der Lotteriegesellschaft Sazka täglich mehrere Leute an und gaben sich als die Gewinner aus. Sie behaupteten zum Beispiel, sie hätten den Gewinnschein verloren oder ihr Hund hätte ihn gefressen. Nur wenige Tage vor Ablauf der Frist hat sich der neue Euro-Millionär aber doch gemeldet. Am Donnerstagvormittag habe der Mann in der Firmenzentrale in Prag persönlich den richtigen Tippschein vorgelegt, wie Sazka-Sprecher Václav Friedmann mitteilte:

„Eine Stunde, bevor er zu uns kam, hat er noch bei uns angerufen. Er wollte wissen, ob wirklich alle Vorkehrungen zur Wahrung seiner Anonymität eingehalten würden, was wir dann auch gemacht haben. Nur ein einziger Sazka-Mitarbeiter kam mit ihm in Kontakt, niemand anderes hatte die Chance, ihn zu erkennen, auch nicht an der Rezeption unseres Firmensitzes.“

Schon vorher war bekannt geworden, dass der Mann aus dem Kreis Pardubice stammt. Nach der Ziehung des Eurojackpots am 15. Mai habe der Gewinner so lange gewartet, damit sich der Medienrummel etwas beruhigen konnte, so Friedmann. Der Mann mittleren Alters gehe auch weiterhin zur Arbeit. Und in der Sazka-Zentrale sei er in Eile gewesen, um den Zug in seine Heimatstadt zu erreichen.

„Nach einem kurzen Gespräch mit unserem Mitarbeiter nahm er gerne die Kontaktadressen zu einer psychologischen Beratung und zu einer Investmentberatung entgegen. Zudem sagte er, dass er bisher in seinem Leben nichts geändert hätte, dies auch nicht plane und dass er nun lange nachdenken wolle, was er mit dem Geld anfangen werde“, sagt Friedmann.

Doch 270.000 Kronen, umgerechnet 9900 Euro, nahm der Glückspilz sofort in der Lottozentrale mit. Sazka hat nun offiziell 60 Tage Zeit, um den Rest des Rekordbetrages von fast 2,5 Milliarden tschechischen Kronen zu überweisen. Der Mann erhält die komplette Summe, weil Lottogewinne in Tschechien nicht versteuert werden müssen.

Foto: Europäische Komission
Der Psychologe Tomáš Morávek, den der Tschechische Rundfunk für seine Inlandssendungen befragt hat, riet dem Mann aus der Ferne dazu, weiter über seinen Gewinn zu schweigen:

„Ich denke, es wäre gut, wenn er das wirklich nur seiner Familie sagen würde. In Zukunft könnte er eventuell weitere nahestehende Menschen einweihen, aber das würde ich mir sehr überlegen.“

Der Eurojackpot wird jeden Freitagabend in Helsinki gezogen. Mindestens zehn Millionen Euro sind dabei garantiert. Gibt es keinen Gewinner, wächst die Summe jeden weiteren Freitag an – bis zur Grenze von 90 Millionen Euro. Am dritten Freitag im Mai hatte der Tscheche als Einziger in Europa richtig getippt. Die Glückszahlen lauteten 12-14-18-38-46, die Zusatzzahlen waren 9 und 10.