Großes Vorhaben mit Problemen: Modernisierung der Autobahn D1

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Seit gut zwei Monaten wird die Autobahn D1 ausgebessert. Sie gilt als wichtigste Verkehrsader des Landes und verbindet Prag und Brno / Brünn. Die Ausbesserungsarbeiten sollen mehrere Jahre dauern und sind die ersten in diesem Umfang an der Autobahn. Der Start des Vorhabens wurde von der tschechischen Presse intensiv begleitet, der Tschechische Rundfunk ist sogar Medienpartner. Doch mittlerweile ist es zu ersten Problemen gekommen, die auch mit der Preispolitik des Staates zu tun haben.

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Bis zu 100.000 Autos fahren täglich über die Autobahn D1. Das belastet Straßenbelag und Brücken, vor allem an den ältesten Abschnitten. Diese stammen teilweise von Ende der 1960er Jahre. Zudem fehlen an einigen Stellen ausreichend breite Standstreifen. Eine große Modernisierung war also dringend notwendig. Aber die Arbeiten bedeuten eine Belastung für die Autofahrer. Sie müssen an bestimmten Stellen auf 80 Stundenkilometer hinunterbremsen und auf eine Spur einfädeln.

Zdeněk Žák (Foto: ČT24)
Umso ärgerlicher, dass mehrere Wochen lang an einem Abschnitt die Arbeiten geruht haben. Eine Baufirma weigerte sich weiterzubauen. Bei der Prüfung des Belags war sie zum Schluss gekommen, dass die Ausbesserung deutlich teurer kommen würde als angenommen. Die Rede war von mehreren Hundert Millionen Kronen. Verkehrsminister Zdeněk Žák war aufgebracht:

„Während alle anderen weiterbauen und auftretende Probleme bei laufenden Arbeiten lösen, hat eine der beauftragten Firmen unverschämt reagiert. Sie hat die Arbeiten angehalten und begonnen, mehr Geld zu fordern. Das hat den Charakter eines Ultimatums, bei dem der Staat an die Wand gedrängt wird.“

Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks
Žák stellte dann am Samstag seinerseits ein Ultimatum: Er drohte den Vertrag mit der Firma aufzukündigen, wenn diese nicht unverzüglich die Arbeiten fortsetze. Darauf reagierte das Unternehmen und kündigte an, diese Woche mit der Ausbesserung des Straßenbelags fortzufahren.

Die Frage des Preises ist noch nicht geklärt. Minister Žák will sich noch am Montag mit Vertretern der Firma treffen. Und das Problem an sich bleibt weiter bestehen. Denn Fachleute sagen, der Staat hat einfach schon bei den Voruntersuchungen den gesamten Bedarf der Arbeiten an der untersten Preisgrenze angesiedelt. Jan Valentin ist Straßenbauexperte an der Technischen Uni in Prag:

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„Die Untersuchungen wurden zwar durchgeführt. Aber unter dem Spardruck wurden nicht jene Kosten veranschlagt, die eine solch große Modernisierung eigentlich erfordert hätten.“

Am Fall des neun Kilometer langen Abschnitts, an dem die Arbeiten geruht haben, zeigen sich wohl nun diese Fehler. Der Staat veranschlagte Kosten von 600 Millionen Kronen (24 Millionen Euro). Laut den Hochschulexperten sei dies aber eine verdächtig niedrige Summe.

David Čermák (Archiv der Autobahn- und Straßendirektion)
Nichtsdestotrotz drohen der Firma happige Sanktionen. David Čermák leitet die Autobahn- und Straßendirektion, die staatlicherseits über die Bauarbeiten wacht:

„Laut den Verträgen soll die beauftragte Firma die Arbeiten an diesem Abschnitt in 62 Tagen erledigen. Für jeden Tag Verspätung werden eine Millionen Kronen Strafe fällig.“

Immerhin: Die Verträge über Arbeiten an weiteren Autobahnabschnitten werden erst noch geschlossen. Dort könnten ähnliche Probleme schon im Voraus ausgeschlossen werden.

Autor: Till Janzer
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