Havel an Chirac: Frankreich geht unter Ihrer Führung den richtigen Weg

Jacques Chirac (Foto: CTK)

Der überzeugende Sieg von Jacques Chirac in den französischen Präsidentenwahlen war am Montag das Hauptthema der Kommentare in den tschechischen Tageszeitungen. Unmittelbar nach der Bekanntgabe des Wahlresultats hat Tschechiens Präsident Vaclav Havel den alten und neuen französischen Staatspräsidenten beglückwünscht. Die tschechischen Reaktionen auf Chiracs Wahlsieg fasst im folgenden Martina Schneibergova zusammen:

Jacques Chirac (Foto: CTK)
Der überzeugende Sieg von Jacques Chirac in den französischen Präsidentenwahlen war am Montag das Hauptthema der Kommentare in den tschechischen Tageszeitungen. Unmittelbar nach der Bekanntgabe des Wahlresultats hat Tschechiens Präsident Vaclav Havel den alten und neuen französischen Staatspräsidenten beglückwünscht. Die tschechischen Reaktionen auf Chiracs Wahlsieg fasst im folgenden Martina Schneibergova zusammen:

In seinem Glückwunschtelegramm an Jacques Chirac brachte Präsident Vaclav Havel die Meinung zum Ausdruck, die Unterstützung, die Chirac genieße, beweise, dass Frankreich unter dessen Führung den richtigen Weg gehe. Havels Sprecher Ladislav Spacek zitierte aus dem Telegramm:

"Ich hoffe, dass die Tschechische Republik und Frankreich auch weiterhin erfolgreich zusammenarbeiten werden. Ich freue mich darauf, dass wir bald zusammentreffen, um über weitere Möglichkeiten der Vertiefung der bilateralen Beziehungen sowie über Visionen und Vorschläge bezüglich der Zukunft der Europäischen Union zu diskutieren."

Der Leiter der politischen Sektion der Präsidialkanzlei, Pavel Fiser, erklärte, Frankreich werde bis zu den Parlamentswahlen eine sehr intensive Zeitetappe erleben:

"Chirac sollte eine provisorische Regierung bilden und zugleich auch an die Parlamentswahlen denken. Es ist eine Frage, ob die Linke, die jetzt in den Präsidentschaftswahlen sehr zersplittert war, in der Lage sein wird, zusammenzuhalten und eine interessante Alternative zu bilden. Ansonsten würde dies bedeuten, dass die Rechte vollkommen die Oberhand gewinnen wird."

Der Politologe Jacques Rupnik hält die Präsidentenwahlen vor allem für ein Referendum über die Demokratie. Die Franzosen lehnten Rupnik zufolge die äußerste Rechte ab, was das maßgebende Resultat der Präsidentenwahlen sei. Wichtig sei - so der Politologe - die Tatsache, dass sich auch junge Menschen engagierten, die sich bislang nicht für die Politik interessiert haben:

"Es ist ein gutes Zeichen. Es bedeutet, dass die Politik im guten, echten Sinne des Wortes wieder da ist - d. h. nicht nur der bewährte Austausch zwischen der rechten und der linken Mitte, zwischen Technokraten, die dieselben Schulen absolvierten und die im Voraus die Antwort auf Fragen kennen, die sie stellen werden. Es geht jetzt um eine Politik, die ihre Standpunkte definieren muss und das ist insbesondere für die junge Generation ein sehr wichtiger Augenblick."

Premier Milos Zeman bezeichnete Chiracs Sieg als eine Protestwahl, bei der sich bereits im Voraus ein klares Ergebnis abgezeichnet habe. Zeman zufolge haben die linken Präsidentschaftskandidaten versagt. Er sieht in den französischen Wahlen auch eine Lehre für die tschechischen Sozialdemokraten. Seiner Meinung nach sollte es nur eine linke Partei geben, die imstande ist, der demokratischen Rechten zu konkurrieren. Dann wären sowohl die extrem Linken als auch die extrem Rechten ohne Chancen, meinte Milos Zeman.