Hörerforum

r_2100x1400_radio_praha.png

Ahoi und herzlich willkommen zum Hörerforum von Radio Prag. Auch heute wollen wir wieder ein wenig in der Postmappe blättern und uns mit Ihren Zuschriften befassen. Am Mikrofon begrüßen Sie dazu Gerald Schubert und Lothar Martin.

Wie wir in unserer letzten Sendung vor 14 Tagen bereits angedeutet haben, ist von Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, bei uns nicht nur jede Menge Post zum Thema Hochwasser eingegangen, sondern es waren auch mehrere Schreiben darunter, die sich mit den Ursachen und Konsequenzen der Flutkatastrophe befasst haben, die vor allem Böhmen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Bayern und Oberösterreich heimgesucht hat. So schrieb Herr Michael Lindner aus Triptis in seinen ausführlichen Betrachtungen zur Jahrhundertflut u.a. auch diese Zeilen nieder:

"Die Flutkatastrophe der Donau und der Elbe sind meiner Meinung nach die ´Quittung´ menschlicher Unvernunft. Bäche und Flüsse wurden eingeengt und begradigt, so dass gefährliche Wasserstraßen entstanden sind. Deichanlagen wurden mangelhaft gepflegt und die Naturgewalten unterschätzt. Immer häufiger und heftiger treten Unwetter auf, die auf die Klimaerwärmung zurückzuführen sind. Das alles erinnert mich an die Bibel: Im ersten Buch Moses ließ Gott es 40 Tage und Nächte regnen, um alles Leben und alle Sünden auf der Erde zu tilgen..."

Welche Art von Sünden das sind, mit dieser Thematik befasste sich ganz besonders unser Stammhörer Bernd Bickelhaupt aus Seeheim-Jugenheim:

"Hemmungsloses Zubauen der Flüsse ist einer der Hauptgründe. Es wurde Bauland an Stellen ausgewiesen, an denen vor 50 Jahren kein halbwegs vernunftbegabter Mensch auf die Idee gekommen wäre, mehr als einen einfachen Heuschober hinzustellen. Heute werden dort Gewerbegebiete eingerichtet - dort, wo sich der Fluss ausdehnen kann, wenn er mehr Wasser transportieren muss."

Und Herr Bickelhaupt nennt weitere Gründe:

"Ein anderer Grund ist, dass aus den Flüssen immer mehr Kanäle werden. Das Wasser aus den kleinen Flüssen erreicht den nächstgrößeren fast gleichzeitig und nicht mehr so nach und nach, weil man es für modern hielt, Wasser immer schnellstmöglich abzuleiten. Die Kanalisierung rächt sich nun. Ein dritter Grund ist fehlender Wald. Weil im Erzgebirge der Wald zum großen Teil wegen der Luftverschmutzung abgestorben ist, konnte das viele Wasser auch nicht mehr gespeichert werden."

Nach all den genannten Gründen kommt Bernd Bickelhaupt zu dem Schluss:

"Dass die Umwelt nicht nur dazu da ist, dem Markt und der Wirtschaft zu dienen, ist bekannt. Es ist an der Zeit, dieses Wissen beschleunigt umzusetzen. Wenn es die Menschen nicht fertig bringen, die Fehler der letzten Jahrzehnte auszubügeln, müssen sie sich wohl an solche Ereignisse gewöhnen."

Eine schlimme Vorstellung, die geteilt wird durch Herrn Gerhard Robrahn aus Berlin, falls ihm zufolge nicht endlich die richtigen Lehren aus der Flutkatastrophe gezogen werden:

"Es ist erschreckend, wie gewaltig und in welch immer kürzeren Abständen sich die Natur an uns rächt für unsere Frevel. Wie viel menschliches Leid damit verbunden ist. Immer wieder hofft man, die Menschen lernen daraus, nur wann? Aber die eine Seite hat (angeblich) kein Geld für vernünftige Projekte und die andere Seite will nur Profit machen."

Einen weiteren Gesichtspunkt in die anhaltende Hochwasserdiskussion bringen zwei weitere Hörerbriefe ins Spiel, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen. So teilte uns Herr Otto Beutel aus Herne mit:

"Auf der Fahrt nach Berlin konnten wir die verheerenden Überschwemmungen in Ostdeutschland sehen. Sonst traf es immer andere Gegenden im asiatischen Raum, wie China, Korea und andere Länder. Dass es das dieses Mal bei uns in Europa gibt und in diesem Ausmaß, konnte man einfach nicht glauben."

Wie auf Zuruf gab Herr Georg Stawski aus Recklinghausen eine passende Antwort auf die ähnlichen Betrachtungen oft anhaftende Sichtweise:

"Ich hoffe aber auch, dass dieses Ereignis den Leuten, die am Biertisch meinen, alle Weisheit der Welt gepachtet zu haben, etwas anderes verdeutlicht; dass das vorschnelle Urteilen über die Fähigkeiten anderer Staaten und Völker zynisch ist, wenn man im Trocknen sitzt. Zu oft hört man, wie der Spruch getan wird, Chinesen, Inder oder Bengalen seien total unfähig etwas zu tun, wenn ihre Länder von Überschwemmungen heimgesucht werden. Auch entwickelte Länder wie Tschechien oder die Bundesrepublik Deutschland können vom Wetter gebeutelt werden, und das in sehr krasser Weise, wie die letzten Tage bewiesen haben."

Abschließend merkt Herr Stawski zum Thema Hochwasser an:

"Die Überschwemmungskatastrophe zeigt uns, dass der Zusammenschluss von Europa in guten wie in schlechten Zeiten notwendig ist. Wie heißt es so schön: Wir sind auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden."


Neben der Flutkatastrophe haben unsere Hörer jedoch auch andere Themen wahrgenommen, die wir Ihnen in den letzten Tagen ebenso vermittelt haben. Stammhörer Engelbert Borkner aus Hildesheim hat sich zum Beispiel der ersten Krise des neugebildeten Prager Kabinetts unter Ministerpräsident Vladimír Spidla angenommen:

"Nun hat es also gleich die noch junge Regierung Spidla bei der Abstimmung über das Steueränderungsgesetz erwischt und ihr eine Abstimmungsniederlage beschert. Irgendwie scheint man doch sehr gutgläubig gewesen zu sein, dass trotz der knappen Mehrheit schon alles gut laufen wird. Aber leider ist es nun anders gelaufen. Ist es eigentlich im tschechischen Parlament nicht üblich, dass die Regierungsparteien vor wichtigen Abstimmungen Probeabstimmungen durchführen, um Abweichler zu orten oder unsichere Kandidaten in die Mangel zu nehmen, um sie auf den richtigen Kurs zu bringen? Dieses ist meiner Ansicht nach keine demokratische Art und Weise, aber ein alter Brauch in den westlichen Regierungen, um so blamable Ergebnisse zu verhüten."

Mittlerweile haben die Prager Regierungsparteien eine Lösung aus ihrer Krise gefunden, indem sie eine so genannte "Garantieerklärung" ausgehandelt und unterschrieben haben, anhand der solche "Pannen" bei zukünftigen Abstimmungen verhindert werden sollen. Sie sehen also Herr Borkner, auch die hiesige Regierung ist schnell lernfähig, wenn es um die Durchsetzung ihrer Interessen geht. Nur muss die von Ihnen als alter Brauch westlicher Regierungen beschriebene Probeabstimmung hierzulande erst noch Gewohnheit werden.

Zur guten Gewohnheit geworden ist es auch, dass Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, immer wieder einige bestimmte Rubriken unseres Sendeangebots lobend hervorheben. Wie zum Beispiel den "Spaziergang durch Prag", zu dessen vorletzter Folge Herr Ralf Urbanczyk aus Eisleben u.a. meinte:

"Es war eine originelle Idee, sich den Ausflugszielen der Prager vor hundert Jahren zu widmen. Da wird man schon neugierig, wie die Plätze heute wohl aussehen."

Noch nicht zum allerbesten sieht es mit der deutsch-tschechischen Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg aus, auch wenn immer wieder neue Initiativen diesen Prozess ein Stück voranbringen. So schrieb uns Hörer Wolfgang Brodöhl aus Köthen zu einem jüngst von uns zu dieser Thematik ausgestrahlten Beitrag:

"In Teplice nad Metují wurde Ihrem Bericht zufolge das Denkmal der Versöhnung und des Erinnerns eingeweiht; dies auch gegen den Widerstand derer, die in Erinnerung an die Naziherrschaft und deren Gräuel noch nicht bereit sind, dem Schritt zur Versöhnung mit den Deutschen zu folgen. Ich halte dieses Denkmal für ein gutes und nachahmenswertes Zeichen. Leider muss ich nach wie vor ernsthafte Zweifel anmelden, wenn es andererseits um die Ernsthaftigkeit der Bemühungen um Versöhnung von Seiten der Sudetendeutschen Landsmannschaft geht. Die Äußerungen von Frau Steinbach in der Tschechischen Republik (!), die Wiedereinführung der 1. Strophe des Deutschlandliedes zu begrüßen, muss als bewusste Provokation gesehen werden. Sie ist nicht mit Gedankenlosigkeit, Unerfahrenheit oder mit der Jugend dieser Repräsentantin zu entschuldigen. Nicht ohne Grund wurde im Nachkriegsdeutschland bewusst auf diese Strophe des Deutschlandliedes verzichtet, die ursprünglich von Hoffmann von Fallersleben als dem Textdichter mit Blick auf die damalige geschichtliche Situation im durch Kleinstaaterei zersplitterten Deutschland als Mahnung zur Einheit gedacht war, die jedoch später zur geistig-moralischen Unterstützung deutschen Großmachtstrebens missbraucht wurde."

Soweit Herr Brodöhl mit seiner sehr interessanten Ansicht und soweit auch unser heutiges Hörerforum, für das die Zeit immer wieder zu knapp bemessen scheint. Vom Mikrofon verabschieden sich: Gerald Schubert und Lothar Martin.