Holpriger Start für die tschechischen Vereine in die Europa League

Hapoel Beer-Sheva - Slavia Prag (Foto: ČTK / AP Photo / Ariel Schalit)

Der tschechische Vereinsfußball ist diese Saison nur in der Europa League vertreten. Die drei Klubs, die sich dafür qualifiziert haben, bestritten am Donnerstag ihren Auftakt in der zweithöchsten europäischen Spielklasse. Und das mit unterschiedlichem Erfolg.

Sparta Prag - Lille OSC (Foto: ČTK / Michal Kamaryt)

Zwei Niederlagen und ein Sieg – so lautet die Bilanz der tschechischen Vereine am ersten Spieltag der Europa League. Die beiden Prager Klubs verloren jeweils: Meister Slavia Prag mit 1:3 bei Beer Sheva aus Israel und Sparta Prag zu Hause mit 1:4 gegen den OSC Lille. Ärgerlich aus tschechischer Sicht ist, dass die Niederlagen vermeidbar gewesen wären, wie die Beteiligten sagen.

Dahingegen gewann Slovan Liberec im eigenen Stadion mit 1:0 gegen den KAA Gent aus Belgien. Trainer Pavel Hoftych sprach nach dem Spiel von einem glücklichen Sieg:

Pavel Hoftych (Foto: ČTK / Radek Petrášek)

„Unser Gegner war uns spielerisch überlegen. Gent hat fantastische und schnelle Spieler für die Offensive und hochgewachsene Angreifer. Immer wieder kamen unsere Bälle zurück, was sehr unangenehm war. Unsere Abwehr hat das aber gut verteidigt. Einige Male hat uns Torhüter Filip Nguyen gerettet, dann hatten wir aber auch Glück. Von unseren, sagen wir, drei Chancen haben wir eine verwandeln können.“

Nach knapp einer halben Stunde fiel das Tor des Tages. Stürmer Abdulla Jusuf Helal drückte aus kurzer Distanz den Ball über die Linie.

Slovan Liberec (Foto: ČTK / Radek Petrášek)

Für Liberec / Reichenberg war es das erste Spiel in einem Wettbewerb seit dem 4. Oktober. Derzeit muss ansonsten nämlich der Sportbetrieb in Tschechien ruhen, diese Maßnahme hat die Regierung im Kampf gegen das Coronavirus angeordnet. Für die Europa League wurde jedoch eine Ausnahme erteilt.

Und um Corona ging es auch beim Auftritt des tschechischen Meisters Slavia Prag in Israel. Denn in der Mannschaft von Hapoel Beer Sheva liefen zwei Spieler auf, die zuvor positiv auf das Virus getestet wurden. Laut den Gastherren sollen beide aber nicht mehr ansteckend gewesen sein. Slavia-Trainer Jindřich Trpišovský war noch nach dem Spiel sehr aufgebracht:

Jindřich Trpišovský (Foto: Tschechisches Fernsehen)

„Ich habe dafür kein Verständnis. Wir machen doch gerade die Tests, um festzustellen, ob jemand positiv ist. Dass dann jemand trotzdem aufläuft, kann ich nicht verstehen.“

Slavia-Vereinsboss Jaroslav Tvrdík kündigte daher an, bei der Uefa zu protestieren.

Für Slavia doppelt bitter, dass einer der Corona-positiven Spieler auch noch zwei Treffer vorbereitete. Es geht um den Portugiesen Josué. Dennoch wollte Stürmer Lukáš Provod dies nicht als Ausrede gelten lassen. Der Schütze des einzigen Slavia-Tors sah die Ursachen für die 1:3-Niederlage vor allem bei den Unzulänglichkeiten im Spiel seiner eigenen Mannschaft. Die Prager konnten eigene Chancen nicht verwandeln und stellten sich hinten dann allzu dumm an.

Lukáš Provod (rechts). Foto: ČTK / AP Photo / Ariel Schalit

„Wir sind ja darauf vorbereitet worden, dass ihre Nummer zehn Josué eigentlich alle gefährlichen Situationen vorbereitet. Und zwei der Tore fielen auch nach seinen Steilpässen. Das ist nicht zu entschuldigen von unserer Seite her. Wir müssen dringend in der Video-Analyse anschauen, was wir da falsch gemacht haben. Denn wenn wir so weitermachen, werden wir gegen jeden Gegner Tore kassieren“, so Provod.

Als Nächstes empfängt Slavia im Übrigen Bayer Leverkusen, und das Bundesligateam ist brandgefährlich im Angriff.

Václav Kotal (Foto: ČTK / Michal Kamaryt)

Unnötig war auch, wie Sparta Prag am Donnerstagabend auf die Verliererstraße geriet: In der 23. Minute riss Abwehrspieler Ladislav Krejčí junior bei einem Konter an der Schulter eines gegnerischen Stürmers und wurde des Platzes verwiesen. Trainer Václav Kotal hielt im Anschluss die rote Karte für spielentscheidend:

„Dadurch kam es zu einem Bruch in der Begegnung. Denn nach den ersten Minuten, in denen uns der Gegner etwas überrascht hatte, kamen wir gut ins Spiel und haben ansehnlich kombiniert. Der Platzverweis warf uns wieder zurück. Wir mussten uns zurückziehen in die Abwehr und konnten nur noch auf eigene Konter hoffen.“

Sparta Prag - Lille OSC (Foto: ČTK / Michal Kamaryt)

Der Gegner OSC Lille zeigte aber auch, dass er derzeit nicht zu Unrecht die Tabelle der französischen Liga anführt. Zwar konnte Sparta den ersten Gegentreffer noch ausgleichen, doch dann netzte das Team aus dem Norden Frankreichs noch dreimal ein. So hieß es letztlich 1:4 aus Sicht von Sparta. Und kommende Woche wird es nicht einfacher, da müssen die Prager beim AC Mailand antreten.

Autor: Till Janzer
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