Im Briefkasten: Konflikte in Europa, Newsletter, Sprachliches

Wir zitieren aus Ihren Zuschriften, erwähnen den Themen-Tipp eines Hörers und beantworten eine Frage.

Willkommen zum Hörerforum, liebe Hörerinnen und Hörer. Wie zu Anfang des Monats üblich, stellen wir auch diesmal eine neue Preisfrage. Sie lautet im September:

Tschechien hat in der zweiten Jahreshälfte 2022 den Vorsitz im Rat der Europäischen Union. Wann hatte das Land zum ersten Mal den EU-Ratsvorsitz?

Schicken Sie uns ihre Mail an [email protected].

Die richtige Antwort aus dem Vormonat August heißt Černé jezero beziehungsweise Schwarzer See. Dieser ist der größte natürliche See im Böhmerwald. Mit einer Wasserfläche von 18,4 Hektar liegt er auf dem Gemeindegebiet von Železná Ruda (Markt Eisenstein) und ist ein beliebtes Wanderziel. Vorsicht aber, das Baden darin ist streng verboten!

Černé jezero  (Schwarzer See),  Böhmerwald – größter und tiefster Natursee Tschechiens  (Fläche 18, 4 ha,  Tiefe 39, 8 Meter) | Foto: Pavel Ouředník,  CzechTourism

Aus den uns zugesandten richtigen Antworten haben wir sechs Gewinner ausgelost, die einen Sachpreis von uns erhalten. Es ist jeweils einer in jeder Redaktion. Für das deutschsprachige Gebiet ist es diesmal Michael Lindner. Herzlichen Glückwunsch!


Und nun zu Ihren Briefen und Zuschriften: Achim Kissel aus Duisburg hat uns seine Gedanken zum aktuellen Konflikt in Europa übermittelt. Anlass für ihn war unsere Sendung vom 21. August, die im Zeichen der Erinnerung an die Ereignisse von 1968 in der damaligen Tschechoslowakei stand. Damals marschierten nicht nur die Truppen der Sowjetunion, sondern auch weiterer Staaten des Warschauer Paktes ein und beendeten die Reformbewegung „Prager Frühling“ gewaltsam. Achim Kissel fährt fort:

Foto: 4536207,  Pixabay,  Pixabay License

„Damals konnte man denken, dass der Dialog zwischen Ost und West auf lange Zeit unmöglich geworden sei. Umso wichtiger war die 1969 von der damaligen Bundesregierung unter Willy Brandt eingeleitete Entspannungspolitik unter dem Slogan ‚Wandel durch Annäherung‘.  Dieser Prozess bestimmte die 1970er und 1980er Jahre – trotz der Rüstungsspirale (Nato-Doppelbeschluss) riss der Dialog nie mehr ganz ab. Das endgültige Ende des Kalten Krieges brachte schließlich der von Michail Gorbatschow eingeleitete Wandel in der Sowjetunion mit ‚Perestroika‘ und ‚Glasnost‘“. Der Eiserne Vorhang fiel. Möglich wurden die deutsche Wiedervereinigung und das Zusammenwachsen Europas in der EU.“

Nationalismus und Konflikte in Europa

Unser Hörer nennt auch weitere Konflikte der letzten Jahrzehnte wie den Krieg in Jugoslawien, den Krieg zwischen Armenien und Aserbeidschan sowie den Tschetschenien-Krieg. Und er blickt noch tiefer in die Geschichte zurück:

Krieg in Jugoslawien in den 1990er Jahren | Foto: Kim Price,  U. S. National Archives and Records Administration,  Wikimedia Commons,  gemeinfrei

„Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war der Nationalismus in fast allen Ländern Europas bestimmend. Zusammen mit ökonomischen Interessen führte er zum Ersten Weltkrieg. Bezeichnend ist, dass kurz vor Ausbruch dieses Krieges der Sozialist und Pazifist Jean Jaures in Paris ermordet wurde und nach dem Zusammenbruch des deutschen Kaiserreichs Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin den nationalistischen Militärs zum Opfer fielen. Es bleibt zu hoffen, dass sich sowohl in Russland als auch in der Ukraine mutige Menschen finden, die zu einem Dialog fähig und bereit sind. Unsere Rolle als Europäer sollte vor allem die der humanitären Hilfe sein.“

Wir kommen zu einem anderen Thema. Von Thomas Tschirpig aus Pirna haben wir eine nette E-Mail bekommen. Bevor er zu einem kleinen Urlaub nach Südmähren aufbreche, wolle er sich für unsere Sendungen bedanken, schreibt er:

Binationales Internat | Foto: Radio Prague International

„Ich höre Radio Prag International seit einigen Jahren. Damals kam mein Sohn aufs Schiller-Gymnasium in Pirna (Sachsen) in eine Klasse der bilingualen deutsch-tschechischen Abteilung. Das war Anlass, damit auch ich micht etwas mehr mit Tschechien befasse, und da kamen mir Ihre Sendungen gerade recht. Ich höre sie übers Internet als Podcast. Ich finde die Mischung zwischen tagesaktuellen Nachrichten und umfangreicheren Berichten über Land und Leute in Tschechien sehr gut. Anregend zum Nachdenken ist oft, die etwas anderen Sichtweisen auf Tagesfragen (Corona, Ukrainekrieg, Klimawandel…) zwischen den deutschen öffentlich-rechtlichen Medien und Ihrer Darstellung zu hören. Meist liegen sie nicht so weit auseinander, aber auch Nuancen machen das Bild vollständiger.“

Herr Tschirpig hat des Weiteren einen Themen-Tipp für unsere Sendungen:

„Vielleicht können Sie auch einmal über die bilinguale deutsch-tschechische Abteilung des Schiller-Gymnasiums in Pirna berichten. Dort lernt pro Klassenstufe je eine Klasse – zur Hälfte aus tschechischen und aus deutschen Schüler*innen bestehend – gemeinsam bis zum Abitur. Ein schönes Beispiel zur Zusammenarbeit unserer beiden Länder für die Jugend und die Zukunft.“

Danke für Ihren Tipp, Herr Tschirpig. Wir haben in der Vergangenheit über das Schiller-Gymnasium mehrere Male berichtet, vor allem in den ersten Jahren nach der Einführung des zweisprachigen Unterrichts dort. Es wäre sicher interessant zu erfahren, wie sich das Projekt inzwischen weiterentwickelt hat.

Wir bleiben beim Namen Schiller, meinen aber jemand anderen. Unser Hörer Gerhard Schiller hat gefragt, wie man den Newsletter von Radio Prag International abbestellen kann. Er schreibt:

„Meine Mailadresse hat sich geändert. Wie kann ich die Zusendung an die alte Adresse deaktivieren?“

Illustrativesfoto: geralt,  Pixabay,  CC0

Die Antwort darauf könnte aus unterschiedlichen Gründen auch für andere Abonnenten interessant sein: Am Ende eines jeden Newsletters finden Sie den Link zur Abbestellung des Newsletters – einfach auf „Abbestellen“ klicken. Zwei Zeilen vorher gibt es zudem den Link zum Eintrag einer neuen E-Mail-Adresse, dieser lautet: https://deutsch.radio.cz/newsletter/subscribe.

Lohnend und lobenswert

Mit großem Interesse besuche er immer wieder unsere sehr schönen Seiten im Internet, schreibt Uwe Jüttner. Insbesondere die Kolumne „Tschechisch gesagt“ sei ihm eine höchst willkommene Unterstützung seiner Bemühungen, die tschechische Sprache zu lernen. Aber auch alle weiteren Angebote finde er bereichernd. Dass er sich für Sprachen interessiert, nicht nur für Tschechisch, sondern auch für das Deutsche, belegen zudem die folgenden Zeilen von Herrn Jüttner:

„Zurzeit haben Sie einen Beitrag mit dem Titel ‚Zehn lohnenswerte Museen in Tschechien‘ auf Ihren Seiten. Zwar finde auch ich die tschechische Museumskultur äußerst lobenswert und den Besuch vieler Museen sehr lohnend, aber dennoch erlaube ich mir Kritik an diesem Titel. Man hört und liest ebenso bei uns immer öfter das Adjektiv ‚lohnenswert‘; das ändert aber nichts daran, dass es sich dabei um eine unglückliche Missgeburt handelt. Was sollte es auch bedeuten, dass etwas wert ist, dass es sich lohnt? Tatsächlich liegt eine unnötige Verschmelzung von ‚lohnend‘ und ‚lobenswert‘ vor, auf die man leicht verzichten kann. Bitte verzeihen Sie mir meine Schulmeisterlichkeit, aber Ihre Website ist so schön, informativ und einfach so lobenswert, dass es lohnend scheint, sie auch sprachlich auf höchstem Niveau zu halten.“

Vielen Dank für Ihre linguistischen Ausführungen, Herr Jüttner. Diese belegen, dass Sie unsere Texte wirklich aufmerksam lesen und kritisch betrachten, was uns nur freuen kann. Beim Wort „lohnenswert“ können wir Ihnen durchaus rechtgeben. Als gewisse Art der Entschuldigung darf aber gelten, dass dieses als ein korrektes Wort der deutschen Hochsprache im Duden steht.

Illustrativesfoto: Radio Prague International

Und das war’s für heute. Schreiben Sie uns an Radio Prag International, deutschsprachige Redaktion, Vinohradská 12, 120 99 Prag 2, Tschechische Republik oder per E-Mail an [email protected].

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