Im Rollstuhl kein Staatsmann - Behinderte fühlen sich von Zeman beleidigt

Miloš Zeman (Foto: Archiv des Büros des Präsidenten der Tschechischen Republik)

Staatspräsident Miloš Zeman ist nicht immer ein Mann diplomatischer Worte. Derzeit sitzt er im Rollstuhl, denn er hat eine Knieverletzung, die ihm das Gehen schwermacht. Deswegen hat das tschechische Staatsoberhaupt bis auf Weiteres alle Auslandstermine abgesagt. Doch auch die Ernennung von Sozialdemokraten-Chef Bohuslav Sobotka zum neuen tschechischen Premier hat er verschoben. In einem Radio-Interview Anfang der Woche begründete er dies mit seiner Immobilität. Allerdings beleidigte Zeman damit viele Behinderte.

Miloš Zeman  (Foto: Archiv des Büros des Präsidenten der Tschechischen Republik)
Das Interview gab Miloš Zeman für den privaten Sender Radio Impuls. Dabei sagte er unter anderem:

„Falls ich Bohuslav Sobotka zum Premier ernennen sollte, dann wird er warten müssen. Denn das ist eine würdevolle Angelegenheit, die ich nicht vom Rollstuhl aus erledigen kann.“

Während einige Menschen hierzulande noch darüber sinnierten, ob das nicht eines der bekannten taktischen Spielchen des Präsidenten ist, reagierten Behinderte mit Unverständnis. Der Ultrasportler und Handbike-Fahrer Heřman Volf bezeichnete Zemans Worte als „traurig“. Und der tschechische Rat der Behinderten forderte eine Entschuldigung. Václav Krása ist Vorsitzender des Rates und sitzt selbst im Rollstuhl. Gegenüber Radio Prag sagte er:

Wolfgang Schäuble  (Foto: Sebmol,  Wikimedia CC BY 3.0)
„Präsident Zeman hat praktisch gesagt, dass ein Staatsoberhaupt im Rollstuhl weniger Würde besitzen würde als einer, der stehen und gehen kann. Das ist aber Unsinn, beide haben dieselbe Würde. Ich kenne Wolfgang Schäuble ein bisschen. Er gilt als sehr bedeutender deutscher Politiker, derzeit in der Rolle als Finanzminister, zuvor als Innenminister. Zeman deutet mit seiner Äußerung hingegen an, dass Menschen im Rollstuhl keine hohen Ämter bekleiden können, und das ist diskriminierend.“

Krása erinnert zudem an eine historische Persönlichkeit: Franklin D. Roosevelt. Der amerikanische Präsident entschied im Zweiten Weltkrieg neben dem russischen Diktator Stalin und dem Briten Winston Churchill sogar über die Geschicke der Welt. Und er war Rollstuhlfahrer, auch wenn man versuchte, dies zu vertuschen.

Václav Krása  (Foto: ČTK)
Václav Krása wiederum war zehn Jahre lang tschechischer Abgeordneter. In dieser Funktion hat er sich sehr eingesetzt für die Belange von Behinderten. Aus seinen Erfahrungen heraus bringt er aber auch ein gewisses Verständnis für Zemans Worte auf:

„Präsident Zeman fühlt sich sicher unwohl, wenn er an den Rollstuhl gefesselt ist. Das kann ich verstehen, es ist für ihn ja auch nur kurzfristig. Daher denke ich, dass seine Äußerung nicht direkt gegen Menschen mit Behinderung gerichtet war, sondern aus der Situation entsprungen ist. Dennoch denke ich, dass Präsident Zeman dazu Stellung nehmen sollte.“

Zemans Reaktion kam am Mittwoch. Seine Sprecherin Hana Burianová übermittelte:



Hana Burianová  (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Aus der Äußerung von Präsident Zeman geht hervor, dass er über seine eigene konkrete Lage gesprochen hat. Es war keine Absicht, die Würde behinderter Menschen herabzusetzen, wie ihm unterstellt wird.“

Dies hat Václav Krása als Entschuldigung akzeptiert. Er fügte noch hinzu, gerade die Debatte in der Öffentlichkeit über das Thema sei wichtig gewesen.