Immer die Moldau entlang: Besondere Staffel auf dem Weg von der Quelle bis nach Prag

Kapseln mit Wasser aus der Moldau

Das ganze Jahr 2025 steht im Zeichen der Moldau. Mit einem besonderen Projekt feiert das tschechische Denkmalschutzamt (NPÚ) den längsten Fluss Tschechiens, der hier auch das Prädikat „Mutter aller Flüsse“ trägt. Derzeit ist eine Staffel mit 50 Stationen unterwegs.

Start der Vltava-Staffel | Foto: Nationales Denkmalinstitut

50 Stationen in 66 Tagen – das ist der Tourplan für die etwa 20 Zentimeter große Glaskapsel, die in ein Holzgerüst eingefasst ist und Wasser aus der Moldau enthält. Seit gut einem Monat wird sie den Fluss entlang transportiert, und das auf dem Landweg oder auch per Rad, Schlauchboot, Dampfschiff, Kanu oder Zug.

„Der Sinn der Staffel liegt darin, dass sie das ganze Leben auf der Moldau verbindet. Einbezogen werden Menschen, die etwas mit dem Fluss zu tun haben, sowie bedeutende Orte. Das sind natürlich auch die Sehenswürdigkeiten in Verwaltung des Nationalen Denkmalschutzamtes, denn sie gehören zu den wichtigsten Bauten entlang der Moldau.“

Die Generaldirektorin des Nationalen Denkmalinstituts Naděžda Goryczková und der Direktor der Denkmalverwaltung Südböhmen Petr Pavelec betraten die Quelle der Moldau | Foto: Pavla Kuchtová,  Český rozhlas

So erläutert es der Kreisdirektor des Denkmalschutzamtes in České Budějovice / Budweis, Petr Pavelec, der sich die Tour ausgedacht hat. Losgeschickt wurde der künstlerisch gestaltete „Staffelstab“ am 1. Juli an der Quelle der Moldau im Böhmerwald. Schon am nächsten Tag nahm ihn in Kvilda ein neuer Träger auf einem historischen Fahrrad mit. Seitdem ist die Glaskapsel immer in Bewegung.

Die Aktion gehört zu dem umfassenden Projekt „Vltava slavná & splavná“ (Die Moldau: Berühmt und schiffbar). Damit wird das ganze Jahr über die Aufmerksamkeit auf diesen Fluss als ein nationales Symbol gelenkt. Die Organisatoren betonen seine Bedeutung als natürliches, kulturelles, gesellschaftliches und wirtschaftliches Bindeglied.

Vltava | Foto: Nationales Denkmalinstitut,  CC BY-NC-ND 3.0 CZ

Darum geht auch die Wasserkapsel durch viele Hände. Oft sind es ganze Gruppen von Menschen, die sie ein Stück des Weges bringen. Bisher gab es Stationen etwa am Stausee Lipno, im historischen Stadtzentrum von Český Krumlov / Krumau, am Kloster Zlatá Koruna, in der Burgruine Dívčí Kámen oder auch am Schloss Hluboká nad Vltavou. Am Freitag macht die Staffel in der Burg Zvíkov Halt. Pavelec sagt:

„Dann kommt das Stausystem an die Reihe, wo es zu den Dämmen Orlík und Slapy weitergeht. Dies sind streitbare Themen. Denn manche halten diese gesamte Anlage für ein Jahrhundertmeisterwerk, andere bedauern aber den Verlust der romantischsten Orte Tschechiens.“

Für die Stauanlagen wurden nämlich einst die Johannes-Stromschnellen (Svatojánské proudy) geflutet, der Flusslauf zwischen hohen Felsengebilden. Und nicht nur diese tiefgehenden Eingriffe in den Verlauf der Moldau haben ihre Kritiker. Viele Orte, durch die die Staffel führt, sind Besuchermagnete. Beim Denkmalschutzamt sei man sich aber Problemen wie Übertourismus und einer kaum zu bewältigenden Zahl an Wassersportlern bewusst, betont Pavelec:

„Diese Negativseiten gibt es, das wissen wir. Die Moldau-Staffel und das ganzjährige Projekt bringen zum Ausdruck, dass der Fluss ein Schatz ist. Und wenn das so bleiben soll, dann muss man ihn pflegen. Dies ist einer der wichtigsten Gedanken des Projektes. Und auch ein ganzer Themenkomplex der Ausstellung heißt ‚Moldau-Schatz‘.“

Die Ausstellung „Vltava slavná & splavná“ ist der Höhepunkt des Themenjahres. Sie wird in der Reithalle der Prager Burg eröffnet – am 5. September nämlich, wenn die Staffel dort ankommt und ihre Tour beendet. Neben der Entstehung der Moldau und ihrer Bedeutung als Verkehrsweg wird in der Ausstellung auch auf die zahllosen Kunstwerke verwiesen, die von der Wasserstraße inspiriert wurden. Allen voran steht natürlich die symphonische Dichtung von Bedřich Smetana für den Zyklus „Má vlast“ (Mein Vaterland). „Vltava“ erlebte die Uraufführung im Jahre 1875, also vor 150 Jahren, und dies ist auch der Anlass für das Moldau-Jahr des Denkmalschutzamtes. Noch einmal Petr Pavelec:

„Wir sprechen von der Moldau als einem Kulturweg. Dies ist ein spezifischer Terminus, und er bietet die Linie, um die herum sich all diese Geschichten und die Historie bewegen. So ist etwa der Pilgerweg nach Santiago de Compostela als Kulturweg im Unesco-Weltkulturerbe eingetragen. Und etwas Ähnliches ist die Moldau für den mitteleuropäischen Raum.“

Autoren: Daniela Honigmann , Michaela Vetešková | Quelle: Český rozhlas
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