Internationaler AIDS-Tag: Wie ist die Situation in Tschechien?
Am Samstag ist der Internationale AIDS-Tag. Aus diesem Anlass werfen wir einen Blick auf die Situation in der Tschechischen Republik. Christian Rühmkorf hat mit Tomáš Rieger gesprochen, Koordinator der ehrenamtlichen Mitarbeit bei der Tschechischen AIDS-Hilfe (CSAP).
Herr Rieger, ist Tschechien ein besonders gefährdetes Land oder ist Aids hier eigentlich kaum ein Thema?
„In den letzten Jahren hat es so ausgesehen, als wenn Tschechien fast nicht bedroht wäre. Aber die letzten Veröffentlichungen, die letzten Zahlen zeigen, dass das nicht wahr ist. Bis Ende Oktober dieses Jahres sind in der Tschechischen Republik 1020 HIV-Positive gezählt worden, was eine ziemlich niedrige Zahl zu sein scheint. Davon sind 230 krank geworden, sind also schon im Aids-Stadium und davon wiederum sind schon 130 an Aids gestorben. Aber die Zahl der Neuinfizierten nimmt ziemlich stark zu in den letzten Jahren. Im Jahre 2005 waren es 90 Leute, bei denen man festgestellt hatte, dass sie sich infiziert haben. 2006 waren es 93 und in dem Jahr sprachen wir schon von einem schwarzen Jahr. Und in diesem Jahr bis Ende Oktober sind es schon 100.“
Sehen Sie irgendwelche Gründe für diesen Anstieg innerhalb relativ kurzer Zeit?
„Wir leben natürlich nicht in Isolation. Die Zahlen waren bei uns ziemlich niedrig in den letzten Jahren. Aber in unseren Nachbarländern sind die Zahlen viel höher. Und die Menschen kommen hier her. Also darin sehe ich den einen Grund. Der andere Grund ist, dass die Leute sich jetzt häufiger testen lassen als früher. Real sind die HIV-Positiven nicht mehr geworden, aber jetzt weiß man von ihnen.“
Wie sieht denn eigentlich die Situation bei den Jugendlichen in Tschechien aus. Sind die Jugendlichen ausreichend sensibilisiert für das Thema?
„Einerseits: Wenn die jungen Leute hören, dass es heute gute Arzneimittel gibt, dann passen sie weniger auf. Andererseits führt die Tschechische Aids-Hilfe viele Gespräche mit HIV-Positiven in den tschechischen Schulen, wo die Betroffenen erklären, dass es zwar möglich ist, diese Krankheit zu heilen, aber nicht ganz. Es ist nicht einfach mit der Krankheit zu leben. Es ist nicht so wie es scheint.“
Sie haben außerdem noch eine Reihe anderer Hilfsprojekte vom Aids-Test bis zum Beratungstelefon – hilft Ihnen eigentlich ein solcher Internationaler Aids-Tag?
„Vor allem bringt es die Information unter die Leute ´Aids ist hier, HIV ist hier´ - man muss das eben wissen.“







