Johann Amos Comenius starb vor 350 Jahren

Büste von Johann Amos Comenius (Foto: Jiří Matějíček, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Dank seinen progressiven pädagogischen und didaktischen Schriften wird Johann Amos Comenius als „Lehrer der Völker“ bezeichnet. Er war aber auch ein überzeugter Christ und Bischof seiner Kirche, der Brüderunität. Seine Schriften im Bereich der Philosophie und Theologie finden heute immer mehr Anerkennung.

Vladimír Urbánek (Foto: Khalil Baalbaki, ČRo)

Comenius gilt als einer der großen Gelehrten des 17. Jahrhunderts. Welche Ideen hatte er und worin beruhte seine Leistung? Vladimír Urbánek leitet die Abteilung für Comenius-Forschung am Philosophischen Institut der tschechischen Akademie der Wissenschaften. Gegenüber den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks sagte er:

„Comenius strebte danach, das Wissen seiner Zeit auf einer enzyklopädischen, theologischen und philosophischen Grundlage neu zu systematisieren und zu harmonisieren. Er entwickelte eine Methode, um die Natur, den Menschen und Gott zu ergründen. Diese Methode sollte sowohl im Schulunterricht als auch auf der Ebene eines metaphysischen Systems umgesetzt werden. Seine Ziele waren sehr universalistisch. Mit der Zeit entwickelte sich bei ihm die Idee einer ‚Besserung der menschlichen Angelegenheiten‘, wie er es nannte. Er meinte damit die Philosophie, die Politik und die Religion. Diese drei Sphären der menschlichen Aktivitäten hielt er für verdorben. Sein Ziel war, diese zu verbessern und zu reformieren.“

Verbesserung der Menschen

Der Historiker nennt auch die wichtigsten Schriften von Comenius:

Johann Amos Comenius (Gemälde von Václav Brožík, Wikimedia Commons, Public Domain)

„Zu seinen Lebzeiten hatten seine Sprachlehrbücher einen großen Erfolg. Sie waren das Erste, das ihn berühmt machte, und auf diesem Gebiet galt er als unantastbare Autorität. Seine Didactica Magna ist eine der ersten systematischsten Auslegungen didaktischer Theorie. Und dann folgten seine Reform des Wissens, die sogenannte Pansophie, und sein Projekt der Verbesserung der menschlichen Angelegenheiten und der gesamten Gesellschaft.“

Den Ausweg aus dem schlechten Zustand der Menschheit sah Comenius in der Erziehung und Bildung. Und um den Menschen auf sein Friedensreich vorzubereiten, müsse ihm das Grundwissen der Welt vermittelt werden, glaubte er. Comenius arbeitete daran, die Erkenntnisse aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen in einem System zu vereinigen. Daneben suchte er nach Methoden, um den Unterricht und die Schulen umzugestalten, damit diese ihrem Auftrag gerecht werden können. Die Schule soll Vergnügen sein, und keine Geistesfolter. „Omnes omnia omnino“ war sein Ziel, das hieß allen alles auf umfassende Weise beizubringen. Markéta Halířová arbeitet im Comenius-Museum für Pädagogik in Prag:

Gemälde von Johann Peter Hasenclever, public domain

„Seine Reformvorschläge zum Schulsystem wurden zu seinen Lebzeiten kaum umgesetzt. Erst während der Aufklärung im 18. Jahrhundert wurden sie realisiert. Eine der wichtigsten Ideen von Comenius war, die Schulen für alle Menschen zu öffnen. Bildung als solche sei für jeden von Bedeutung und solle für alle sozialen Schichten zugänglich sein, so die Idee.“

Als progressiver Pädagoge trat Comenius für eine gleiche Ausbildung von Jungen und Mädchen ein.

„Das war in seiner Zeit eine revolutionäre Idee. Bildung erhielten damals hauptsächlich Jungs. Zwar gab es bereits einige gebildete Mädchen und Frauen, sie kamen aber nur aus höheren Schichten. Der Unterricht für Mädchen war nicht so weit verbreitet, wie Comenius sich das wünschte. Als weitere Neuerung sollte seiner Ansicht nach schon in frühen Kinderjahren mit dem Unterricht begonnen werden. Und er hatte die Idee, dass sich die Menschen ihr ganzes Leben lang bis ins Alter weiterbilden.“

Erziehung und Bildung: Alles für alle

Foto: Richard Huber, CC BY-SA 4.0

Sein pädagogisches Hauptwerk ist die „Didactica magna“ (Große Unterrichtslehre), eine der wichtigsten Schriften in der Geschichte der Didaktik. Markéta Halířová nennt weitere Werke:

„Zu seinen bekanntesten Werken gehören seine ‚Janua inguarum reserata‘ (Die geöffnete Sprachentür) und ‚Orbis pictus‘. Er war der Erste, der sich bemühte, Bildung attraktiver zu machen und Lehrbücher mit Bildern bereitzustellen. Bilder waren zuvor nicht üblich gewesen. Zudem arbeitete er an einer Methodik des Sprachunterrichts. Seine Ansichten über das Erlernen einer Fremdsprache waren bahnbrechend. Das Lehrbuch ‚Orbis pictus‘ dient bis heute Fachleuten als Quelle für den Fremdsprachenunterricht.“

Johann Amos Comenius wurde 1592 in Südostmähren geboren. Schon als Kind verlor er seine Eltern und Geschwister und wurde von Verwandten aufgezogen. In Herborn und Heidelberg studierte er Philosophie und Theologie. Danach war er Lehrer und Rektor an der Brüderschule in Přerov / Prerau. 1616 wurde er Pfarrer der Brüderunität und übernahm 1618 die Leitung der Gemeinde und der Schule in Fulnek. Im selben Jahr brach der Dreißigjährige Krieg aus, der fortan sein Leben bestimmen sollte. Nach der Schlacht am Weißen Berg mussten alle Nicht-Katholiken aus den böhmischen Ländern fliehen. Comenius hielt sich zunächst an mehreren Orten versteckt. Im Februar 1628 ging er schließlich ins polnische Leszno / Lissa ins Exil. Er übernahm die Leitung des dortigen Gymnasiums. Später wurde er Bischof der Brüdergemeinde. Der Westfälische Friede beendete zwar 1648 den Krieg, aber nicht-katholische Konfessionen waren in Böhmen weiterhin nicht zugelassen. Daher kam für Comenius auch nicht infrage, in seine Heimat zurückzukehren.

 Markéta Halířová: „Die Emigration war für ihn ein großer Verlust, sie brachte ihm aber auch einen gewissen Nutzen. Denn die entsprechenden Erfahrungen wirkten sich in seinen Schriften aus. Meiner Meinung nach wären einige seiner Werke ohne das erzwungene Exil gar nicht entstanden. Ebenso kann man die Frage stellen, ob er so bekannt geworden wäre, wenn er seine Heimat nicht hätte verlassen müssen. Zugleich muss man anmerken, dass es in der damaligen Zeit üblich war, der Bildung wegen ins Ausland zu gehen. Gerade Menschen aus wohlhabenden Schichten lebten häufiger auch in der Fremde. Allerdings gehörte Comenius nicht zu denjenigen, die sich häufige Reisen leisten konnten. Er wurde aber dank seiner Berühmtheit von unterschiedlichen Persönlichkeiten als Berater eingeladen.“

Sprachlehrbücher

So reiste er auf Einladung des englischen Parlaments nach London und der schwedischen Herrscher nach Stockholm, um dort jeweils bei den Bildungsreformen unterstützend tätig zu sein.

„Mein Lieblingswerk ist seine ‚Erzieheranleitung der Mutterschule‘. Darin setzt er sich mit der Erziehung von kleinen Kindern auseinander. Man findet dort Passagen, die bis heute aktuell sind. Comenius verweist darauf, dass Kinder für ihre Eltern der größte Schatz seien. Er gibt auch eine Anleitung, wie man sich um seine Gesundheit kümmern soll. In einer anderen Schrift geht es um die Pestepidemie. Das ist heutzutage auch aktuell, da wir ebenfalls eine Epidemie erleben. Bis heute gilt daher seine Anweisung, dass man seine Atemwege schützen sollte. Und das steht in einem Buch, das im 17. Jahrhundert veröffentlicht wurde.“

Durch die Seuche verlor Comenius seine erste Frau und seine zwei kleinen Kinder. Auch seine zweite Frau starb später. 1655 verlor er auch sein gesamtes Eigentum beim Brand von Lissa. Die Brüdergemeinde wurde aufgelöst, und Comenius floh nach Amsterdam. Dort lebte er 14 Jahre lang und arbeitete weiter an seinen Schriften über die Didaktik und die Verbesserung der Welt. Johann Amos Comenius starb am 15. November 1670 in Amsterdam und wurde sieben Tage später, am 22. November, in Naarden begraben.

An den 350. Todestag von Johann Amos Comenius wird mit einem internationalen Lesemarathon an diesem Sonntag erinnert:

„Die Lesung startet in Prag um null Uhr und dauert bis Mitternacht. Am 15. November werden also 24 Stunden lang Passagen aus seinen Texten vorgelesen. Die Organisatoren vom Philosophischen Institut der Akademie der Wissenschaften haben Menschen angesprochen, die sich mit Comenius beschäftigen oder eine Beziehung zu ihm haben. Lesende aus Tschechien, aber auch aus dem Ausland, etwa aus Japan, Russland, Deutschland und Großbritannien nehmen daran teil.“

Beim Lesemarathon unter dem Titel „Reading Comenius Universally“ (Die Welt liest Comenius) werden insgesamt 17 Sprachen zu hören sein. Die Veranstaltung wird über den Youtube-Kanal https://www.youtube.com/watch?v=FIiV6-hErKg live gestreamt.