Journalistenpreis: nicht nur Flüchtlinge im Fokus

Magdalena Sodomková und Pavel Polák (Foto: Radiozurnál, ČRo)

Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds ehrt zum zweiten Mal exzellente Medienbeiträge von beiden Seiten der Grenze.

Magdalena Sodomková und Pavel Polák  (Foto: Radiozurnál,  ČRo)
Die komplizierte Lage der Türken in Deutschland, die Erfolgsgeschichte einer tschechischen Marmeladenköchin oder die Aufnahme von Thomas und Heinrich Mann in der Tschechoslowakei der Zwischenkriegszeit – das waren einige der Siegerthemen des grenzüberschreitenden Journalistenpreises. Die Preisträger in den Kategorien Text, Audio und Multimedia sowie des Milena-Jesenská-Sonderpreises wurden auf einer Festveranstaltung in Nürnberg bekannt gegeben. Der zweite Jahrgang habe sich vom ersten stark unterschieden, sagt Jury-Mitglied Bára Procházková:

„Es gab im ersten Jahrgang wesentlich mehr Beiträge aus der Tschechischen Republik und weniger aus Deutschland. In diesem Jahr war es umgekehrt. Und auch die Themen waren anders. Im ersten Jahrgang drehten sich viele Themen um die Flüchtlingsproblematik. Dieses Mal waren auch andere Themen vertreten wie Reisen, Landschaft, Geschichte und Sport – also sehr unterschiedliche Bereiche. Man würde kaum denken, dass dies zwei aufeinanderfolgende Jahrgänge gewesen sein können.“

Der tschechische Preisträger in der Kategorie Audio heißt Pavel Polák. Seit dreieinhalb Jahren ist er Korrespondent des Tschechischen Rundfunks in Berlin. Pavel Polák erzählt in seiner Reportage „Der mysteriöse Beutebestand“ von unentdeckten deutschen Archivalien im Tschechischen Rundfunk.

„Es ist schon mysteriös, wenn man weiß, dass es im Archiv zig tausende Matrizen und Schalplatten gibt, wobei man keine Ahnung hat, was auf diesen Tonträgern festgehalten ist. Man ahnt, dass es vielleicht Musikstücke oder Aufnahmen von Reden sind, die als verschollen gelten. Das macht neugierig, nachzuforschen und zu erfahren, was sich wirklich auf den Matrizen und auf den Schalplatten befindet.“

Der Archivbestand ist nach dem Zweiten Weltkrieg als Kriegsbeute nach Prag gelangt.

Bára Procházková  (Foto: Luboš Vedral,  ČRo)
„Der Beutebestand liegt im Tschechischen Funkhaus, fast unberührt. Wenn im Tschechischen Rundfunk Tonbänder digitalisiert werden, dann sind es solche, die vom Tschechischen Rundfunk selbst produziert wurden. Ich dachte, der einzige Weg, wie man zum Inhalt der Aufnahmen kommen könnte, ist es, auch in Deutschland davon zu erzählen und die Aufmerksamkeit zu wecken.“

Mit einem Sonderpreis, dem Milena-Jesenská-Preis, wird ein Beitrag ausgezeichnet, der sich mit Zivilcourage sowie multikultureller Verständigung und Toleranz beschäftigt. Er geht in diesem Jahr an ein tschechisch-vietnamesisch-dänisches Autorentrio für seine multimediale Webseite „Yusra schwimmt um ihr Leben“. Dabei handelt es sich um eine Koproduktion des Tschechischen Rundfunks und BBC. Geschildert wird darin der Weg eines syrischen Mädchens von seiner Flucht über die Balkanroute nach Deutschland bis hin zur Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio. Magdalena Sodomková ist Mitautorin des Beitrags:

„Dass Yusra an den olympischen Spielen teilnehmen konnte, ist nicht vom Himmel gefallen. Sie ist eine gute Schwimmsportlerin. Wichtig war aber auch, welchen Menschen sie auf ihrem Weg begegnet ist – vor allem Sven Spannekrebs, einem Schwimmtrainer, der ihr geholfen hat. Als er davon hörte, dass in einem nahen Flüchtlingslager Schwimmerinnen sind, ging er hin, bot seine Hilfe an und bezahlte Unterkunft und Verpflegung für sie. Am Anfang war also seine Großzügigkeit. Das hat mir sehr gefallen. So offene Arme habe ich nicht erwartet. Diese Einstellung steht im direkten Gegensatz zu dem, was ich in Tschechien erlebt habe. Leider.“

Die Journalistenpreise werden vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds verliehen, und zwar in Zusammenarbeit mit dem Deutschen und dem Tschechischen Journalistenverband.