Kafka, Hašek und ein Dichter-Viergestirn – Tschechien bei der Buchmesse Leipzig

Foto: Archiv der Buchmesse

Bei der Buchmesse Leipzig stellen sich dieses Jahr über 2000 Verlage aus 43 Ländern vor. Traditionell ist auch die tschechische Literatur vertreten: Insgesamt sieben Autoren aus dem Nachbarland werden in Leipzig lesen, zudem ist am traditionellen Stand des tschechischen Kulturministeriums unter anderem eine Ausstellung installiert. Dazu mehr im Interview mit Jana Chalupová, sie ist verantwortlich für die Gestaltung des tschechischen Auftritts bei der Buchmesse.

Foto: Archiv der Buchmesse
Frau Chalupová, die Leipziger Buchmesse hat begonnen. Auch tschechische Verlage und Autoren sind wieder dabei. Wie groß ist der tschechische Stand und wo ist er zu finden?

„Der tschechische Stand hat rund 50 Quadratmeter Fläche. Diese Größe haben wir bereits seit einigen Jahren, sie entspricht genau unseren Bedürfnissen. Aber das Design des Standes ist neu, auch die Farben. Er ist in orange und grau gehalten, also relativ elegant. Die Lage unseres Standes ist Halle 4, Reihe D 403. Das ist ganz in der Nähe der zentralen Messebuchhandlung. Deswegen kommen hier eine ganze Reihe Besucher vorbei, die zum einen den internationalen Bereich der Buchmesse aufsuchen, in dem wir uns befinden, als auch auf dem Weg in den Buchladen sind.“

Jaroslav Hašek
In diesem Jahr erinnern Sie am tschechischen Stand sowohl an Franz Kafka, als auch an Jaroslav Hašek. Der eine schrieb allerdings Deutsch, der andere Tschechisch. Warum diese Kombination?

„Interessant ist, dass beide vor 130 Jahren in Prag geboren wurden. Beide starteten ihre Karriere unter denselben Bedingungen und wurden weltberühmt. Aber ihre Werke unterscheiden sich sehr, sie hatten einen unterschiedlichen Zugang zur Literatur. Zum Schluss führten ihre Lebenslinien wieder zueinander, weil sie ungefähr zur selben Zeit gestorben sind. Dies ist vielleicht etwas eigenartig. Es sind jedoch Autoren, die das deutsche Publikum kennt.“

Iva Procházková (Foto: Ivan Pokorný, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Natürlich stehen aber ansonsten heutige Autoren im Mittelpunkt. Wenn ich richtig informiert bin, kommen Radka Denemarková und Jaroslav Rudiš, die in Deutschland bereits einigermaßen bekannt sind. Zudem erhält die Jugendbuchautorin Iva Procházková einen Preis…

„Diese Autoren kommen allerdings nicht auf Einladung des Kulturministeriums beziehungsweise des tschechischen Standes. Radka Denemarková wird hier aufgrund der Städtepartnerschaft Leipzig – Brünn lesen, Jaroslav Rudiš hatte bereits am Mittwoch eine Präsentation in einem Theater und liest bei der Messe mit seinem deutschen Verleger. Und Iva Procházková wird am Freitagnachmittag den Kinder- und Jugendbuchpreis ‚Luchs’ für ihr Buch ‚Orangentage’ entgegennehmen, das auch auf Deutsch erschienen ist.“

Kateřina Rudčenková (Foto: Archiv Radio Prag)
Von Kulturministerium eingeladen kommen vier weitere tschechische Schriftsteller. Können Sie diese kurz vorstellen?

„Dieses Jahr haben wir Dichter eingeladen. Eröffnet wird die Runde von Jan Pavel. Er hat zwar mit Gedichten begonnen, schreibt derzeit aber vor allem Prosa. Ein weiterer Dichter ist Radek Fridrich, der im Übrigen hervorragend Deutsch spricht. Das trifft auch auf Radek Malý zu, der nicht nur Gedichte verfasst, sondern auch Kinderbücher. Und last but not least ist Kateřina Rudčenková die einzige Frau in der Runde. Sie plant gerade eine neue Gedichtsammlung, einige Kostproben wird sie in Leipzig vortragen.“

Jana Chalupová (Foto: Archiv des Portals der tschechischen Literatur)
Mindestens drei dieser Dichter scheinen gut Deutsch zu sprechen. War dies ein Auswahlkriterium?

„Nein, das ist eher Zufall. Wir haben Autoren ausgewählt, die etwas Interessantes für das deutsche Publikum präsentieren können. Zudem könnten die Werke dieser vier Dichter auch für Literaturagenten interessant sein, so dass vielleicht Übersetzungen möglich sind. Das sind die vorrangigen Kriterien. Dass sie Deutsch sprechen, ist eher von zusätzlichem Wert für das Publikum. Das kann dann einfacher und unterhaltsamer mit den Autoren kommunizieren, als über einen Dolmetscher.“

Autor: Till Janzer
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