Karriere im Zeichen der Kanonen und plötzlicher Tod: Feldmarschall Laudon

General von Laudon (Foto: Jamestkirk82, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

„Schon wieder ein Krieg gegen die Preußen und ihren gefürchteten König Friedrich!“ – so oder ähnlich dürften 1790 in der Gegend von Nový Jičín / Neutitschein in Mähren die Bewohner gedacht haben. Der österreichische Kaiser Joseph II. entsandte daher Ernst Gideon von Laudon, um die Lage vor Ort zu sichten. Der Feldherr erhielt den Oberbefehl über die Armee, die gegen die Preußen zusammengezogen wurde. Kurz darauf starb er überraschend. Im Folgenden mehr über Laudon und seine glorreiche militärische Karriere anlässlich seines 230. Todestages.

Jaroslav Zezulčík (Foto:  Archiv des Museums in Nový Jičín)

Der Siebenjährige Krieg – er ist damals einer der bewaffneten Konflikte um die Vorherrschaft in Europa, die über mehrere Jahrhunderte an unterschiedlichen Fronten ausgetragen werden. Von 1756 bis 1763 ringen die Habsburgermonarchie und Preußen hartnäckig um Schlesien – und mittendrin auch Ernst Gideon von Laudon. Der Historiker Jaroslav Zezulčík ist Kastellan des Schlosses Kunín und seit 2014 Kurator der ständigen Laudon-Exposition in Nový Jičín:

„Der 1717 geborene Laudon wuchs im Baltikum auf. Mit 15 Jahren entschied er sich für die militärische Laufbahn. Nachdem er seine ‚Feuertaufe‘ in der russischen Armee bestanden hatte, begab er sich er nach Berlin. 1740 brach der Österreichische Thronfolgekrieg aus, und Laudon wollte sich dem preußischen Militär anschließen. Doch Preußen-König Friedrich II. lehnte sein Gesuch ab. Angeblich sagte der Herrscher, Laudons Gesicht gefalle ihm gar nicht. Wesentlich später soll Friedrich II. dies bereut haben.“

Schlacht bei Prag 1757

Der wehrdienstwillige Laudon tritt daher 1742 in österreichische Dienste. Seine Sporen verdient er sich vor allem nach Ausbruch des Siebenjährigen Kriegs im Jahr 1756, der von Historikern als einer der ersten Weltkonflikte bezeichnet wird. Von da an klettert der ambitionierte Laudon schnell die Karriereleiter empor.

Erste Erfolge im Siebenjährigen Krieg

1757 fällt Friedrich II. von mehreren Seiten mit seinen Truppen nach Böhmen ein. Laudon nimmt damals an der Befreiung von Prag teil, die Stadt wird von den Preußen belagert und beschossen. Im nachfolgenden Juni werden die Eindringlinge in der Schlacht beim mittelböhmischen Kolín hart geschlagen und müssen ihre Stellungen in Böhmen schnell räumen. Im Mai des darauffolgenden Jahres sind sie aber wieder zurück, um diesmal das befestigte Olmütz / Olomouc in Mittelmähren zu belagern. An diesem Kriegsschauplatz taucht Ernst Gideon Laudon dann erstmals in führender Rolle auf.

Modell der Schlacht, die sich Ende Mai 1758 nahe dem damaligen Neutitschein abspielte (Foto: Jan Polák, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

„Noch kurz zuvor befand sich der Unteroberst auf dem Weg vom Balkan in Richtung Böhmen, um dort an allen bedeutenden Schlachten von Kaiserin Maria Theresia teilzunehmen. In einem Raum unseres Museums zeigen wir einen Schaukasten zu jener großen Schlacht, die sich Ende Mai 1758 nahe dem damaligen Neutitschein abspielte. Friedrich II. wollte mit der überraschenden Belagerung und Eroberung von Olmütz den Weg ins österreichische Kernland ebnen. Den österreichischen Truppen unter Laudons Kommando gelang es, bei der Gemeinde Domstadtl (heute Domašov, Anm. d. Red.) einen rund 45 Kilometer langen preußischen Versorgungskonvoi zu zerstören und damit der Belagerungsarmee den Nachschub zu rauben. Deswegen mussten sich die Preußen binnen kurzer Zeit auch aus Mähren zurückzuziehen. Und Laudon, damals bereits im Rang eines Generalmajors, wurde dafür mit dem Militär-Maria-Theresia-Orden belohnt“, so Zezulčík.

Adolph von Menzel: Schlacht bei Liegnitz (Quelle: Wikimedia Commons, CC0)

Die Auszeichnungen und Geschenke für den erfolgreichen Strategen werden immer mehr. Maria Theresia ist sich seines Talents bewusst. Und so lassen weitere Herausforderungen nicht lange auf sich warten. 1760 muss Laudon seine erste und zugleich auch letzte große Niederlage in Kauf nehmen, es ist die Schlacht beim polnischen Legnica / Liegnitz. Danach kehrt er auf seinen Landsitz Bečvárky / Betschwar in Mittelböhmen zurück. Auf seinen Wunsch erhält er 1762 von Maria Theresia den, wie es heißt, „Abschied von der Armee“ – also eine ehrenvolle Entlassung. Im selben Jahr verliert Österreich bei Freiberg die letzte Schlacht gegen die Preußen und damit auch den Siebenjährigen Krieg. Das wird nachfolgend auch durch den Friedensschluss bestätigt.

Erneut auf dem Schlachtfeld

General von Laudon

Laudon zieht sich dann nach Hadersdorf bei Wien zurück, wo er ein Schloss erworben hat. Dort lebt er zusammen mit seiner Frau und gerät fast in Vergessenheit. Als 1788 der 8. Österreichische Türkenkrieg beginnt, ist der Feldmarschall bereits jenseits der Siebzig. Dennoch meldet er sich zum Dienst, wird aber vorerst von Kaiser Josef II. abgelehnt. Erst als die Österreicher mehrere Niederlagen erleiden, wird Laudon doch berufen. Und mit ihm wendet sich das Blatt für die Habsburgermonarchie. Als besonders schlagkräftig in diesem Krieg erweist sich die Artillerie, in der Zezulčík zufolge damals viele Männer aus Böhmen dienen. Die Verdienste um die Modernisierung der österreichischen Armee schreibt der studierte Historiker Fürst Josef Wenzel von Liechtenstein zu. In der Nähe von Týn nad Vltavou / Moldauthein legt der Adlige im 18. Jahrhundert einen Militärübungsplatz und ein Labor für die Entwicklung neuer Waffen an. Das kommt letztlich auch Laudon zugute. Der Feldherr beendet seinen erfolgreichen Feldzug auf dem Balkan im Herbst 1789 mit der Eroberung der von Türken besetzten Festung Kalemegdan oberhalb von Belgrad. Ernst Gideon von Laudon kehrt als Held nach Hause zurück und erhält Titel „Generalissimus“.

Modell des Hauptplatzes in Neutitschein mit Truppen des Generals von Laudon (Foto: Jan Polák, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Kaum ein Jahr später ist der hochverdiente Militär erneut im Einsatz – und zwar Mitte Juni 1790 im mährischen Neutitschein. Auf Bitte des Kaisers soll er die hohe Truppenkonzentration im mährisch-schlesischen Grenzgebiet ins Visier nehmen.

„Von der Stadt aus unternahm er Inspektionsfahrten in die Umgebung, um die Stellungen seiner Truppen vor Ort zu kontrollieren. Im nahegelegenen Grätz, heute Hradec nach Moravicí bei Opava, besuchte Laudon den schlesisch-österreichischen Fürsten Karl Lichnowsky. Dieser wurde auch als Mäzen von Mozart und Beethoven bekannt und hielt sich zu diesem Zeitpunkt in seiner Burganlage auf. Doch beim Mittagessen mit Lichnowsky wurde Laudon übel. Er musste in einer Kutsche zurück nach Neutitschein gebracht werden. Nach einer kurzen Besserung verlor Laudon aber seinen Ringen mit dem Tod und starb am 14. Juli 1790.“

General von Laudon auf dem Sterbebett (Foto: Jan Polák, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Zwei Tage später wird der Leichnam des 74-Jährigen in einem Doppelsarg nach Wien und nachfolgend nach Hadersdorf gefahren, wo er in der Familiengruft beigesetzt wird.

Wiedergefundene Büchersammlung

Im Haus an der Ecke des Zentralplatzes von Nový Jičín, in dem Laudon der Tod ereilte, wurde 2014 eine interaktive Ausstellung eröffnet. Ihr Kurator Jaroslav Zezulčík hat sie so konzipiert, dass sie einen Einblick in einzelne Lebensabschnitte des Generals vermittelt. Besucher aus dem In- und Ausland kommen gerne dorthin. Davon, dass sich Laudon in den Kriegswirren des 18. Jahrhunderts voll in seinem Element fühlte, zeugt auch seine umfassende Büchersammlung, die er öfters bei seinen Missionen nach Neutitschein mitgenommen hatte:

Laudons Büste in Nový Jičín (Foto: Jitka Mládková)

„Es handelt sich um eine der bedeutendsten Schlossbibliotheken in Mähren. Laudon war Autodidakt, er eignete sich seine Kenntnisse im Metier des Berufssoldaten selbst an. Nach und nach baute er auch eine umfassende Bibliothek auf, deren Schwerpunkt Werke zur Kriegsführung waren. Anhand von Schlachtplänen, Landkarten oder Skizzen machte er sich mit den Strategien seiner berühmten Vorgänger vertraut. Die wertvollsten Stücke wie zum Beispiel der Belagerungsplan von Belgrad oder Laudons eigene Pläne sind echte Juwelen. Heutzutage befinden sich diese Schätze in den Archiven des Schlosses von Nový Jičín.“

Die Bibliothek galt lange verschollen und wurde erst vor einigen Jahren auf der Burg Bítov / Vöttu wiedergefunden. Sie zählt über 13.000 Einzelstücke und befindet sich heute im Besitz der Nationalbibliothek in Prag. Sie zu sehen war auch für die Nachkommen der Familie Laudon eine große Überraschung, mit denen Zezulčík erst 1990 „legal“ Kontakt aufnehmen konnte. Als 2017 das traditionelle „Fest der Stadt“ in Neutitschein veranstaltet wurde, stand das Programm im Zeichen des 200. Geburtstags des legendären Feldmarschalls. Unter den Gästen waren auch 51 seiner Nachkommen, die in Österreich leben. Das diesjährige „Fest der Stadt“ wurde allerdings wegen der Coronakrise auf einen späteren Termin verlegt. Und auch das Gedenken an den Generalissimus anlässlich seines 230. Todestags hatte einen deutlich bescheideneren Rahmen als ursprünglich geplant.

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