Kurbäder, Schaubergwerke und Bike-Strecken – Touristenziel Jáchymov

Jáchymov

Eine der historisch interessantesten Städte im tschechischen Teil des Erzgebirges ist Jáchymov / Sankt Joachimsthal. Der Ort war früher buchstäblich steinreich wegen des Silberbergbaus, später musste man sich neu definieren. Dabei halfen die radonhaltigen Quellen, aus denen der Kurbetrieb entstand. Doch Jáchymov leugnet auch seine Bergbaugeschichte nicht. Zudem ist es ein guter Ausgangspunkt für alle möglichen Unternehmungen in den Bergen. 

Jáchymov Astoria | Foto: LLJ a.s.,  CzechTourism

Man solle ruhig das radonhaltige Wasser probieren. Es lasse sich sogar trinken. Das sagt unsere Begleiterin durch das Schaubergwerk im Hotel Astoria in Jáchymov. Aber halt, Radon – das ist doch ein strahlendes Element… Ist das nicht gefährlich?

„Nein, es strahlt nur sehr leicht“, betont die Fremdenführerin. Wenn man aber seine Wirkung nutzen wolle, müsse man schon hierher in den Kurort kommen. Denn Radon ließe sich eigentlich nicht im Wasser binden, und daher könne man das Wasser auch nicht irgendwo andershin transportieren, um dort Anwendungen anzubieten, heißt es.

Jachymov Radonbad | Foto: LLJ a.s.,  CzechTourism

In Jáchymov ist heute der Kurbetrieb wichtig. Dabei könnte man ihn eigentlich als Nebenprodukt dessen bezeichnen, was einst den Ruhm und den Reichtum der kleinen Stadt ausgemacht hat. Barbora Volfová ist Verkaufsmanagerin des dortigen Heilbades. Bei einem Treffen im Hotel Astoria erläutert sie:

„Die Ursprünge des Bäderwesens und des Ruhms von Jáchymov liegen am Anfang des 16. Jahrhunderts. Damals begann die reiche Familie Schlick mit dem Abbau von Silbererz. Daraus wurden Münzen geprägt, so entstand der Joachimsthaler, das heißt der Inbegriff des Talers. Diese Münzen gelangten bis nach Amerika, und dort wurde aus ihnen später wohl der Dollar. Hier im Ort entdeckte man später noch weitere Erze – unter anderem auch Uran. Als 1864 die Bergleute bei ihrer Arbeit im Schacht Svornost (Einigkeitsschacht, Anm. d. Red.) auf eine heiße Quelle stießen, kam noch das Radon-Wasser hinzu. Die Arbeiter hatten zwar Probleme durch die Strahlung, aber sie merkten auch, dass das Wasser ihre Schmerzen an Beinen und Armen linderte. Man ließ dann diese Heilkraft überprüfen und begann, das Nass ins Tal zu leiten. Im ersten Kurhaus wurden etwas später dann die Anwendungen angeboten.“

Jáchymov Aquacentrum | Foto: LLJ a.s.,  CzechTourism

1906 wurde Jáchymov beziehungsweise Joachimsthal das erste Radon-Bad der Welt. Vor allem zwischen den Weltkriegen boomte dann dieser Wirtschaftszweig mit hohen Besucherzahlen und prominenten Gästen wie etwa Karl May und der tschechoslowakische Staatsgründer Tomáš Garrigue Masaryk…

„In den 1950er Jahren wurde der Kurbetrieb in der Stadt eingestellt. Stattdessen mussten politische Gefangene in den Stollen arbeiten und Uran abbauen. Die Gegend war deswegen damals Sperrgebiet und erlangte traurige Berühmtheit. Doch nach einiger Zeit waren die Uranvorräte erschöpft. Und 1962 wurde der Kurbetrieb wieder aufgenommen“, so Volfová.

Jáchymov - Besichtigungstunnel | Foto: Štěpánka Filipová,  CzechTourism

Und das gilt bis heute. Prüfstein für die Tourismus-Industrie auch in Jáchymov wurde die Corona-Pandemie mit den Lockdowns und geschlossenen Grenzen. Doch durch die schwierige Zeit sei man relativ gut durchgekommen, weiß Volfová zu berichten, unter anderem wegen der Verträge mit praktisch allen tschechischen Krankenversicherungen:

„Wir haben hier 60 Prozent Kurgäste und 40 Prozent Wellness-Kunden. Im Vergleich dazu hat Karlsbad etwas die Zeit verschlafen, weil dort relativ viele Kurhäuser nach der Samtenen Revolution ihre Verträge mit den Krankenkassen nicht weitergeführt haben. So blieben nur drei bis vier Häuser übrig, die auch die Corona-Zeit gut bewältigt haben“, so der Vergleich durch die Verkaufsmanagerin aus Jáchymov.

Deutsche sind zweitgrößte Besuchergruppe

Rund 20 Prozent der Kurgäste in Jáchymov kommen aus Deutschland. Šárka Košťálová ist Managerin für die deutschsprachigen Märkte beim örtlichen Kurbad. Mit ihr nun ein Gespräch nicht nur über den Badebetrieb der Stadt, sondern allgemein über Jáchymov als Besucherziel.


Uranbergbau in Jáchymov | Foto: Museum der Stadt Karlovy Vary

Frau Košťálová, welche Bedeutung hat heute der Kurbetrieb für Jáchymov?

„Eine große, weil Jáchymov ursprünglich eine reiche Bergbaustadt war, aber die Bergwerke alle außer Betrieb sind. Die Menschen hier ernährt also vor allem das Kurwesen. Das heißt, viele arbeiten in den hiesigen Hotels, die insgesamt 1300 Betten bieten. Es ist praktisch das einzige Gewerbe in unserer Region am Fuße des Erzgebirges.“

Und welche Rolle spielen deutsche Gäste?

„Sie spielen eine sehr wichtige Rolle, weil sie die zweitgrößte Besuchergruppe sind. Am häufigsten sind natürlich Tschechen bei uns, die über ihre Krankenkassen hier kuren. Aber auch unter den deutschsprachigen Gästen haben wir viele Stammkunden, die regelmäßig wiederkehren. Sie haben gespürt, dass die Radonbäder helfen genauso wie unsere einzigartigen ‚Joachimsthaler Schachteln‘ – also die Brachyradium-Schmerztherapie (Radiumsalze werden in speziellen Schachteln direkt auf schmerzende Stellen des Körpers gelegt, Anm. d. Red.). Mittlerweile kommen aber auch jüngere deutsche Familien hierher, die schwimmen gehen oder einfach Wellness machen. Während der Ferienzeit sind dann ebenfalls die Kinder dabei. Wir haben also im Bereich der Kurzaufenthalte viele deutsche Gäste.“

Klínovec | Foto: Tomáš Rucký,  CzechTourism

Heißt das, dass Deutsche über ihre Krankenkasse die Behandlung abrechnen können?

„Ja, aber es funktioniert so, dass die Deutschen ihren Kuraufenthalt hier erst einmal voll bezahlen. Am Ende erhalten sie eine detaillierte Rechnung, in der die Preise der einzelnen Anwendungen aufgelistet sind. Mit dieser Rechnung wenden sich die Gäste dann an ihre Krankenkasse und bekommen einen Zuschuss. Am besten ist es, wenn man sich vorher bei der jeweiligen Krankenkasse informiert, welche Bedingungen für die Abrechnung bestehen. Denn diese können unterschiedlich sein.“

Jáchymov - Besichtigungstunnel | Foto: Štěpánka Filipová,  CzechTourism

Sie haben ja gesagt, dass Jáchymov ursprünglich eine Bergbaustadt war. Wo kann man denn bis heute noch in Stollen gehen?

„Auf der tschechischen Seite des Erzgebirges gibt es nicht so viele Besucherstollen oder Schaubergwerke wie auf der sächsischen. Aber hier in Jáchymov gibt es den Stollen Nr. 1. Er liegt oben in der Altstadt, wo sich auch der Förderturm befindet. Dieser Schacht ist aber nur in der Sommerzeit zugänglich. Doch direkt hier im Keller des Hotels Astoria wurde nun ein Stollen nachgebaut, den man besichtigen kann. Unter anderem wird beim Rundgang auch ein Film in deutscher Sprache über das Radonwasser und die Geschichte der Stadt gezeigt. Dieser Besucherstollen Astoria ist erst vor zwei Jahren eröffnet worden.“

Svatošské skály | Foto: MARK BBDO,  CzechTourism

Denkt man an den Sommer, könnte man meinen, dass hier im Erzgebirge vor allem gewandert wird. Doch nun habe ich gehört, dass Downhill-Biken fast noch beliebter ist…

„Das stimmt. Am Keilberg (tschechisch Klínovec, Anm. d. Red.) gibt es Trailstrecken. Unsere Besucher kommen zwar gerne mit eigenen Fahrrädern hierher, doch kann man bei uns zum Beispiel auch E-Bikes leihen. Das ist hier in den Bergen ja auch angenehmer. Viele Gäste nutzen die Möglichkeit, mit dem Sessellift auf den Keilberg zu gondeln und dann oben die Gegend mit dem Fahrrad zu erkunden. Des Weiteren besteht ein Radweg von Jáchymov nach Ostrov, also in die nächstgelegene Stadt in Richtung Karlsbad. Vor zehn Jahren wurde dieser Weg auf der früheren Bahntrasse angelegt.“

Und den empfehlen Sie auch einmal entlangzufahren?

„Ja, genau. Man kann dort aber auch entlangwandern. Ab und zu gehe ich auf dem Radweg nach Hause. Das ist ein angenehmer Spaziergang von anderthalb Stunden. Mit dem Fahrrad ist man natürlich schneller – für die Strecke braucht man eine Viertelstunde oder 20 Minuten.“

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Autor: Till Janzer
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