„Mein Hass verwandelte sich in Liebe zu Israel“, Arafats Vertrauensmann stellt sein Buch in Prag vor

Tass Saada (Foto: Martina Schneibergová)

Vor mehr als 40 Jahren war er ein Fatah-Kämpfer und Chauffeur von Jassir Arafat. Später konvertierte er zum Christentum und begann sich für den Frieden im Nahen Osten einzusetzen. Der Mann heißt Tass Saada. Seine Lebensgeschichte fasste er in einem autobiografischen Buch zusammen, das diese Woche in tschechischer Sprache erschien.

Tass Saada (Foto: Martina Schneibergová)
Geboren wurde der Palästinenser Taysir Abu Saada - oder kürzer Tass Saada - im Gaza-Streifen, seine Eltern zogen mit ihm jedoch bald nach Saudi-Arabien um. Mit 17 Jahren schloss sich Saada den Fatah-Kämpfern um Jassir Arafat an, um gegen Israel zu kämpfen. Er war ein Vertrauensmann des Palästinenserführers und ein Heckenschütze. Mitte der 1970er Jahre schickten ihn die Eltern in die USA, um zu studieren. In den 1990er Jahren konvertierte der ehemalige Fatah-Kämpfer dort zum Christentum. Er habe die Bibel gelesen und sich geändert, erzählt Tass Saada:

„Mein Hass auf Israel und Juden verwandelte sich in Liebe. Ich bestehe darauf, dass Israel ein Existenzrecht hat, aber stimme nicht all dem zu, was der Staat Israel macht. Ich hoffe, dass wir eines Tages erleben, dass Frieden zwischen den Juden und den Palästinensern herrschen wird. Aus diesem Grund bin ich mit meiner Frau nach Israel ans Westjordanufer umgezogen, um Friedensbrücken zwischen Jericho und Jerusalem und zwischen dem Gaza-Streifen und Jerusalem zu bauen.“

Foto: Kristýna Maková
Saada war zuvor in den USA ein erfolgreicher Unternehmer in der Gastronomie. Dann habe er seine Hotels verkauft und das Geld in eine Hilfsorganisation gesteckt. Sie heißt „The Seeds oft Hope“ (Samen der Hoffnung) und betreibt Schulen in Jericho und Jerusalem. Über die Reaktion seiner Verwandten auf seine jetzige Tätigkeit sagte Saada:

„Die Beziehungen zu meinen Freunden und Verwandten haben sich sehr verschlechtert, nachdem ich vom Islam zum Christentum konvertiert bin. Und ich muss damit irgendwie leben. Ich liebe meine Verwandten, ihre Feindseligkeit gegenüber mir ändert daran nichts.“

Saada hat kein Verständnis dafür, was die Hamas-Leute im Gaza-Streifen als Befreiungskampf bezeichnen:

Foto: Kristýna Maková
„Die Hamas ist eine Terrororganisation. Sie unterdrückt und kontrolliert ihre eigenen Leute. Sie schafft eine Situation, die wir in den letzten Monaten alle gesehen haben, als viele Palästinenser getötet und viele Häuser zerstört wurden. Denn die Hamas hat beschlossen, Raketen von Zivilinstitutionen abzufeuern. Sie haben Raketen auch von einer Stelle direkt hinter dem Büro meiner Hilfsorganisation abgefeuert. Dann folgte die Reaktion Israels, die Israelis haben mein Büro gemeinsam mit anderen Häusern vernichtet. Dies ist nicht das Traurige. Traurig ist, dass dabei viele Frauen und Kinder ums Leben kamen. Traurig ist vor allem die Tatsache, dass Israel seine Arbeit nicht zu Ende geführt und die Hamas nicht beseitigt hat.“

Tass Saada ist auf Einladung des William-Wilberforce-Instituts, eines christlichen Think-Tanks, zu Besuch nach Prag gekommen. Das Buch stellt er in diesen Tagen noch in weiteren Städten Tschechiens vor, darunter in Kutná Hora und in Český Těšín.