Milliardär Babiš will nach Kauf von Mafra größten Verlag in Tschechien schaffen

Andrej Babiš (Foto: ČTK)

Vor sechs Wochen haben wir Ihnen die deutsche Tochtergesellschaft der tschechischen Agrofert Holding vorgestellt. Mit einem konsolidierten Jahresumsatz von mehr als 5,5 Milliarden Euro gilt die Holding derzeit als die viertgrößte tschechische Firma. Doch das soll nicht so bleiben. Neben ihren vornehmlichen Betätigungsfeldern, der Agrar- und der Chemiewirtschaft, steigt Agrofert jetzt auch immer stärker in das Mediengeschäft ein. Erst vor kurzem hat der tschechische Milliardär und alleinige Besitzer der Agrofert Holding, Andrej Babiš, die tschechische Mediengruppe Mafra von der Rheinisch-Bergischen Verlagsgesellschaft mbH gekauft. Sein Ziel: In bis zu drei Jahren will er auf diesem Sektor den größten Verlag des Landes schaffen.

Andrej Babiš (Foto: ČTK)
Der 58-jährige Andrej Babiš ist ein Maximalist. Ein erfolgreiches Geschäft oder die Übernahme einer Firma sind für ihn lediglich ein weiterer Baustein auf dem Weg nach ganz oben. Laut Veröffentlichungen des angesehenen Forbes-Magazins sei das Vermögen von Babiš im vergangenen Jahr auf 1,4 Milliarden US-Dollar angewachsen – damit lag der in Bratislava geborene Tscheche auf Platz 913 unter den reichsten Männern der Welt. Und Babiš setzt nach wie vor auf das Konzept, seine „horizontale wie vertikale Wertschöpfungskette“ immer weiter zu vergrößern. Zu dieser Kette gehören neuerdings auch die Medien. Seine Firma AGF Media gibt die Wochenzeitung „5+2 dny“ (5+2 Tage) heraus, die kostenlos abgegeben wird. Im April kaufte Agrofert den Verlag Ecopress, der in der Slowakei unter anderem die Wirtschaftszeitung „Hospodárske noviny“ herausgibt. Und seit Ende Juni nennt Babiš auch die große Verlagsgruppe Mafra sein eigen.

Zeitung ´5+2 dny´ (Foto: Archiv der Zeitung ´5+2 dny´)
„Ich denke, dass Mafra ein riesiges Potenzial hat. Zur Verlagsgruppe gehören seriöse Tageszeitungen ebenso wie viele weitere tolle Medien. Dieses Potenzial passt sehr gut zum Konzept der Zeitung ´5+2 dny´. Das ist ein Konzept, an das ich glaube, denn meiner Meinung nach gehört regionalen Zeitungen und Wochenzeitschriften die Zukunft“, begründet Babiš seine jüngste Erwerbung.

In der Tat, mit der Verlagsgruppe Mafra hat Babiš nicht irgendeine Firma, sondern einen der größten Zeitungsverlage in Tschechien gekauft. Von diesem Verlag werden unter anderem die führenden Tagesblätter „Mladá fronta Dnes“ und „Lidové noviny“ sowie die unentgeltliche Tageszeitung „Metro“ herausgegeben. Zum Verlag gehören des Weiteren der Nachrichtenserver idnes.cz oder der TV-Musikkanal Óčko. Der Kauf von Mafra hat bei einigen in der Branche jedoch sofort die Befürchtung ausgelöst, dass der Milliardär nun seine Verlage zusammenlegen könnte. Dieser Befürchtung hält Babiš indes entgegen:

Gebäude des Mafra-Verlags (Foto: Aktron, CC BY-SA 3.0)
„Nein, diese Gefahr besteht gewiss nicht. Im Gegenteil, Mafra ist ein gesunder, stabiler Verlag, was ich von unserer Zeitung ´5+2 dny´ leider nicht behaupten kann. Mit deren mangelnder Wirtschaftlichkeit schlagen wir uns schon länger herum. Dort hatte ich ein Management, das mir Dinge vorlegte, die ich für unrealistisch hielt. Ich glaube vielmehr, dass uns das Management von Mafra bei der Umstrukturierung von ´5+2 dny´ helfen wird.“

Und auch die bei Mafra befürchteten Einsparungen bei den 1100 Arbeitsplätzen wird es laut Babiš nicht geben:

„Wir machen kein Mikromanagement. Ich habe 300 Firmen, und meine hauptsächliche Aufgabe ist es, mich um die Unternehmen zu kümmern, die rote Zahlen schreiben. Dazu gehört beispielweise auch ´5+2 dny´. Diese Zeitung werde ich Mafra übergeben, damit daraus eine profitable Firma wird.“

Allen anderslautenden Gerüchten zum Trotz betont Babiš dann auch nochmals, dass er in das Tagesgeschäft von MAFRA nicht eingreifen werde:

twobee, FreeDigitalPhotos.net
„Ich wiederhole es noch einmal: Wir sind in den Verlag als finanzieller Investor eingestiegen. Wir stecken einiges Geld hinein und versprechen uns davon, dass der Kapitalwert von Mafra dadurch steigt. Sobald die Übernahme genehmigt ist, wird uns das Management von Mafra mit Sicherheit sagen, was man zu tun gedenke, um zu expandieren und weiter zu wachsen.“

Der Verkauf von Mafra an Agrogfert muss tatsächlich noch vom tschechischen Kartellamt bestätigt werden. Über den Verkaufspreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart, Babiš nennt aber zumindest einige Details:

„Im Kaufpreis enthalten sind die Immobilie im Prager Stadtteil Smíchov, die Druckerei, halt die gesamte Verlagsgruppe.“

Einige Irritationen hat der Verkauf von Mafra an Agrofert dann allerdings doch ausgelöst, und zwar in der Medienpolitik. Der Grund: Andrej Babiš versucht sich seit geraumer Zeit auch politisch zu engagieren und hat dazu vor zwei Jahren die politische Bewegung „Ano“ gegründet. Babiš ist Vorsitzender der Bewegung und hat aus dieser Position heraus auch schon einige Male die aktuelle Politik und deren Interpreten kritisiert. Bei den nächsten Parlamentswahlen will seine Bewegung dann auch schon an den Start gehen. Medienanalytiker Miloš Čermák hegt deshalb so seine Bedenken:

Karel Hanzelka (Foto: Archiv des Verkehrsministeriums der Tschechischen Republik)
„Innerhalb der nächsten zwei bis zwölf Monate werden aller Voraussicht nach Wahlen stattfinden. Von daher denke ich, dass das neue Imperium ungemein in die politisch-mediale Landschaft eingreifen wird.“

Dem wiederum hält Agrofert-Sprecher Karel Hanzelka entgegen:

„Wir betrachten den Kauf von Mafra wirklich nur als ein Investitionsvorhaben. Er steht in keinem Zusammenhang mit den politischen Aktivitäten von Herrn Babiš.“

Wenn man indes die wiederholt kritischen Töne von Babiš zu den politischen Verantwortungsträgern vernimmt, dann kann man schon heraushören, dass der erfolgsbesessene Unternehmer und Ano-Chef sein Pulver noch längst nicht verschossen hat:

Quelle: Archiv Agrofert Deutschland
„Die Ergebnisse unserer Politiker sind nur Geschwafel, aber nichts Reelles. Wenn Sie mich fragen, was der Unterschied zwischen mir und diesen Politikern ist, dann würde ich sagen: Ich habe in den zurückliegenden 20 Jahren die größte Firma des Landes aufgebaut, und zwar von Grund auf.“

Die Agrofert Holding ist dabei schon längst kein rein tschechisches Unternehmen mehr. Der Fokus der Firma liegt im Wesentlichen auf Europa, und speziell in Deutschland ist Agrofert sehr aktiv. Hier hat man vor elf Jahren auch die Agrofert Deutschland GmbH gegründet – ein Unternehmen, das inzwischen zu einem festen Bestandteil der deutsch-tschechischen Wirtschaftsbeziehungen geworden ist. Das bestätigte Andrej Babiš auch jüngst in Berlin, als er Präsident Miloš Zeman bei dessen Antrittsbesuch in Deutschland als einer der führenden tschechischen Wirtschaftsvertreter begleitet hat:

„Ich bin der größte tschechische Investor in Deutschland und beschäftige dort 6000 Arbeitnehmer. Dabei habe ich festgestellt, dass meine Firma seit 2002, als ich in Deutschland eingestiegen bin, dem deutschen Staat insgesamt 380 Millionen Euro an Steuern gezahlt hat. Das ist eine erstaunlich große Summe, davon bin ich selbst überrascht. Ich denke, dafür könnte mir die deutsche Regierung eine Medaille verleihen.“

Nach der Übernahme der Verlagsgruppe Mafra wird der Milliardär seine Erfolgsgeschichte womöglich auch medial noch breiter präsentieren. Auf alle Fälle aber darf man gespannt sein, ob Vertreter der Wirtschaft wie Babiš angesichts der anhaltenden Rezession und einer Politik, die wohl zu wenig dagegen tut, nun auch politisch noch stärker in Erscheinung treten.