Mini-AKWs: Tschechien bringt gemeinsam mit Großbritannien Entwicklung von SMR-Technik voran
Die Nutzung kleiner modularer Reaktoren (SMR) zur Energiegewinnung ist derzeit noch Zukunftsmusik. Die tschechische Regierung will die Entwicklung und den künftigen Bau der Mini-Kernkraftwerke aber voranbringen. Dazu wurden am Freitag erste konkrete Schritte unternommen.
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Die Atomkraft ist in Tschechien Staatsräson. So wird in den kommenden zehn Jahren eines der beiden Kernkraftwerke, nämlich jenes im südmährischen Dukovany, ausgebaut. Am Freitag hat die Regierung in Prag aber auch ihre Pläne vorangebracht, künftig kleine modulare Reaktoren zu nutzen, um Strom aus Kernenergie zu erzeugen.
Wie funktioniert die SMR-Technik?
Ondřej Novák ist Wissenschaftler am Institut für Kernreaktoren der Technischen Universität ČVUT in Prag. Im Interview für die Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks nannte er am Freitag nicht nur die kompakte Bauweise der Mini-Reaktoren als Vorteil. Die neue Technik ermögliche auch, die Kraftwerke an ihrem Bestimmungsort nach dem Baukastenprinzip zusammenzusetzen, sagt Novák:
„Die Bauzeit dürfte sich dadurch verkürzen, was sicherlich ein großer Vorteil ist. Zudem könnte es zu einer Massenproduktion kommen. Die Module sollen in identischer Form in 20- oder 30-facher Ausführung hergestellt werden und am Ende nur ein anderes Schild erhalten, je nachdem, wo sie hingeschickt werden.“
Dadurch dürfte das ganze Verfahren am Ende günstiger sein, sagt Novák.
Europa mit Kernkraft erobern
Allerdings hat die Sache auch einen Haken: Bisher gibt es noch gar keinen kleinen modularen Reaktor. Damit sich das ändert, wurden am Freitag im Industrie- und Handelsministerium zwei Schriftstücke unterzeichnet. Zum einen hat das Ministerium ein Memorandum mit ČEZ abgeschlossen. Der halbstaatliche Energiekonzern verpflichtet sich darin, die Forschung auf dem Gebiet kleiner modularer Reaktoren voranzubringen. Zum anderen unterschrieben Vertreter von ČEZ und des britischen Unternehmens Rolls-Royce SMR einen Vertrag über vorbereitende Maßnahmen zur gemeinsamen Entwicklung der kleinen Kernkraftwerke. Der britische Botschafter in Prag, Matt Field, wohnte den beiden Vertragsunterzeichnungen am Freitag bei und zeigte sich hinterher begeistert:
„Der heutige Tag ist ein Meilenstein – nicht nur für das Vereinigte Königreich und die Tschechische Republik, sondern auch für die energietechnische Zukunft Europas.“
Ähnlich große Worte fand auch der tschechische Industrieminister Karel Havlíček (Partei Ano).
„Wir wollen gemeinsam mit Großbritannien, Rolls-Royce und ČEZ Europa erobern. Denn es gibt hervorragende Möglichkeiten, die neuen Produkte an die europäischen Länder zu verkaufen. Und es besteht die Chance, dabei die britische und die tschechische Industrie einzubinden.“
Reaktor an der Grenze zu Sachsen
Der erste kleine modulare Reaktor in Tschechien soll bis in zehn Jahren auf dem Gelände des Kernkraftwerks Temelín in Südböhmen stehen. Zu möglichen weiteren Orten sagte der ČEZ-Vorstandsvorsitzende Daniel Beneš am Freitag:
„Wir wollen, dass die kleinen modularen Reaktoren vor allem dort entstehen, wo sich derzeit Kohlekraftwerke befinden. Wir können Tschechien dadurch unabhängig von fossilen Energieträgern machen, ein hohes Maß an Energiesicherheit gewährleisten und konkurrenzfähig bleiben.“
Einer der Reaktoren soll dabei auch im Kohlekraftwerk Tušimice aufgebaut werden. Der Ort liegt nahe der Grenze zu Sachsen, wo die Pläne zuletzt auch auf Widerstand stießen.
Bis 2050 will ČEZ im ganzen Land kleine modulare Reaktoren mit einer Gesamtleistung von drei Gigawatt errichtet haben. Zum Vergleich: Die beiden Kraftwerke in Dukovany und Temelín haben derzeit eine Leistung von jeweils rund zwei Gigawatt.
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