Mission Zero G: Tschechische Jugendliche probieren Schwerelosigkeit aus

Zero-G-Flugbesatzung in der Schwerelosigkeit
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26 Jugendliche hingen am Sonntag kopfüber im Himmel über Tschechien. Sie hatten sich erfolgreich für die Mission Zero G beworben und konnten in einem speziellen Airbus erleben, wie sich Schwerelosigkeit anfühlt.

Mit einer Art Schlachtruf feierten die ausgewählten Jugendlichen ihre Mission namens Zero G. Sie trugen blaue Overalls, so wie echte Astronauten. Und womöglich handelt es sich bei ihnen auch um den tschechischen Nachwuchs für künftige Weltraumflüge. Am Sonntag konnten sie erstmals ausprobieren, ob sie den Zustand der Schwerelosigkeit aushalten.

Pressekonferenz zur Zero-G-Mission | Foto: Verkehrsministerium der Tschechischen Republik

Die Erwartungen seien riesig und die Vorfreude nicht zu beschreiben, äußerten die Jugendlichen gegenüber den Reportern des Tschechischen Rundfunks, bevor sie am Prager Václav-Havel-Flughafen in den Airbus A310 stiegen. Bis zur Maschine wurden sie von Staatspräsident Petr Pavel begleitet.

Die Mission Zero G ist Teil des staatlichen Projekts „Česká cesta do vesmíru“ (Der tschechische Weg in den Weltraum). Es soll nicht nur die Weltraumwissenschaften beliebter machen, sondern auch die einheimische Raumfahrtindustrie stärken. 861 Schülerinnen und Schüler aus allen Teilen des Landes hatten sich im Herbst vergangenen Jahres beworben. In Vorbereitungsgesprächen, Tests und einem abschließenden Trainingscamp wurden letztlich 26 von ihnen ausgewählt, bei einem Sonderflug die Schwerelosigkeit erleben zu können.

Verlauf des Zero-G-Flugs | Foto: Verkehrsministerium der Tschechischen Republik

Für diese Zwecke ist der Innenraum des Airbus leer. Die Maschine bewegt sich in großen Wellenbewegungen in der Luft und fliegt Parabeln ab. Auf deren Höhepunkt steigt das Flugzeug in einem Winkel von 50 Grad nach oben, bremst scharf ab und geht in den Sturzflug. Für etwa 20 Sekunden verliert die Erdanziehungskraft dabei ihre Wirkung. Vor dem ersten Versuch werden die Jugendlichen aufgefordert, keine Verrücktheiten zu versuchen… Dann ist die Euphorie unüberhörbar. Und sie hält lange an, wie etwa bei dieser Teilnehmerin:

„Ich hatte die Augen erst geschlossen. Als ich sie wieder aufmachte, sah ich diesen Mann kopfüber vor mir hängen. So ganz normal haben wir uns Guten Tag gesagt.“

Betreut wurde die Gruppe von dem tschechischen Astronauten Aleš Svoboda. Er ist einer der Leiter der Mission Zero G, die nach der englischen Bezeichnung für „Null Gravitation“ benannt ist:

„Wir haben jetzt schon mehrere Parabelflüge mit dem Punkt Zero G erlebt, und es läuft super. Die Schüler versuchen, sich um sich selbst zu drehen oder auch wie Superman zu fliegen. Außerdem können sie ins Cockpit schauen, wie es von dort aus aussieht. Ich glaube, sie haben richtig Spaß.“

Zero-G-Flugbesatzung in der Schwerelosigkeit | Foto: Verkehrsministerium der Tschechischen Republik

Spaß brachten auch verschiedene Aufgabenstellungen. So sollten die Teilnehmenden in der Schwerelosigkeit herumschwebende Wassertropfen trinken oder Karten spielen. Die 13-jährige Anna war die jüngste im Team. Auch sie war ganz berauscht:

„Gott, es ist unbeschreiblich. Mir ist ein bisschen schlecht davon, wie wir nach oben gestiegen sind. Aber ansonsten ist es ein unglaubliches Erlebnis. Ich hatte nur erwartet, dass der Moment der Schwerelosigkeit länger anhalten würde und nicht so schnell vorbeigeht.“

Jan Spratek | Foto: René Volfík,  Tschechischer Rundfunk

Und begeistert die Mission Zero G Anna tatsächlich für das Universum?

„Ganz sicher. Ich interessiere mich für Psychologie. Darum würde ich die Weltraumwissenschaft gern mit ihr verbinden.“

Während des zweistündigen Fluges wurden die Jugendlichen insgesamt 16 Mal in den Zustand der Schwerelosigkeit versetzt. Jan Spratek vom Prager Planetarium hatte die Teilnehmenden mit ausgewählt und zeigte sich am Sonntag zufrieden:

„Von der Gruppe sind immer wieder Sprechchöre zu hören, mit denen sie sich bedankt. Also denke ich, dass das Hauptziel der Mission erfüllt wurde.“

Autoren: Daniela Honigmann , Ondřej Vaňura | Quelle: Český rozhlas
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