Missionschef Doktor schwärmt: Olympisches Dorf in Rio ist schönstes, das er kennt

Lukáš Krpálek (Foto: ČTK)

Bis zum Beginn der Olympischen Sommerspiele am Freitag in Rio de Janeiro verbleiben nur noch wenige Stunden. Der großen Eröffnungsfeier fiebern auch die 105 Sportlerinnen und Sportler aus Tschechien entgegen. Und einer von ihnen ist besonders aufgeregt: der Judoka Lukáš Krpálek. Denn seit Mittwoch steht fest, dass der Weltmeister im Halbschwergewicht von 2014 die tschechische Fahne in das Olympiastadion tragen wird.

Jiří Kejval  (Foto: Šárka Ševčíková,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Mitte Juli hat das Tschechische Olympische Komitee (ČOV) die Sportlerinnen und Sportler nominiert, die das Land bei den Spielen in Rio repräsentieren werden. Es wurden 105 Namen genannt – das ist die niedrigste Anzahl in der Geschichte der selbständigen Republik. Doch der Grund dafür ist simpel: Zum ersten Male seit der Trennung von der Slowakei (1993) hat sich keine tschechische Mannschaft für Olympia qualifiziert. Die letzte Hoffnung dafür war das Basketball-Team der Männer, doch es scheiterte im Halbfinale des Qualifikationsturniers an Serbien.

Trotz dieses Dämpfers ist der Vorsitzende des Tschechischen Olympischen Komitees, Jiří Kejval, sehr zuversichtlich. Bei der Einweihung des Olympiaparks am südböhmischen Lipno-Stausee verriet er, dass die Besucher des Parks hier auch die olympischen Medaillengewinner des Landes begrüßen werden.

Zuzana Hejnová | Foto: C messier,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 4.0
„Wenn die Medaillengewinner hier eintreffen, wird sich das bestimmt niemand entgehen lassen. Sollten unsere Sportler kaum Erfolg haben, gäbe es auch wenig zu feiern. Doch ich bin optimistisch. Wir haben in Rio viele Eisen im Feuer, von daher glaube ich, dass wir Grund zum Feiern haben werden.“

Der Chef der tschechischen Olympiamission, Martin Doktor, glaubt sogar, dass die Tschechen in Rio genauso viele Medaillen erringen werden wie vor vier Jahren in London. Es waren zehn: vier goldene, drei silberne und drei bronzene. Dieser Optimismus stützt sich möglicherweise auch darauf, dass das tschechische Team alle vier Olympiasieger von 2012 auch diesmal an Bord hat: Speerwerferin Barbora Špotáková, Ruderin Miroslava Topinková Knapková, Fünfkämpfer David Svoboda und Mountainbiker Jaroslav Kulhavý. Zu den tschechischen Medaillenhoffnungen in Rio gehören außerdem Hürdenläuferin Zuzana Hejnová, Speerwerfer Vítězslav Veselý sowie die Ruderer und Kanuten.

Martin Doktor  (Foto: Adam Kebrt,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Seit einigen Tagen haben die tschechischen Sportler bereits ihr Quartier im olympischen Dorf bezogen. Am Mittwoch wurden sie hier auch feierlich begrüßt. Missionschef Martin Doktor zeigt sich bisher sehr zufrieden:

„Anfangs war es etwas schwierig, sich zu orientieren, welche der Zimmer wir nutzen können und welche nicht. Ansonsten aber muss ich sagen, die Quartiere sind sehr ansehnlich, und das olympische Dorf ist das Schönste, was ich bisher gesehen habe.“

Eine der schönsten Nachrichten in seiner bisherigen Sportlerkarriere hat am Mittwoch ganz sicher auch Judoka Lukáš Krpálek erhalten. In einer Wahl unter den tschechischen Olympioniken wurde er zum Fahnenträger für die Eröffnungsfeier am Freitag auserkoren. Diese Wahl erfülle ihn mit Stolz, doch nicht nur deswegen wolle auch er in Rio nach einer Medaille greifen. Für dieses Vorhaben sei er vor allem psychisch gut vorbereitet, sagt Krpálek:

Lukáš Krpálek  (Foto: ČTK)
„Ich denke, mir hat sehr geholfen, dass vor kurzem mein Sohn Toníček geboren wurde. Von daher weiß ich, es gibt noch wichtigere Dinge im Leben, sollte ich in Rio nicht erfolgreich sein. Andererseits habe ich natürlich den Ehrgeiz, gerade für meinen Sohn eine Medaille zu gewinnen. Damit er auf seinen Vater auch richtig stolz sein kann.“

Die tschechischen Sportler sind also bestens motiviert für ihre Wettkämpfe. Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Martina Sáblíková kann indes weiter nur hoffen, dass ihr die Teilnahme am Zeitfahren der Radfahrerinnen noch in letzter Instanz zuerkannt wird. Tennisspieler Tomáš Berdych und Tennisspielerin Karolína Plíšková haben dagegen ihre sichere Teilnahme aufgekündigt. Aus Angst vor dem Zika-Virus haben sie ihre Reise nach Rio abgesagt.

Autor: Lothar Martin
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