• 30.08.2002

    Der Prager Oberbürgermeister Igor Nemec hat am Freitag für einige Prager Stadtviertel den Gefahrenzustand ausgerufen. Dieser wird ab dem 1. September in den Bezirken 1, 7 und 8, sowie Radotin, Chuchle, Lipence, Troja, Lysolaje und Modrany gelten. Es sei kein Geheimnis, dass die Stadt in einigen ihrer Viertel mit der Beseitigung der Folgen des Hochwassers Schwierigkeiten hat, sagte nach einer Pressekonferenz der Oberbürgermeister. Der Gefahrenzustand wird den Notstand ersetzen, der für Prag und weitere Landkreise von der Regierung erklärt worden war. Dieser Notstand geht am 31. August um Mitternacht zu Ende. Der Gefahrenzustand soll 20 Tage dauern, beide Maßnahmen unterscheiden sich praktisch nicht voneinander, sagte Igor Nemec.

  • 30.08.2002

    Unter speziellen Sicherheitsmaßnahmen wurde am Freitag Nachmittag die Verlagerung des Chlors im mittelböhmischen Chemiewerk Spolana Neratovice in ein neues Depot fortgesetzt. Noch sind zwei Tonnen Chlorgas zu verlagern. Die Firma setzt voraus, dass die Verlagerung des verbleibenden Stoffs im Laufe des Samstags beendet wird. Dann wird auch die zweite Stufe des Alarms abberufen. Der Nachrichtenagentur CTK teilte dies am Freitag der Sprecher der Gesellschaft Unipetrol mit, die Spolana führt.

  • 29.08.2002

    Die tschechische Holding Unipetrol, zu deren Besitzobjekten auch das umstrittene Chemiewerk Spolana im mittelböhmischen Neratovice gehört, hat bei der jüngsten Hochwasserkatastrophe vermutlich Schäden in einer Gesamthöhe von knapp zwei Milliarden Kronen (ca. 65 Millionen Euro) davongetragen. "Dies sind die derzeit genaust möglichen Schätzungen," sagte Unipetrolsprecher Tomás Zikmund am Donnerstag der Nachrichtenagentur CTK. Der allein der Fabrik Spolana zugefügte materielle Schaden wurde von Zigmund mit 750 Millionen Kronen beziffert. Hinzu käme der Verlust von weiteren 380 Millionen Kronen infolge des Produktionsausfalls im Werk, dessen Gelände während der Überschwemmungen bis zu 90 Prozent unter Wasser stand, ergänzte der Sprecher.

    Nach Angaben der Tageszeitung "Lidové noviny" (Donnerstagausgabe) sind beim Austritt von Chlorgas aus dem Chemiewerk Spolana am vergangenen Freitag 19 Menschen verletzt worden. Ein Feuerwehrmann habe wegen starker Schluckbeschwerden zwei Tage im Krankenhaus behandelt werden müssen, berichtete das Blatt. Auf dem Firmenareal beendete eine Spezialeinheit der Feuerwehr am Donnerstag den Transport von Chlor aus einem beschädigten Depot in ein neues Lager. Wie das sächsische Umweltministerium in Dresden am Donnerstag vermeldet hat, sind bei Wasserproben bisher keine Spuren von einer erhöhten Konzentration giftiger Stoffe in der Elbe verzeichnet worden.

    Autor: Lothar Martin
  • 29.08.2002

    Nach der berühmten Karlsbrücke, die während des Hochwassers gesperrt war und am Mittwoch nach 16-tägiger Schließung wieder für den Besucherverkehr freigegeben wurde, konnte am Donnerstag auch das historische Prager Stadtviertel Kleinseite weitgehend wieder von Touristen betreten werden. Lediglich der vollkommen überflutet gewesene Park auf der Kampa-Insel bleibt weiterhin geschlossen. Am Freitag soll ein weiteres unter den meistbesuchten Gedenkstätten der Moldaumetropole den Touristen wieder zugänglich gemacht. Es handelt sich um die wertvolle Altneusynagoge aus dem 13. Jahrhundert. Die im Jüdischen Viertel beheimatete Synagoge hatte bei den verheerenden Überschwemmungen bis zu 1,50 Meter unter Wasser gestanden. Eine Spezialfirma hatte sie nach der Flut gereinigt und sie vom die Bausubstanz angreifenden Schimmel befreit.

    Autor: Lothar Martin
  • 29.08.2002

    Die ungarische Hauptstadt Budapest spendet 30 Millionen Forint (125.000 Euro) für das durch das Moldau-Hochwasser stark in Mitleidenschaft gezogene Prag. Das Budapester Gemeindeparlament billigte am Donnerstag einen diesbezüglichen Antrag der Fraktion der Ungarischen Sozialistischen Partei (MSZP), meldete der Online-Dienst "origo". Die Mittel sind vor allem für Maßnahmen im Gesundheitswesen und bei der Seuchenbekämpfung vorgesehen.

    Autor: Lothar Martin
  • 29.08.2002

    Auf dem sogenannten "Hochwasserkonto" der Organisation „American Friends of Czech Republic" sind inzwischen mehr als 32.000 US-Dollar eingegangen und es werden ständig weitere finanzielle Mittel auf das Konto überwiesen. Spender sind in den USA lebende Tschechen, aber auch US-Bürger und Organisationen. In diesen Tagen beraten die Vertreter der tschechischen Botschaft in Washington mit der Führung von "American Friends" über konkrete Projekte, die von dieser Spendensaktion finanziert werden könnten. Die US-Regierung gewährte Tschechien bislang eine kurzfristige technische und humanitäre Hilfe im Wert von ca. 500.000 US-Dollar. Jetzt werde sich die US- Regierung auf langfristige Projekte konzentrieren, hieß es.

    Autor: Lothar Martin
  • 29.08.2002

    Die Tschechische Republik erhält als EU-Kandidat zur Beseitigung der Hochwasserschäden im Lande voraussichtlich 58 Millionen Euro von der Europäischen Union. Das bestätigte EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen am Donnerstag in Prag bei einem Treffen mit Ministerpräsident Vladimír Spidla. Nach Angaben des Premiers rechnet Tschechien mit Schäden in einer Gesamthöhe von umgerechnet 3,3 Milliarden Euro. Die Prager Regierung will zur Deckung der Kosten unter anderem die Steuern für Treibstoff und Tabak erhöhen. Die EU sei sich ihrer Verantwortung gegenüber dem Beitrittskandidaten bewusst, sagte Verheugen. Laut Spidla hat sein Kabinett noch nicht entschieden, für welche Projekte die EU-Mittel verwendet werden.

    Vor seinem Treffen mit Spidla war Verheugen mit Staatspräsident Vaclav Havel zusammen getroffen. Havel dankte ihm für die Hilfe, die die Europäische Union Tschechien zur Beseitigung der Hochwasserschäden gewähren will. Neben der Flutkatastrophe diskutierten Havel und Verheugen auch über die EU- Erweiterung und über die Lage in Tschechien nach den Abgeordnetenhauswahlen.

    Bei seiner Unterredung mit Tschechiens Außenminister Cyril Svoboda betonte Verheugen, dass die Tschechische Republik bereits jetzt mit der Vorbereitung von großen Projekten zum Wiederaufbau des Landes nach den Überschwemmungen beginnen solle, um im Jahr 2004 entsprechende Gelder aus den Strukturfonds der Union beziehen zu können. Verheugen bestätigte damit erneut, dass im Jahr 2004 eine Erweiterung der EU vorgesehen ist.

    Autor: Lothar Martin
  • 28.08.2002

    Der unweit von Teplice/Teplitz gelegene tschechisch-deutsche Grenzübergang Moldava-Neurehefeld ist seit Mittwoch wieder in Betrieb. Hier werden neben Fußgängern und Radfahrern inzwischen auch wieder Motorradfahrer und Personenkraftwagen abgefertigt, teilte Vlastimil Rehák von der nordböhmischen Ausländer- und Grenzpolizei dazu der Nachrichtenagentur CTK mit. Bis auf weiteres geschlossen bleiben allerdings die nordböhmisch-sächsischen Grenzübergänge Cínovec-Altenberg und Hrensko-Schmilka.

  • 28.08.2002

    Die berühmte Karlsbrücke in Prag ist am Mittwochvormittag um 10 Uhr nach zweiwöchiger Schließung wieder für den Besucherverkehr freigegeben worden. Wegen des Hochwassers war das historische Bauwerk am frühen Morgen des 13. Augusts gesperrt worden. Die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählende Steinbrücke aus dem Jahre 1357 sei nach Meinung der Statiker von der Rekordflut nicht beschädigt worden, hieß es in der heutigen CTK-Meldung.

  • 28.08.2002

    Solange keine Expertengutachten vorliegen, werden offensichtlich im Falle der Überflutung der Prager Metro keine Beschuldigungen erhoben. Dies wurde von der zuständigen Staatsanwaltschaft mitgeteilt. Der stellvertretende Polizeipräsident Miroslav Antl erklärte am Mittwoch gegenüber der Tageszeitung Lidové noviny, er sei davon überzeugt, dass jemand die Verantwortung für die Milliarden Kronen hohen Schäden tragen wird, die die Flutwelle in der Metro verursachte. Nach dem Hochwasser waren 25 Metrostationen außer Betrieb, überflutet und beschädigt sind 17 Stationen. Für eine fahrlässige Gefährdung der Öffentlichkeit droht bis zu 5 Jahre Freiheitsentzug.

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