„Neues Kunstwerk auf altem Sockel“ – 25 Jahre Goethe-Institut in Prag

Sockel eines alten Goethe-Denkmals (Foto: Offizielle Facebook-Seite des Goethe-Instituts)

Mit der politischen Wende entstand in Mittel- und Osteuropa eine Vielzahl von Goethe-Instituten. Von Freitag bis Samstag feiert das Institut in Prag sein 25-jähriges Bestehen und lädt mit einem 25 Stunden langen Programm zum Vorbeischauen und Verweilen ein. Dazu ein Gespräch mit dem Leiter des Goethe-Instituts und Regionalleiter Mittelosteuropa, Berthold Franke.

Berthold Franke  (Foto: Archiv des Goethe-Instituts)
Herr Franke, mit welcher Idee entstand das Prager Goethe-Institut vor 25 Jahren?

„Wir feiern ja in diesem Jahr nicht nur 25 Jahre Goethe-institut, sondern gleichzeitig 25 Jahre Wiedervereinigung und 25 Jahre Wende in Europa. Das ist der Kontext, in dem das Goethe-Institut entstanden ist. Wir sind gekommen, als die Wende kam. Und dieses Ereignis wollen wir nicht mit einer Feier, sondern mit 25 Feiern in 25 Stunden begehen.“

Welche Highlights stehen denn auf dem Programm?

Sockel eines alten Goethe-Denkmals  (Foto: Offizielle Facebook-Seite des Goethe-Instituts)
„Ein Highlight ist ganz sicher die Geschichte mit dem Denkmal. Wir haben den Sockel eines alten Goethe-Denkmals des 19. Jahrhunderts aus Karlsbad vor das Haus gefahren. Diesen Sockel wird Jiří David mit einem neuen Goethe-Denkmal in einen zeitgenössischen Kontext setzen. Außerdem wird der Fassadenkletterer Vojtěch Fröhlich 25 Stunden lang die Fassade unseres Hauses beklettern und durchs Fenster herein- und wieder herauskommen. Aus Berlin haben wir einen interessanten Musikbeitrag. Ein großes Ensemble von Migranten, das Lieder ihrer Heimatländer als neue deutsche Heimatlieder präsentiert. Es werden aber auch Bücher vorgestellt. Zum Beispiel haben wir ein Buch aus dem 16. Jahrhundert digitalisiert. Darin stehen Deutsch und Tschechisch nebeneinander, also altes Tschechisch und altes Deutsch. Damit sollten damals Böhmen Deutsch lernen und Deutsche Böhmisch. Dieses Buch werden wir präsentieren. Wir haben ein Quiz, Swing-Tanzen, Lyrik und Wein. Und wir haben Krimi, Yoga und Jodeln. Es sollte also für jeden etwas dabei sein.“

Weißwurst  (Foto: Takeaway,  CC BY-SA 3.0)
Es wird auch ein bayerisches Weißwurst-Frühstück geben. Passt das gut zur tschechischen Küche?

„Absolut. Die Verwandtschaft der tschechischen mit der bayerischen Küche ist sehr stark. Die Weißwurst ist nun einmal etwas sehr speziell Bayerisches. Dazu gibt es sogar eine Geschichte, die dann sicherlich die Bayerische Weißwurstkönigin erzählen wird, die angereist kommt. Bier ist in Tschechien ja eine bekannte Substanz, und Brezeln sind es ebenso. Mit dieser netten Geste lädt die Bayerische Landesvertretung ins Goethe-Museum ein. Das ist dann der Abschluss für alle, die sich am Samstagvormittag ein kräftiges zweites Frühstück genehmigen wollen: Herzlich willkommen!“

Goethe-Institut  (Foto: Google Street View)
Sie blicken jetzt zurück auf 25 Jahre Goethe-Institut. Gab es anfangs Schwierigkeiten, und wie ist das heute?

„Am Anfang gab es keine Schwierigkeiten, am Anfang war es hingegen wahnsinnig leicht. Man musste sich organisieren, die Neugierde und Euphorie waren groß. Ich selbst habe in dieser Zeit in Warschau gearbeitet, da habe ich dasselbe erlebt. Damals musste man diese große Neugierde nur organisieren und hat mit großem Optimismus in die Zukunft geschaut. Die Goethe-Institute in Mittel-Osteuropa haben Anfang der 1990er Jahre einen großen und leichten Schritt machen können. Mittlerweile ist es vielleicht gar nicht mehr so leicht, weil sich alles normalisiert hat: Die Deutschen sind hier, die Tschechen sind in ganz Europa, es gibt kulturelle Begegnungen auf allen Ebenen. Die Neugierde hat aber etwas nachgelassen, und die Leute gehen ihren Geschäften nach. Und Kultur hat vielleicht auch nicht mehr die Rolle, die sie einmal gespielt hat. Wir sehen das aber nicht als eine negative Entwicklung an und glauben, dass wir weiterhin eine große Bedeutung haben. Alles in allem ist die Arbeit eines Goethe-Instituts in Prag im Vergleich zu anderen Standorten wohl relativ einfach. Dort werden die Deutschen teilweise nicht so gut wahrgenommen wie in Prag. Wir haben hier wunderbare Arbeitsbedingungen, wir haben gute Partner, und Deutschland ist für die Tschechen auf jeden Fall relevant. Das muss nicht immer nur Liebe sein, ein großes Interesse ist aber auf jeden Fall da.“


Foto: Archiv des Goethe-Instituts
Goethe-Marathon, ab Freitag (2.10.), 10 Uhr, bis Samstag (3.10.), 12 Uhr. Für weitere Informationen finden Sie einen Link zur Veranstaltung auf unserer Website. Website des Prager Goethe-Instituts: www.goethe.de/ins/cz/pra