Neues Schuljahr, neue Gesetze: Schulen in Tschechien nach Sommerferien wieder geöffnet
Die Sommerferien sind vorbei. Am Montag hat in Tschechien das Schuljahr begonnen. Es bringt einige Neuerungen mit sich.
Zwei Monate lang hatten sie frei, nun hören die Kinder und Jugendlichen in Tschechien wieder regelmäßig das Pausenklingeln. Zudem sind am Montag knapp 118.000 Erstklässler von ihren Lehrern empfangen worden. Die Neulinge der Grundschule in Pečky hatten sogar ganz besonderen Besuch: Staatspräsident Petr Pavel eröffnete nämlich in der mittelböhmischen Kleinstadt offiziell das neue Schuljahr. Pavel überreichte den Erstklässlern in Pečky ein Starterpaket und gab ihnen mit auf den Weg, dass die Schule ein guter Ort für neugierige Kinder sei.
Neugierig ist wohl auch so mancher Direktor, wie es ab sofort in seiner Einrichtung laufen wird. Denn am Montag sind zwei Novellen des Schulgesetzes in Kraft getreten. Damit werden lange verhandelte Änderungen bei der Finanzierung eingeführt, was vor allem die nicht-pädagogischen Angestellten betrifft. Schulköche, Hausmeister oder Reinigungskräfte werden nicht mehr aus dem Staatshaushalt, sondern von den Gemeinde- und Kreisverwaltungen bezahlt. Zwar gilt diese Änderung erst ab Januar, schon jetzt müssen dazu aber die Absprachen zwischen den einzelnen Direktoren und ihrem Finanzgeber getroffen werden. Das könnte Probleme aufwerfen, sagt Tomáš Augustýn, Ratsmitglied bei der Vereinigung der Grundschuldirektoren:
„Es wird schwierig, jeweils genügend Gelder bei den Schulbetreibern auszuhandeln. Und es bringt eine Menge Arbeit mit sich. Denn alle müssen nun anfangen, diese Verhandlungen zu führen, die bisher auf Regierungsebene zwischen den Ministerien abliefen. Dabei werden die Beziehungen der Schulen mit ihren Betreibern deutlich hineinspielen, die nicht immer gut sind.“
Tschechiens Bildungsminister Mikuláš Bek (Stan) verteidigt die neue Aufteilung jedoch als dringend notwendig. Sein Ressort habe die Direktoren und zuständigen Politiker bestmöglich informiert, betonte Bek am Montagmorgen in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks. Und es sei auch genügend Geld da:
„In dem Finanzpaket, welches die Gemeinden und Kreise ab Januar aus den Steuern bekommen, werden sogar etwas mehr Mittel sein, als noch vor einem halben Jahr angenommen. Damit sollten sie eine gewisse Reserve haben, die es ihnen erlaubt, die neuen Pflichten besser zu erfüllen.“
Die Neuauflage des tschechischen Schulgesetzes verschärft außerdem die Bedingungen für einen Einschulungsaufschub. Minister Bek gibt zu bedenken, dass die aktuelle Quote von über 20 Prozent in Europa eine negative Rarität sei:
„Die Novelle schafft nun wichtige Bedingungen dafür, die Zahl der Aufschübe langsam zu senken, die Kinder aber nicht gleichzeitig noch mehr Stress auszusetzen. Über diese Gesetzesänderung war sich das gesamte politische Spektrum einig. Sie schafft zum Beispiel die Benotung in den ersten beiden Klassenstufen ab und ersetzt sie durch eine ausformulierte Bewertung. Es wird auch nicht mehr möglich sein, dass ein Kind schon in der ersten Klasse sitzenbleibt.“
Gerade Schüler mit Lernschwierigkeiten sollen künftig eine bessere systematische Förderung bekommen. So erläutert Kateřina Konrádová, Expertin für Bildungspolitik bei der NGO Učitel naživo (Lehrer live):
„Vor allem wurde die Finanzierung von Schulpsychologen und Assistenzpädagogen geregelt. Denn bisher wurden sie durch EU-Gelder bezahlt, die immer zeitlich begrenzt sind. Ihre Übernahme in den Staatsetat ist eine sehr wichtige und positive Veränderung.“
Stabilisiert wird ab diesem Schuljahr auch die Position von Schulsozialarbeitern, die nun als Pädagogen gelten. Sie sind Vertrauenspersonen für die Schüler, zum Beispiel in Fällen von Mobbing. Eine ausreichende Finanzierung solcher Fachkräfte sei nur eine Seite des gesamten Problems, räumt Bildungsminister Bek ein. An den anderen Aspekten arbeite man jedoch auch:
„Es stellt sich natürlich auch die Frage, inwiefern es hierzulande genügend Absolventen eines Psychologiestudiums gibt, die dann an die Schulen kommen. Seit Beginn des akademischen Jahres haben wir deswegen mehrere Übereinkünfte mit den Hochschulen getroffen, um die Zahl der Studierenden zu erhöhen. Und das in solchen Fächern, die für den Schulbetrieb wichtig sind.“
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