Pressestimmen zum Wahlwochenende auf der Prager Burg

Jan Švejnar (links) und Václav Klaus (Foto: ČTK)

Farce, Posse, Peinlichkeit – so klangen am Samstag direkt nach dem Ende der Präsidentschaftswahl ohne Sieger die ersten Kommentare und zwar seitens der Parlamentarier, der Öffentlichkeit und der Medien. Werfen wir einen Tag nach der Wahl einen Blick in die Presse. Darüber zu schlafen, hilft ja bekanntlich manchmal.

Der Spanische Saal auf der Prager Burg  (Foto: ČTK)
Viliam Buchert, stellvertretender Chefredakteur der Tageszeitung „Mladá fronta Dnes“, zweifelt daran, dass es vor allem um die Wahl eines von zwei Kandidaten gegangen sei, auch wenn alle Politiker das behaupteten:

„Vielleicht mit Ausnahme der Bürgerdemokraten haben die Parteien in den drei Runden der ersten Wahl Václav Klaus und Jan Švejnar als Geiseln genommen. Die Sozialdemokraten mussten zeigen, dass sie eine starke Opposition sind und den Parlamentsbetrieb beeinflussen können. Die Kommunisten mussten zeigen, dass es ab und zu nicht ohne sie geht. Die Christdemokraten wollten beweisen, dass sie das Zünglein an der Waage bleiben, auch wenn sie sich zu allen Seiten hinneigen. Die Grünen mussten zeigen, dass ihnen der Name ´Antiklaus´ heilig ist, komme, was da wolle. Es können also alle Parteien – mit Ausnahme der Bürgerdemokraten – zufrieden sein. Die Show hat stattgefunden und die angeekelte Öffentlichkeit hat es überlebt (...). Diese Art von offener Wahl hat sich am Freitag und am Samstag nur für die Parteien als offen entpuppt. Die Bürger hatten davon rein gar nichts. Liebe Parlamentarier, wählen Sie bitte in Ruhe, geheim und schicken Sie nicht kollabierende, verängstigte oder bestochene Wahlmänner ins Krankenhaus und vermeiden Sie weitere Peinlichkeiten.“

Soweit der Aufruf von Viliam Buchert in der Mlada fronta Dnes. Und auch Martin Weiss spricht sich nach dem Wahlwochenende in der „Lidové noviny“ für geheime Wahlen aus:

Jan Švejnar  (links) und Václav Klaus  (Foto: ČTK)
„Offenheit ist heute leider eine Droge, der wir nicht widerstehen können. Aber, wer Würstchen essen will, der sollte sich nicht anschauen, wie sie hergestellt werden. Und an diesem Spruch ist auch was dran (...). Es war eine typisch tschechische Mischung: eine offene Wahl mit geheimen Ergebnissen.“

Jan Macháček, Kommentator der Wirtschaftszeitung „Hospodářské noviny“, führt diese Kritik von Martin Weiss aus und schiebt den schwarzen Peter vor allem den Medien zu. Gerade das Tschechische Fernsehen habe vor dem Spanischen Saal auf der Burg einen Beschwerdeschalter eingerichtet, den die verschiedenen Parteien abwechselnd genutzt hätten:

„In Wirklichkeit ist jedoch nicht viel mehr passiert, als dass die Gesetzgeber am Freitag länger auf Arbeit waren und das auch am Samstag (für viele von uns eine normale Erfahrung). Im Rahmen dieser Arbeit ist es logisch, dass diejenigen, die Václav Klaus wählen wollten, sich darum bemüht haben, dass die Wahlen geheim und schnell ablaufen. Wer sich Jan Švejnar wünschte oder wenigstens einen Patt, der wollte offene Wahlen. Es ist klar, dass allein die Wahl-Prozedur das Ergebnis vorherbestimmt. Und dann ist es auch logisch, dass man darüber zehn Stunden dikutierte. Oder betrachten wir – wie Lenin – das Parlament als ´unwürdige Quasselbude´? Wollen wir ´würdige Wahlen´ wie in Putins Russland? Und: Wie würde die Konklave aussehen, wenn sie im Fernsehen übertragen würde und Reporter die Kardinäle vor dem Klo befragen würden?“