Ausstellung in Kraliky: Arnost Hrad - Opfer der Ereignisse vom Herbst 1938

Arnost Hrad

Als tschechoslowakische Militäranlage gegen Hitler-Deutschland wurde sie in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts errichtet - die Grenzbefestigung. Ein Gürtel von Bunkern um das Territorium der Tschechoslowakei zu schützen. In einem dieser Bunker unweit der ostböhmischen Stadt Kraliky / Grulich wurde am Samstag eine Ausstellung eröffnet. Sie schildert das Schicksal eines jungen Manns, der Opfer der tragischen Ereignisse nach dem Münchner Abkommen geworden ist.

Befestigungsanlage in Kraliky
Initiator der Ausstellung ist der Leiter des Museums der tschechoslowakischen Befestigung, Richard Sicha. Es ist nicht die erste Ausstellung, die er in den unterirdischen Bunkerräumlichkeiten vorbereitet hat. Im vergangenen Jahr konnte man am selben Ort eine Ausstellung über die Verbrechen des Kommunismus besuchen. Und die hatte großen Zulauf bei tschechischen und ausländischen Besuchern.

Die soeben eröffnete Ausstellung trägt den Titel "Das Leben von Zugführer Arnost Hrad" und erinnert an den stellvertretenden Befehlshaber des hiesigen Infanteriewerks, der hier am 3. Oktober 1938 als Protest gegen das Münchner Abkommen Selbstmord verübt hat. In der Ausstellung sind bisher nicht veröffentlichte Fotografien und Briefe von Arnost Hrad sowie die Büste eines jungen Soldaten von Bildhauer Ondrej Stocek zu sehen. Die Ausstellung wurde von einer Bürgerinitiative mit Unterstützung vom Landkreis Pardubice zusammengestellt. Richard Sicha:

"Warum ist Arnost Hrad für uns eine Persönlichkeit? Auf keinen Fall können Sie da etwas über Heldentum lesen. Seine Geschichte ist vielmehr die Geschichte eines gewöhnlichen Menschen, der sich für so einen Weg entschieden hatte."

Miloslav Macela vom Landkreisrat Pardubice ist selbst Historiker und räumte bei der Eröffnung der Ausstellung ein, dass die Geschichte leider selten spannend beschrieben wird. Aus dem Grund begrüßt er es, die Geschichte der Öffentlichkeit anhand des Schicksals eines einzelnen Menschen näher zu bringen:

"Ich bin ein großer Anhänger davon, Geschichte auf diese Weise zu erzählen. Es gab damals mehrere solcher Fälle, aber das Schicksal von Arnost Hrad ist mit diesem Ort verbunden, weil er sich entschieden hat, hier sein Leben zu beenden."

Miloslav Macela  (links),  Richard Sicha
Arnost Hrad wurde 1914 in Prag geboren. Sein Vater ist an der Front im Ersten Weltkrieg verschollen. Hrad war gelernter Kellner, entschied sich jedoch später für die Armee. Als das Grenzgebiet an Hitler-Deutschland abgetreten wurde, lehnte Hrad es ab, das Militärobjekt zu verlassen und hat sich erschossen, erzählt Richard Sicha:

"Wir haben in den Dokumenten gefunden, dass sein Befehlshaber vorgeschlagen hat, seine Tat offiziell zu würdigen. Dazu ist es nicht mehr gekommen. Aber die Militärbestattung von Arnost Hrad auf dem Friedhof im Prager Stadtteil Bohnice ist zu einer stillen Demonstration dagegen geworden, was damals geschehen ist."

Das Museum der tschechoslowakischen Befestigung, in dem die neue Ausstellung zu sehen ist, ist an Wochenenden von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Im Juli und August kann das Museum täglich besucht werden.