Wenn Geheimdienste nur noch Dienste sind - undichte Stelle beim tschechischen BIS
Nachrichten- und Geheimdienste arbeiten sozusagen unter Tage. Sie haben die Aufgabe, die Interessen des Staates zu schützen. Machen sie Fehler, kann im Gegenteil leicht eine große Gefahr von ihnen ausgehen - für den Staat und für die Menschen, die für sie arbeiten. Am Montag kam in Tschechien ans Tageslicht, dass Informationen in die falschen Hände geraten sind.
"Als Reaktion auf die gestrige Meldung hat der Direktor des Nachrichtendienstes um eine Sitzung der Parlamentskommission gebeten."
Die Wirtschaftsabteilung des Nachrichtendienstes soll die Interessen des Staates auf wirtschaftlichem Gebiet schützen. Sie überprüft zum Beispiel Geschäftsleute, die sich bei der Privatisierung für strategisch wichtige Unternehmen interessieren, wie Energiekonzerne oder die im Waffenhandel tätig sind. Heiße Informationen also. Vor allem für die, die überprüft werden sollen. Und daher urteilt der Sicherheitsexperte Jan Schneider:
"Die wirtschaftlichen Interessen des Staates, die der Nachrichtendienst laut Gesetz schützen soll, sind grundlegend in Gefahr."
Durchgesickert ist angeblich eine Liste von Operationen des Nachrichtendienstes mit den Kodnamen. Eine unmittelbare Bedrohung für Leib und Leben nach Ansicht eines ehemaligen Leiters der Wirtschaftsabteilung ist aber, dass ebenso eine Liste der Personen in die falschen Hände geraten ist, die mit dem Nachrichtendienst verdeckt zusammenarbeiten. Der Supergau für alle Agenten.
"Wenn die Informationen in die Hände des organisierten Verbrechens gelangen würden, dann könnte das Leben dieser Personen bedroht sein."
Beim Versuch, die verloren gegangenen Informationen wieder einzufangen, ist die BIS in einem Prager Einkaufszentrum so ungeschickt vorgegangen, dass die Observation dem ehemaligen Chef einer anderen Geheimdienstabteilung aufgefallen war. Der hat sich dann direkt beim obersten Chef des BIS, Jiri Lang, beschwert. Dem blieb dann nur noch die Flucht nach vorn - in Richtung Politik.







