Rückzug aus der Spitzenpolitik: Markéta Pekarová Adamová verzichtet auf weitere Kandidatur

Markéta Pekarová Adamová

Die Vorsitzende des tschechischen Abgeordnetenhauses, Markéta Pekarová Adamová, verzichtet aus gesundheitlichen Gründen auf eine erneute Kandidatur bei der nächsten Parlamentswahl im Herbst. Auch den Posten als Vorsitzende der Partei Top 09 will sie zur Verfügung stellen. Wie beeinflusst das den bevorstehenden Wahlkampf der Koalition Spolu?

Markéta Pekarová Adamová hat derzeit das dritthöchste Amt in Tschechien inne, sie ist die Vorsitzende des Abgeordnetenhauses. Sie ist dabei erst die zweite Frau, die diese Funktion ausübt. Zugleich steht die 40-jährige Politikerin seit 2019 an der Spitze der Mitterechtspartei Top 09. Am Dienstag kündigte Pekarová Adamová allerdings an, bei den Parlamentswahlen im Herbst nicht erneut anzutreten. Im Netzwerk X schrieb sie:

„Nach gründlicher Überlegung habe ich mich entschieden, bei der anstehenden Wahl zum Abgeordnetenhaus nicht wieder zu kandidieren. Meine Gründe sind rein gesundheitlicher Natur. Mein Gesundheitszustand erlaubt es mir derzeit nicht, den anstrengenden Wahlkampf zu bewältigen. Meine Ärzte haben mir deutlich davon abgeraten.“

In dem Post hieß es weiter, Pekarová Adamová haben ihren Posten als Parteivorsitzende zur Verfügung gestellt. Das Präsidium habe sich aber einstimmig hinter sie gestellt und darum gebeten, den Vorsitz bis zum Ende der regulären Amtszeit Ende November auszuüben. Zu möglichen Nachfolgern wollten sich führende Vertreter der Partei am Dienstag noch nicht äußern. Stattdessen teilten sie mit, Verständnis für die Entscheidung der Politikerin zu haben. Ähnliches sagten auch weitere Vertreter von Regierung und Opposition – so etwa Premier Petr Fiala (Bürgerdemokraten). Auf X schrieb er, die Gesundheit stehe immer an erster Stelle. Dennoch bedauere er, dass Pekarová Adamová nicht erneut kandidiere.

Markéta Pekarová-Adamová | Foto: René Volfík,  iROZHLAS.cz

Die Partei Top 09 tritt bei den Parlamentswahlen im Herbst erneut mit den Christdemokraten (KDU-ČSL) an sowie mit Petr Fialas konservativen Bürgerdemokraten (ODS). Zusammen bilden sie das Wahlbündnis Spolu (Gemeinsam). Dass sich durch Pekarová Adamovás Ausscheiden im Wahlkampf etwas ändere, denkt Marek Benda, der Fraktionsvorsitzende der Bürgerdemokraten, nicht:

„Ich denke, es sollte zu keinen Problemen kommen. Markéta Pekarová Adamová ist ja vorerst weiter im Amt. Der Wahlkampf wird sich zudem in den einzelnen Kreisen abspielen. Und der Kandidat für das Amt des Premiers wird ohnehin Petr Fiala sein.“

Ähnlich äußerte sich in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks auch der stellvertretende Top-09-Chef Matěj Ondřej Havel:

„Ich denke, bei den diesjährigen Wahlen wird es nicht so sehr um die drei Spitzenkandidaten unserer Parteien gehen, wie das noch vor vier Jahren der Fall war. Eine größere Rolle wird spielen, ob wir in den einzelnen Kreisen gute Persönlichkeiten aufstellen. Bei der Top 09 gehen gerade die Nominierungen dafür ein, diese Phase soll bis Ende Februar abgeschlossen sein.“

Anders sieht das Petr Hartman, Kommentator des Tschechischen Rundfunks:

„Für viele Wähler kann die Lage nun verwirrend sein. Denn sie wollen das Wahlbündnis Spolu vielleicht nur unterstützen, weil sie Anhänger der Top 09 sind. Jetzt wissen sie aber gar nicht, wie ihre Partei nach dem Führungswechsel im Herbst aussehen wird. Denn das hängt tatsächlich von der Person des Vorsitzenden ab.“

Pekarová Adamová wurde bei den anstehenden Parlamentswahlen auch als Spolu-Spitzenkandidatin im Wahlkreis Prag gehandelt, wo sie laut Petr Hartman zuletzt zahlreiche Stimmen gewinnen konnte. Wer dieses Amt nun übernehmen wird, ist unklar. Einigen Aussagen zufolge könnte Verteidigungsministerin Jana Černochová von den Bürgerdemokraten die Liste in der tschechischen Hauptstadt anführen. Der Prager Stadtrat und ehemalige Top-09-Chef Jiří Pospíšil teilte jedoch mit, dass Pekarová Adamová auch ihm den Posten des Spitzenkandidaten für Prag angeboten habe.

Neben Markéta Pekarová Adamová haben auch weitere Abgeordnete bereits angekündigt, bei den Wahlen im Herbst nicht wieder anzutreten – unter anderem, da die Arbeit des Abgeordneten nur schwer mit der Familie vereinbar ist.

Autoren: Ferdinand Hauser , Vojtěch Tomášek
schlüsselwort:
abspielen