Tschechische Persönlichkeiten würdigen Papst Franziskus

Papst Franziskus

Am Ostermontag ist Papst Franziskus gestorben. Auf den Tod des Pontifex haben mehrere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in den tschechischen Medien reagiert.

Jaroslav Šebek | Foto: Khalil Baalbaki,  Český rozhlas

Auf das Interesse des verstorbenen Papstes für die Menschen am Rande der Gesellschaft, sein Mitgefühl und den Sinn für Gerechtigkeit wiesen mehrere der Persönlichkeiten hin, die sich am Ostermontag in den tschechischen Medien äußerten. Der Kirchenhistoriker Jaroslav Šebek machte in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks darauf aufmerksam, dass sich der Papst noch als Erzbischof in Argentinien stark auf die Hilfe für Arme konzentrierte.

„Er initiierte damals viele Sozialprogramme. Ich denke, dass es ihm gelungen ist, diese Mentalität auch in den Posten des obersten Vertreters der katholischen Kirche in der Welt mitzunehmen.“

Ein Porträt von Papst Franziskus wird im Veitsdom in Prag aufgestellt. | Foto:  Martin Divíšek,  EPA/Profimedia

Der Historiker betonte, Papst Franziskus habe die Kirche stark verwandelt, was ihre Offenheit gegenüber der säkularen Gesellschaft betreffe. Šebek würdigte die Bemühungen des Heiligen Vaters um eine friedliche Lösung kriegerischer Konflikte. Er merkte an:

„Ich möchte seine Aufrufe zu einem gerechten Frieden in der Ukraine, zur Beendigung des Konflikts in Gaza sowie seine Warnungen vor dem anwachsenden Antisemitismus hervorheben.“

Tomáš Holub | Foto: Nikola Nosková,  Tschechischer Rundfunk

Der Bischof der Diözese Pilsen, Tomáš Holub, räumte ein, er habe Tränen in den Augen gehabt, als er vom Tod des Papstes erfuhr. Mit seiner Bescheidenheit und Offenheit sei Franziskus ein Papst gewesen, der auch nichtgläubigen Menschen nahegestanden habe, betonte Holub. Wie in den Medien öfter betont wurde, wurde der Papst vom konservativen Flügel der katholischen Kirche stark angegriffen. Dazu Bischof Holub:

„Ich denke, dass dies eine Begleiterscheinung und der Beweis dafür waren, dass Franziskus nach neuen Wegen suchte. Er war sehr offen, konnte anderen zuhören. Bevor wir es erkannt haben, sprach er darüber, dass wir in einer Zeit des Umbruchs leben. Und in einer solchen Situation muss die Kirche laut ihm zusammenhalten. Ein Bischof ist seinen Worten zufolge niemand, der an der Spitze schreitet, sondern jemand, der gemeinsam mit den Menschen geht und vielleicht sogar ganz hinten steht.“

Gläubige versammeln sich zu einem Rosenkranzgebet für den verstorbenen Papst Franziskus auf dem Petersplatz im Vatikan,  Montag,  21. April 2025 | Foto: Andrew Medichini,  ČTK/AP

Pavel Černý von der evangelischen Brüderkirche ist Prediger und ehemaliger Vorsitzender des Ökumenischen Kirchenrats in Tschechien. Er würdigte die Bedeutung des verstorbenen Papstes für die Ökumene.

„Die Tatsache, dass er sich für den Namen Franziskus – nach Franziskus von Assisi – entschieden hatte, brachte schon einiges zum Ausdruck. Denn der Heilige Franziskus stammt aus der Zeit, als die Kirche noch nicht gespalten war. Er hätte kaum einen besseren Namen wählen können, denn gerade Franziskus von Assisi führt uns zur Demut vor anderen Menschen sowie vor anderen Geschöpfen Gottes. Der Papst setzte sich stark für den Naturschutz ein. Er wurde durch sein Leben in Lateinamerika beeinflusst, das quasi ein Soziallabor ist. Uns Protestanten war er zudem dadurch sympathisch, dass er alles Pompöse ablehnte, das aus dem Mittelalter in der Kirche überlebte.“

Tomáš Halík | Foto: Kateřina Cibulka,  Tschechischer Rundfunk

Tomáš Halík ist katholischer Priester, Religionsphilosoph und Präsident der Tschechischen Christlichen Akademie. Er sagte, Papst Franziskus habe eine sehr wichtige Persönlichkeit für sein Leben und sein Nachdenken dargestellt. Was sind die Auswirkungen der Arbeit von Franziskus auf die Kirche und die ganze Gesellschaft? Tomáš Halík:

„Er hatte nicht nur für die Katholiken Bedeutung, sondern war zweifelsohne die größte lebende moralische Autorität auf der Welt. Und eine moralische Autorität werden wir in unserer zerschlagenen Welt, die vor der Möglichkeit eines Weltkriegs steht, sehr brauchen. Zudem ist sein Einfluss auf die Kirche zu nennen. Denn er initiierte wirklich eine der tiefsten Reformen in der Kirchengeschichte. Ich denke dabei an die sogenannte Synodalreform, die die katholische Kirche aus einer rigiden Institution, die von Skandalen durchzogen war, in ein Netz gegenseitiger Kommunikation verwandeln soll. Es geht dabei um die Kommunikation innerhalb der Kirche. Franziskus ging es aber genauso um die Kommunikation der Kirche nach außen. Damit ist er in die zweitausendjährige Geschichte der Kirche eingegangen.“

Kardinal Michael Czerny | Foto: Maria Laura Antonelli,  Shutterstock Editorial / Profimedia

Bei der Wahl des neuen Oberhaupts der katholischen Kirche wird Tschechien diesmal keinen Vertreter haben. Denn ältere Kardinäle, zu denen auch der 81-jährige Dominik Duka gehört, nehmen an der Wahl des Papstes nicht teil. Tschechoslowakische Wurzeln hat jedoch der kanadische Kardinal Michael Czerny. Er kam 1946 in Brno / Brünn zur Welt. Seine Mutter verbrachte wegen ihrer jüdischen Herkunft 20 Monate in einem Gefängnis und einem KZ. Czernys Vater lehnte es ab, sich scheiden zu lassen und wurde im letzten Kriegsjahr zu Zwangsarbeit verurteilt. Nachdem die Kommunisten die Macht in der Tschechoslowakei ergriffen hatten, flüchtete die Familie Czerny Ende 1948 nach Kanada. Michael Czerny trat dem Jesuitenorden bei. 2022 berief Papst Franziskus ihn zum Leiter der vatikanischen Entwicklungsbehörde.

Papst Fraziskus | Foto:  Andrew Medichini,  ČTK / AP

Czerny ist als Migrationsexperte des Vatikans bekannt geworden. Tschechien hat er einige Male besucht. In den tschechischen Medien wird nun darüber spekuliert, dass er als Nachfolger von Papst Franziskus in Frage kommen könnte.

Autoren: Martina Schneibergová , Vladimír Kroc
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