Auf der Suche nach besserer Lebensqualität: Bevölkerungsstruktur der Kreise Tschechiens verändert sich
Hohe Wohnkosten und fehlende Arbeitsplätze – das sind häufig die Faktoren, die die Lebensqualität der Menschen in den einzelnen Regionen Tschechiens senken. Im Projekt „Česko 2025“ (Tschechien 2025) des Tschechischen Rundfunks geht es aktuell um die Frage, wie dies die Inlandsmigration beeinflusst.
Tschechien hat 14 Kreise. Die neueste Umfrage im Auftrag des Tschechischen Rundfunks hat ermittelt, in welcher dieser Regionen die Menschen am zufriedensten sind. Und der Gewinner ist: Vysočina, also die Böhmisch-Mährische Höhe mit der Kreishauptstadt Jihlava. Am wenigsten zufrieden sind die Menschen hingegen im Nordwesten Böhmens, konkret in den Kreisen Ústí nad Labem und Karlovy Vary.
Für die Studie hat das Meinungsforschungsinstitut Median Anfang April 1000 Personen im Erwachsenenalter befragt. Sie ergab im Durchschnitt, dass vier von fünf Einwohnern Tschechiens die Lebensbedingungen in ihrem Kreis eher positiv bewerten. Dann ging es aber ins Detail. Von allen abgefragten Einzelkriterien und Dienstleistungen erhielt das Angebot bezahlbaren Wohnraums die schlechteste Bewertung. Vojtěch Dufek von Median in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:
„Mit diesem Punkt sind 61 Prozent der Befragten nicht zufrieden. Danach folgt das Angebot an Arbeitsplätzen, mit dem 45 Prozent der Menschen unzufrieden sind.“
Die Wohnungsfrage wird jedoch gerade im Kreis Karlsbad, dessen Bewohner sich allgemein pessimistischer als im Rest des Landes zeigten, als eher gut eingeschätzt. Der 25-jährige Samuel aus Mariánské Lázně sieht die Schwachpunkte seiner Region an anderer Stelle:
„Die Gegend ist nicht wirklich ideal an das integrierte Verkehrssystem angeschlossen. Womit ich aber zufrieden bin, ist der Natur- und Kulturreichtum unseres Kreises. Einen Umzug würde ich nur für einen Arbeitsplatz mit besserer Bezahlung in Erwägung ziehen.“
Damit benennt Samuel den Hauptgrund, weswegen für die Menschen in Tschechien ein Umzug in einen anderen Kreis in Frage käme. Mit einem solchen Gedanken haben sich vergangenes Jahr laut Studie 20 Prozent der Befragten getragen. Zu einem bedeutenden Teil besteht diese Gruppe aus jungen und gebildeten Menschen. Sie sähen in ihrer Heimatregion keine Zukunft, erläutert Pavlína Netrdová vom Lehrstuhl für Sozialgeographie und regionale Entwicklung an der Prager Karlsuniversität:
„Zurück bleiben die Einwohner mit niedrigerem Bildungsgrad und geringem sozial-ökonomischem Status. Diese suchen logischerweise nach Überlebensstrategien für die heutige Zeit und vergleichen sich mit anderen. Dadurch kommt es zu einer eingefahrenen Haltung und dem Gefühl, dass die eigene Region in Vergessenheit geraten sei.“
Die Abwanderung junger Leute lässt sich in Langzeitstudien beobachten. Gerade die Bevölkerung im Nordwesten Tschechiens sowie in Nordmähren und in Schlesien wies in den 1990er Jahren noch das niedrigste Durchschnittsalter auf. Seitdem steigt es aber kontinuierlich an.
Die meisten Menschen ziehen Median zufolge von Brno und von Ostrava weg, und zwar nach Prag. Ziel der Inlandsmigration sind zudem häufig Orte im Umfeld der Hauptstadt, so etwa Králův Dvůr, Chýně, Jesenice oder Říčany. Gerade der Speckgürtel von Prag, aber auch der von Brünn würden inzwischen geradezu aufgebläht, warnt der Stadtgeograf Alexandr Nováček von der Universität in Ostrava:
„Es werden einfach zu viele Einfamilienhäuser in diesen kleinen Gemeinden gebaut. Dadurch müssen wiederum neue Straßen, Kanalisation und Wasseraufbereitungsanlagen angelegt und auch die Kapazitäten der örtlichen Schulen erhöht werden. Dies verändert das Leben in diesen Orten komplett.“
Und auf diese Weise gehen anderen Städten wiederum die Einwohner verloren. Den Daten des tschechischen Statistikamtes (ČSÚ) zufolge sind davon etwa Karviná und Havířov in Schlesien oder auch Mladá Boleslav in Mittelböhmen betroffen.
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