Der Goldschatz vom Zvičina: Tschechische Wanderer machen beeindruckenden Fund

Außergewöhnliche Entdeckung eines Golddepots unterhalb des Zvičina

Stellen Sie sich vor, Sie gehen spazieren und finden einen Goldschatz im Wert von 300.000 Euro. Genau das ist Anfang Februar zwei Wanderern in Tschechien passiert. Die ehrlichen Finder haben den Schatz in einem Museum abgegeben. Nun untersuchen Archäologen und Numismatiker den Fund – und stehen vor vielen offenen Fragen.

Es handle sich um einen Zufallsfund, den zwei Menschen in seinem Museum abgegeben hätten, sagt Miroslav Novák, der Leiter der Archäologischen Abteilung des Ostböhmischen Museums (MVČ). In einer vom Zahn der Zeit stark mitgenommenen Kiste befanden sich 600 Goldmünzen, die fast vier Kilogramm auf die Waage bringen. Für die Archäologen sind sie von großem Interesse, obwohl es sich um Zahlungsmittel aus der Neuzeit handelt. Denn die Wissenschaftler stellen sich die Frage, warum die Münzen versteckt wurden. Miroslav Novák:

Außergewöhnliche Entdeckung eines Golddepots unterhalb des Zvičina | Foto: Ostböhmisches Museum Hradec Králové

„Wir haben den Fund vorerst auf die Zeit nach 1921 datiert. Das Verstecken kann mit verschiedenen Krisenzeiten zusammenhängen. Etwa mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs. Tschechen mussten damals umziehen, Juden ebenso. Nach dem Krieg mussten die Deutschen fortgehen. Es gibt also mehrere Möglichkeiten. Und das Verstecken des Schatzes könnte sogar mit der Währungsreform von 1953 zusammenhängen.“

Die beiden Wanderer entdeckten die unscheinbare Blechkiste in der Nähe des Hügels Zvičina im Riesengebirgsvorland. Die Fundstelle liegt heute in einem Wald, früher befand sich hier aber einmal der Rand eines Feldes.

„Der ursprüngliche Besitzer hat seine Habseligkeiten nicht auf freier Fläche versteckt, sondern an einem Ort, an dem er sie später wiederfinden konnte“, meint Novák.

Außergewöhnliche Entdeckung eines Golddepots unterhalb des Zvičina | Foto: Ostböhmisches Museum Hradec Králové

Neben den Münzen umfasst der Schatz auch weitere teure Objekte wie Goldarmbänder und Zigarettendosen. Laut Vojtěch Brádle, dem Numismatiker des Museums, liegt daher nahe, dass es dem einstigen Besitzer um den Goldwert gegangen sein müsse:

„Ob eine Münze einen Nominalwert von fünf, zehn oder hundert Kronen hatte, war egal. Es ging stattdessen um das Horten von Edelmetall – auch bei den Schmuckstücken. Die Person hatte Gold und wollte es verstecken.“

Vojtěch Brádle | Foto: Ostböhmisches Museum Hradec Králové

Brádle und seine Kollegen haben einige der Münzen bereits einer ersten Untersuchung unterzogen. Dabei stellten sie fest, dass die Taler nicht aus Deutschland oder aus der Tschechoslowakei stammten, sondern aus Frankreich, Belgien und dem Osmanischen Reich – und ebenso aus Rumänien, Italien und Russland. Die Prägung auf dem ältesten Zahlungsmittel verweist auf das Jahr 1808. Einige Münzen aus der österreichisch-ungarischen Monarchie hingegen stammen scheinbar aus dem Jahr 1921. Laut Brádle müssen sie aus der Prägeanstalt zunächst nach Jugoslawien gelangt sein – vermutlich nach Serbien oder Bosnien-Herzegowina.

„Irgendwann nach 1921 müssen die Münzen in dortigen Prägerein kontramarkiert worden seien. Später gelangten sie unter ungeklärten Umständen hierher und schließlich in die Erde unter dem Zvičina. Aber wir wissen mit Sicherheit, dass zumindest ein Teil der Münzen 1921 noch nicht in Böhmen war, sondern auf dem Balkan.“

Außergewöhnliche Entdeckung eines Golddepots unterhalb des Zvičina | Foto: Ostböhmisches Museum Hradec Králové

Laut Miroslav Novák entspricht der Goldwert des Schatzes heute 7,5 Millionen Kronen (300.000 Euro). Diese Summe steht nun vermutlich auch den beiden Findern zu.

Autoren: Ferdinand Hauser , Tomáš Lörincz
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