Gedenktafel im Kloster Hájek erinnert an internierte Ordensmitglieder aus den 1950er Jahren
Im Kloster Hájek nahe Prag ist am Donnerstag mit einem Gottesdienst die Saison eröffnet worden. Zudem wurde eine Gedenktafel für Priester und Ordensbrüder enthüllt, die dort während des Kommunismus in den 1950er Jahren interniert waren.
Am 1. Mai wird in den letzten Jahren immer mit einem Gottesdienst unter freiem Himmel die Pilgersaison im Kloster Hájek eröffnet. In früheren Jahrhunderten war Hájek ein beliebter Wallfahrtsort. Denn dort befindet sich eine der ältesten Loreto-Kapellen hierzulande. Im 20. Jahrhundert geriet das Areal jedoch in den Strudel der Geschichte. Nach der sogenannten „Aktion K“, bei der der kommunistische Geheimdienst im April 1950 die Klöster auflöste und die Ordensmitglieder verhaftete, wurde Hájek in ein Arbeits- und Internierungslager für Geistliche verwandelt. An diese erinnert von nun an eine Gedenktafel im Kreuzgang des Klosters. Sie entstand dank dem Verein des Heiligen Franziskus, der sich für die Instandsetzung des Klosters einsetzt. Hier ein Gespräch mit Jan Sirovátka, einem der Vereinsmitglieder:
Herr Sirovátka, wie entstand die Idee, hier im Klostergang an die Ordensmitglieder zu erinnern, die in Hájek Anfang der 1950er Jahre interniert waren?
„Wir leben in der Nähe von Hájek und sind in Kontakt mit den Franziskanern. Pater Vianney, der für das Kloster zuständig war, hat Jahre lang recherchiert, um Namen von Ordensbrüdern und Priestern zusammenzutragen, die hier interniert waren. Denn Hájek war eines der Internierungsklöster, in dem Mitglieder verschiedener Orden drei Jahre lang eingesperrt waren. Pater Vianney kannte auch die Geschichten, die sich hinter den einzelnen Namen verbargen. So ist die Idee entstanden. Meine Frau war davon begeistert und half Pater Vianney eine Art Banner mit den Namen zu erstellen. Dies ist jetzt eigentlich ein Provisorium, denn das Kloster ist noch nicht vollständig in Stand gesetzt worden.“
Leben noch Zeitzeugen, die sich an die Internierung erinnern?
„So viel wir wissen, leben vermutlich noch einige von ihnen. Denn als die Klöster im April 1950 von der Geheimpolizei überfallen wurden, befand sich hier in Hájek auch ein Gymnasium. Die Schüler waren noch keine Ordensbrüder, sondern eher Anwärter, denn sie waren etwa 16 Jahre alt. Einer der Zeitzeugen ist Štěpán Kaňák, der heute über 90 Jahre alt ist. Er hat zuletzt vor zwei Jahren Hájek besucht. Ich denke, er ist einer der letzten Zeitzeugen.“
Sind schriftliche Erinnerungen von Priestern an diese Zeit erhalten?
„Ja, es gibt welche. Pater Vianney hat auch viele gesammelt, denn er kannte noch einige der ehemaligen Gefangenen, und diese schickten ihm ihre Erinnerungen. Wir wissen, dass es in diesem Internierungskloster vielleicht nicht so schlimm wie in einigen anderen war. Aber trotzdem waren die Priester hier eingesperrt. Wie sich einer von ihnen erinnerte, war es hier wie in einem Käfig.“
Wo haben die internierten Priester gearbeitet?
„Sie hatten verschiedene Aufgaben. Sie mussten am Kloster arbeiten, also Bauarbeiten verrichten. Da hier rundherum Wald steht, waren sie auch im Wald im Einsatz. Sie mussten unter anderem auch den Schweinestall misten, den es da damals gab.“
Wir haben jetzt über die Zeit von 1950 bis 1953 gesprochen. Was passierte eigentlich später mit dem Klosterareal?
„Danach nutzte die tschechoslowakische Armee das Klosterareal, und zwar bis 1989.“
Die Franziskaner von der Prager Maria-Schnee-Kirche erhielten Anfang der 1990er Jahren von der Armee das halb zerfallene Kloster. Der Franziskaner Jan Maria Vianney Dohnal war früher Rektor des Klosters Hájek. Die neue Gedenktafel bedeute ihm sehr viel, sagte er gegenüber Radio Prag International:
„Als ich die Erinnerungen sammelte und sie las, dachte ich nicht, dass es gelingen wird, die komplette Liste von Namen der hier internierten Priester zusammenzustellen. Hinter jedem der Namen, die hier stehen, verbirgt sich ein schweres Schicksal. Mit einigen von ihnen habe ich noch gesprochen. Einige haben mich während des totalitären Regimes in den Orden aufgenommen. Da ich sie persönlich kannte, ist es für mich umso wichtiger, an sie zu erinnern. Ich bin noch immer von ihrem Lebensoptimismus tief beeindruckt. Das schwere Schicksal hat sie nicht gebrochen. Sie haben daraus geistliche Kraft geschöpft.“
Den Franziskanern ist es nach dem Wiedererhalt des Klosters Hájek gelungen, dieses wiederzubeleben. Das hat sich auch bei der Eröffnung der Saison gezeigt. Der Klosterhof war während des Gottesdienstes voll von Menschen. Am 31. Mai wird in Hájek der 400. Jahrestag der Weihe der dortigen Loreto-Kapelle begangen.







