Historische Sprachkarten von Pavel Josef Šafárik sind Weltdokumentenerbe
Tschechien hat zwei weitere Einträge in der Liste des Weltdokumentenerbes der Unesco. Es handelt sich um die Lagepläne jüdischer Besiedlung in der Habsburger Monarchie und um die Sammlung von historischen Sprachkarten des Slawisten Pavel Josef Šafárik. Im Folgenden mehr zu den Sprachkarten.
Die Unesco-Liste des Weltdokumentenerbes ist praktisch das Gedächtnis der Menschheit. Aus Tschechien gehören bisher dazu etwa das Archiv von Komponist Antonín Dvořák, die Daguerreotypie aus Schloss Kynžvart oder die Sammlung von Samisdat-Schriften aus den Jahren 1948 bis 1989. Nun sind zwei weitere Sammlungen hinzugekommen.
Eine davon sind die Sprachkarten des Slawisten Pavel Josef Šafárik (tschechische Namensform: Šafařík) aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die die Prager Karlsuniversität in ihrem Besitz hat. Die naturwissenschaftliche Fakultät der Uni hatte sich um den Unesco-Eintrag bemüht. Eva Novotná leitet die Kartensammlung der Fakultät:
„Šafárik hat einige der ersten Sprachkarten überhaupt gezeichnet. Die Grenzen zwischen den Idiomen und den Ethnien zog er meist mit roter Tinte, die er häufig selbst herstellte. Den ethnographischen Gebieten gab er jeweils eine eigene Farbe. Und Sprachenklaven zeigte er mit eigenen Umrandungen“, so die Kunsthistorikerin in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks.
Šafárik wurde 1795 geboren und stammte aus der Slowakei. Unter anderem studierte er in Jena und leitete dann ab 1825 ein serbisch-orthodoxes Gymnasium in Novi Sad in der Vojvodina.
„Schon damals interessierte sich Šafárik für die Geschichte der Serben und weiterer südslawischer Völker. In der Folge sammelte er Quellen zum Studium ihrer Geschichte. Dazu gehörten auch Karten. Ziemlich schnell erkannte er aber, dass auf diesen die Siedlungsgebiete der slawischen Völker und die Verbreitungsgebiete ihrer Sprachen nicht oder falsch dargestellt waren“, erläutert Eva Novotná.
Deswegen fertigte Pavel Josef Šafárik eigene Karten an. Mit seinen Forschungen wurde er einer der Begründer der wissenschaftlichen Slawistik. Sein Hauptwerk ist die „Geschichte der slawischen Sprache und Literatur nach allen Mundarten“. 1833 zog er mit Frau und Kindern nach Prag um, wo er zunächst Kustos und von 1848 bis kurz vor seinem Tod der Leiter der Universitätsbibliothek war. Interessant ist, dass Šafárik sein Werk ausschließlich auf Tschechisch und Deutsch verfasste, obwohl er sich selbst als Slowaken bezeichnete.
Insgesamt 88 Sprachkarten haben sich im Archiv der Karlsuniversität erhalten. Dass sie nun in die Unesco-Liste aufgenommen wurden, erfüllt die Expertin mit Stolz:
„Das ist eine sehr prestigeträchtige Angelegenheit. Bisher hatte Tschechien zehn Einträge als Weltdokumentenerbe. Wir sind stolz, dass wir einen weiteren beigesteuert haben und dass es sich schon um den zweiten Eintrag für die Karlsuniversität handelt. Sechs Jahre lang haben wir diesen vorbereitet. Derzeit arbeiten wir an einer Monografie über Šafáriks handgezeichnete Karten. Und wir wollen diese auch eigenständig im Internet präsentieren. Außerdem rechnen wir mit Subventionen für die Restaurierung und bessere Aufbewahrung von Šafáriks Werk.“
Beim zweiten neuen tschechischen Eintrag in die Liste des Weltdokumentenerbes handelt es sich um die Lagepläne jüdischer Besiedlung in der Habsburger Monarchie. Sie befinden sich im Nationalarchiv in Prag.
Die Unesco hat ihre Liste 1992 angelegt. Mit den diese Woche neu aufgenommenen Archivbeständen befinden sich dort nun 568 Einträge aus allen Gegenden der Welt.














