Boom privater Grundschulen in Tschechien

In Tschechien gibt es eine wachsende Zahl privater Grundschulen. Und das Interesse ist groß: In manchen Fällen müssen die Eltern ihre Kinder Jahre im Voraus anmelden.

„Das Kind ist hier nicht eines unter 500 weiteren. Es gibt einen familiären Zugang und auch eine Verbindung zur Natur“, sagt Dominika Slunečko in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks. Sie lebt in der Nähe von Votice in Mittelböhmen und ist vom Konzept privater Grundschulen überzeugt. Deshalb hat sie beschlossen, selbst eine entsprechende Einrichtung zu gründen.

„Ich habe meine pädagogische Ausbildung an einer kleineren Schule absolviert. Hier in der Nähe gibt es so ein Angebot bisher aber nicht.“

Ihre Grundschule soll nun nach den Sommerferien 2026 erstmals ihre Türen öffnen. Ein Gebäude mit einem ausreichend großen Garten hat Slunečko zwar noch nicht gefunden. Dafür haben sich bereits zwei Dutzend Interessenten bei ihr gemeldet.

Den Trend zur privaten Grundschule bestätigt auch Veronika Lucká Loosová, Sprecherin des Bildungsministeriums:

„Aus unserem Jahresbericht geht hervor, dass es im Schuljahr 2005/2006 in Tschechien 31 Grundschulen in privater Trägerschaft gab. Zehn Jahre später waren es 145. Und im laufenden Schuljahr sind es 332 Einrichtungen.“

Eine dieser Schulen befindet ich im mittelböhmischen Benešov. Vor vier Jahren öffnete sie ihre Tore. Und das Interesse sei groß, sagt Direktorin Lenka Zapletalová:

„Alle Klassen sind derzeit voll. Es melden sich mehr Interessenten, als wir aufnehmen können.“

Die Warteliste ist lang: Drei Jahre vor dem Einschulungstermin müssen die Kinder in der Schule angemeldet werden. Die glücklichen Eltern, die einen Platz für ihren Nachwuchs ergattern konnten, schätzen vor allem die kleineren Klassen und damit einhergehend den individuellen Zugang, bei dem die Fähigkeiten der Kinder berücksichtigt werden. Und die Grundschüler selbst?

„Mir gefällt, dass die Lehrer alles mit uns absprechen und uns frei entscheiden lassen“, sagt Amálie. „Ich mag die Pausen, wenn ich Fußball spielen kann“, meint Cyril.

Freilich haben die privaten Grundschulen aber auch ihren Preis. So müssen die Eltern von Amálie und Cyril jährlich 55.000 Kronen (2200 Euro) für den Unterricht ihrer Kinder zahlen. Damit liegt die Schule in Benešov im guten Mittelfeld. Je nach Ort und Profil der Einrichtung wird schon einmal das Vierfache dieser Summe fällig. Und es gibt noch extremere Fälle: An manchen englischsprachigen Privatschulen in Prag liegt das Schulgeld für die Erst- bis Neuntklässler bei über 500.000 Kronen (20.000 Euro) pro Jahr. Das entspricht acht durchschnittlichen Prager Bruttomonatsgehältern, weshalb die entsprechenden Schulen dann auch vornehmlich von Kindern wohlhabender Expats besucht werden.

Autoren: Ferdinand Hauser , Věra Hájková
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