Pilzsammeln in Tschechien: Wenn das Hobby zur Vergiftung führt

Grüner Knollenblätterpilz

Die Tschechen sind eine Nation begeisterter Pilzsammler, für die die Saison gerade beginnt. Die Pilze im Wald richtig zu bestimmen, ist jedoch eine entscheidende Voraussetzung, damit das daraus zubereitete Gericht genießbar ist. Denn Verwechslungen führen zu Vergiftungen.

Im vergangenen Jahr mussten fast 200 Personen in Tschechien wegen einer Pilzvergiftung im Krankenhaus behandelt werden. Nach mehreren Jahren gab es auch wieder zwei Todesfälle. An den schwersten Fällen ist der Grüne Knollenblätterpilz schuld. Schon ein kleiner Bissen kann zu Leberversagen und zum Tod führen. Miroslav ist ein erfahrener Pilzsammler. Er berichtet:

„Wir gingen Pilze sammeln und hatten einen Korb voller Steinpilze. Zudem war ein Riesenschirmpilz darin, der sich später als Knollenblätterpilz entpuppte. Und damit begannen alle unsere Probleme.“

Essbare Pilze können mitunter nämlich recht leicht mit giftigen verwechselt werden. Der Knollenblätterpilz etwa sieht dem Wiesen-Champignon und dem Riesenschirmpilz sehr ähnlich.

„Ich sammele seit meinen Kinderjahren Pilze. Für mich sah er wie ein Riesenschirmpilz aus. Erst die bei einer Analyse nachgewiesenen Toxine zeigten, dass es sich tatsächlich um einen Knollenblätterpilz handelte.“

Miroslav und sein Sohn Adam, damals sechs Jahre alt, aßen den Knollenblätterpilz. Während der Vater die Vergiftung unbeschadet überstand, kam das Kind ins Krankenhaus, in dem die Ärzte um sein Überleben kämpfen mussten. Mittlerweile hat sich der Junge von den Strapazen erholt.

Die Symptome einer Vergiftung treten meist nach sechs bis zwölf Stunden auf. Typisch sind starker Durchfall, Erbrechen oder Bauchschmerzen, manchmal kommt es auch zu Halluzinationen oder Bewusstlosigkeit. Nach den ersten Stunden der Übelkeit folgt eine teilweise Erleichterung, aber eben zu diesem Zeitpunkt passiert das Schlimmste im Körper: Die Giftstoffe greifen die Leber und die Nieren an, sie können auch die Bauchspeicheldrüse oder das Herz schädigen. Daniela Pelclová vom Toxikologischen Informationszentrum erläutert:

Daniela Pelclová | Foto: Archiv von Daniela Pelclová

„Die Toxine befinden sich im Verdauungstrakt und werden meist im Darm absorbiert. Dann wandern sie durch den Blutkreislauf und gelangen in die Leber. Je nachdem, welchen Teil der Leberzellen sie schädigen, kann der Verlauf unterschiedlich sein.“

Deshalb sei es wichtig, so schnell wie möglich Hilfe zu holen, warnt Eva Kieslichová, Leiterin der Abteilung für Anästhesiologie, Wiederbelebung und Intensivmedizin an der Prager IKEM-Klinik:

„Das Wichtigste, was über die Prognose entscheidet, ist neben der Menge des verzehrten Pilzes und den Faktoren auf Seiten des Betroffenen die Zeit. Sie ist unheimlich wichtig, und je früher wir mit einer gezielten Behandlung beginnen, desto schneller haben wir Ergebnisse.“

Für den Arzt ist es dann wichtig, zu wissen, mit welchem Pilz der Patient vergiftet wurde. Hilfreich ist deshalb, die Pilze vor dem Verzehr zu fotografieren oder die Pilzreste mitzubringen.

Auch wenn das Pilzsammeln hierzulande sehr beliebt ist und die Menschen damit viel Erfahrung haben, gibt es auch zahlreiche Mythen. Zum Beispiel, dass Milch bei Vergiftungen hilft. Der Ärztin zufolge kann Milch die Situation sogar noch verschlimmern, weil sie die Magenentleerung verlangsamt und die Aufnahme des Giftes ins Blut beschleunigt:

„Bei der Ersten Hilfe sollte man das Erbrechen nicht vermeiden. Es wird empfohlen, Aktivkohle einzunehmen, das heißt drei bis fünf Tabletten zu zerkauen und zu schlucken. Wenn die Symptome nicht abklingen, sollte ein Arzt aufgesucht oder der Notdienst gerufen werden.“

Illustratives Foto: Lenka Žižková,  Radio Prague International

Ein weiterer Mythos ist, dass der giftige Pilz auffällig gefärbt ist beziehungsweise schlecht schmeckt. Zudem wird überliefert, dass das Gift beseitigt wird, wenn der Pilz eingefroren oder einer Wärmebehandlung unterzogen wird. Die Giftstoffe bleiben dabei aber ebenso gefährlich wie bei frischen Pilzen. Und…

Der wohl größte und schlimmste Mythos sei, dass man nichts falsch machen könne, wenn man Pilze kenne. Jeder könne sich schließlich einmal irren, schließt Eva Kieslichová ab.

Autoren: Markéta Kachlíková , Karolína Burdová
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