In Tschechien gezüchtet, in Deutschland verkauft: Medizinisches Cannabis wird vor allem exportiert
Vergangenes Jahr wurden in Tschechien über 4,6 Tonnen medizinisches Cannabis hergestellt. In den hiesigen Apotheken wird aber nur ein Bruchteil davon ausgegeben. Knapp 95 Prozent der Produktion gehen ins Ausland – vor allem nach Deutschland.
Ortsbesuch im 1400-Seelen-Dorf Osek östlich von Plzeň / Pilsen. Die große Halle dort macht von außen nicht gerade den Eindruck eines pharmazeutischen Betriebes. Erst der starke Geruch von Cannabis drinnen und der Anblick von Menschen in Schutzanzügen weisen darauf hin, dass hier eine Heilpflanze gezüchtet wird.
Inhaber der Halle ist das Unternehmen Lagom Pharmatech – Tschechiens größter Produzent von medizinischem Cannabis. Die Ernte aus den insgesamt sechs Zuchtkojen, wie die Anbaueinheiten genannt werden, wirft jährlich mehr als vier Tonnen getrockneten Materials ab.
Verkaufsleiterin Věra Burianová kommt bei ihren Ausführungen nur schwer gegen den Lärm der Lüftungsanlage an. Sie erläutert, dass die Firma im vergangenen Jahr nur etwas mehr als 200 Kilogramm Heilcannabis auf dem tschechischen Markt verkauft habe. Den Rest würde sie vor allem nach Deutschland exportieren, so Burianová.
Lagom Pharmatech beschäftigt in Osek 65 Menschen aus dem Ort und seiner Umgebung. Zur Belegschaft gehört etwa Marcela Orcigová. Vor ihrer Umschulung sei sie in einem Kindergarten gewesen, berichtet die Frau. Die Hanfzucht sei hingegen eine ganz andere, aber schöne Arbeit:
„Ja wirklich, es macht Spaß zu sehen, wie sich die Pflanzen entwickeln – von den Setzlingen bis zur Ernte.“
Laut dem tschechischen Gesundheitsministerium wurden 2024 hierzulande mehr als 4660 Kilogramm medizinisches Cannabis hergestellt. Seit drei Jahren wird in Tschechien im großen Stil produziert. Damals wurde das Rauschmittelgesetz entschärft. Und seit 1. April dieses Jahres darf hanfbasierte Medizin auch an Patienten mit starken Schmerzen verschrieben werden.
Die Lizensierung und der Vertrieb von medizinischem Cannabis laufen hierzulande über das Staatliche Institut für Arzneimittelkontrolle (SÚKL). Tomáš Boráň ist dessen Direktor:
„Eine Lizenz zur Züchtung von Cannabis für Heilzwecke haben aktuell zehn Anbieter. Die Menge der hergestellten Zwischenprodukte aus medizinischem Hanf ist nicht beschränkt.“
Wie Boráň weiter sagt, wurden im vergangenen Jahr nur 263 Kilogramm des Heilmittels in den Apotheken Tschechiens verkauft. Diese Zahl kommentiert Tomáš Kubálek, der Vorsitzende des Züchterverbands für medizinische Hanfpflanzen, wie folgt:
„Die Ambitionen der hiesigen Firmen zielen nicht unbedingt auf den tschechischen Markt. Sie wollen eher nach Deutschland exportieren.“
Wie aus einem Vergleich der offiziellen Statistiken hervorgeht, geben die Apotheken in Deutschland pro Kopf etwa 34-Mal mehr Cannabis zu Behandlungszwecken aus als jene in Tschechien. Dazu sagt Stanislav Havlíček, Vorstandsmitglied der hiesigen Ärztekammer:
„In Österreich und Deutschland funktioniert der Verkauf, denn dort gab es eine gewisse Entkriminalisierung. Die Nutzung wurde erleichtert, und die Patienten zahlen selbst dafür. Dadurch sind die Umsatzzahlen im Jahresvergleich deutlich angestiegen."
In Tschechien wird Cannabis als Arzneimittel auf Rezept ausgegeben, und die Kosten übernimmt die Krankenkasse. Der Preis liegt bei etwa 200 Kronen (8 Euro) pro Gramm. Der Anbau und Verkauf von Cannabis ohne Lizenz ist weiterhin illegal.







