„Operation Ř“: Die Auflösung der Nonnenklöster in der kommunistischen Tschechoslowakei

Vor 75 Jahren startete das kommunistische Regime in der Tschechoslowakei eine gezielte Operation gegen Frauenorden. Unter der Bezeichnung „Akce Ř“ (Operation Ř) wurden ihre Klöster aufgelöst und die Nonnen gewaltsam verschleppt.

Transport älterer und kranker Barmherziger Schwestern vom Heiligen Kreuz vom Kloster Bohosudov nach Vidnava in Schlesien | Foto: Milosrdné sestry sv. Kříže z Kroměříže a z Trnavy  (ASCSC)

Zu jenen Teilen der Gesellschaft, die den Kommunisten ein Dorn im Auge waren, gehörten auch die Kirchen und ihre Vertreter. 1950 gingen sie daher in der Tschechoslowakei zunächst ab April brutal gegen Männerorden vor, um sich danach den Frauen zuzuwenden. Der entsprechende Plan wurde zwar erst am 28. August 1950 vom Zentralkomitee der KPTsch verabschiedet, aber die sogenannte „Akce Ř“ begann schon einen Monat zuvor. Das Ř steht übrigens für „řeholnice“, das tschechische Wort für Nonne.

Von Juli bis September wurden in zwei Wellen über 4000 Nonnen in Lager verschleppt. Etwa die Hälfte von ihnen musste danach Zwangsarbeit in der Industrie leisten – und das unter teils erniedrigenden Bedingungen.

Verschleppt in entlegene Gegenden

Teodora Kubínová | Foto: Anna Vrhelová,  Tschechischer Rundfunk

Zeugnisse dafür gibt es zahlreiche. So beschrieb Schwester Teodora Kubínová vor fünf Jahren für die Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks, wie sie in einer Fabrik in Varnsdorf den Übergriffen von Arbeitern ausgesetzt war. Außerdem mussten die Nonnen eine politische Umerziehung über sich ergehen lassen.

Schwester Sidonie Jana Houštecká beschrieb wiederum, wie die Nonnen nach Alter voneinander getrennt und in entlegene Gegenden des Landes gebracht wurden – wie etwa nach Broumov an der Grenze zu Polen. Sie sollten nicht mehr öffentlich sichtbar sein. Die jüngsten von ihnen blieben manchmal bis zum Sturz des kommunistischen Regimes 40 Jahre später an diesen Orten.

Foto: Zakázaný Bůh: Likvidace / Česká televize

Roman von Tučková

Weißes Wasser  (Bílá voda),  Kateřina Tučková | Foto: Ludmila Opltová,  Tschechischer Rundfunk

Über das Thema hat Star-Autorin Kateřina Tučková anhand jahrelanger Recherchen ihren Roman „Bílá voda“ (Weißwasser) verfasst, er ist noch nicht ins Deutsche übersetzt. Die Schriftstellerin beschreibt das brutale Vorgehen der Staatsmacht am Beispiel der jungen Nonne Evarista. Diese wird wie andere in ein Internierungskloster verschleppt, muss Zwangsarbeit leisten und verbringt eine Zeit im Gefängnis, in dem sie auch gefoltert wird, damit sie ihrem Glauben an Gott abschwört.

Foto: Zakázaný Bůh: Likvidace / Česká televize
schlüsselwörter:

Verbunden