Mehr als nur Atomexpertin: Zum Tod von Dana Drábová

Dana Drábová

Dana Drábová ist am Montag im Alter von 64 Jahren gestorben. Man kennt sie hierzulande vor allem als Expertin für Kernkraft und langjährige Leiterin des Amtes für Reaktorsicherheit. Aber sie war auch politisch aktiv.

„Mit Dana Drábová hatte ich unzählige Arbeitssitzungen. Sie war eine sehr starke Persönlichkeit und hatte eine Rangliste an Werten, von denen sie niemals abwich.“

CEO der CEZ-Gruppe Daniel Beneš | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

So erinnert Daniel Beneš an die verstorbene Physikerin. Beneš hat als Generaldirektor des halbstaatlichen Energieunternehmens ČEZ unter anderem auch die beiden Atomkraftwerke in Tschechien unter seiner Aufsicht. Drábová wiederum war fast 26 Jahre lang die Leiterin des tschechischen Amtes für Reaktorsicherheit (SÚJB). Kein anderer Staatsbeamter auf höchster Führungsebene war hierzulande bisher so lange mit einer Position betraut.

Ging es um Sicherheitsfragen rund um die Kernkraft, war Drábová Auskunftsperson Nummer eins – und damit eine echte Berühmtheit im Land. Eines ihrer Anliegen war, Desinformationen zu widerlegen. Unlängst äußerte sie dazu in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

Dana Drábová | Foto: Anna Duchková,  Tschechischer Rundfunk

„Desinformationen hat es immer gegeben. Aber die sozialen Netzwerke wirken heute als Verstärker. Sie gibt es erst seit relativ kurzer Zeit, sodass wir immer noch lernen, mit ihnen umzugehen. Das passiert Schritt für Schritt – ich selbst kann das auch nicht gut. Ich versuche aber zu tun, was in meiner Kraft steht.“

Mit ihrem eigenen Profil auf X informierte Drábová täglich darüber, wie es um die Strahlenlage in der Ukraine stand, nachdem die russischen Truppen 2022 in das Land eingefallen waren. Der letzte Eintrag stammt von Montagvormittag.

Dana Drábová wurde am 3. Juni 1961 in Prag geboren. Sie studierte an der Fakultät für Nuklear- und Physikalische Technik der Technischen Universität (ČVUT). Danach arbeitete sie unter anderem am damaligen Institut für Hygiene und Epidemiologie, was heute das staatliche Gesundheitsamt (SZÚ) ist. Die Leitung des Amtes für Reaktorsicherheit übernahm sie am 1. November 1999.

In einem Interview für den Tschechischen Rundfunk vor knapp einem Jahr wurde Drábová gefragt, wie sie es schaffe, komplizierte Zusammenhänge in Sachen Kernkraft einfach und verständlich zu erklären. Ihre Antwort:

Dana Drábová | Foto:  Agáta Nezbedová,  Tschechischer Rundfunk

„Mir hat geholfen, dass die meisten Dinge rund um die Inbetriebnahme des Akw Temelín vor mehr als 20 Jahren auch für mich neu waren. Bis dahin hatte ich mich nur am Rande mit Kernkraftwerken beschäftigt. Also musste ich vieles lernen. Und ich lerne am besten, wenn ich über die Dinge so rede, dass ich sie selbst verstehe. Diese gewisse Einfachheit kam also am Anfang von meiner mangelhaften Kenntnis.“

Drábová engagierte sich aber auch in der Kommunalpolitik. Seit 2010 war sie Vizebürgermeisterin des Städtchens Pyšely, südöstlich von Prag. Zudem saß sie 2016 und 2017 für die Bürgermeisterpartei Stan im Kreisrat von Mittelböhmen.

Lukáš Vlček | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

Auf die Nachricht von Drábovás Tod reagierten Tschechiens Spitzenpolitiker mit Trauerbekundungen. Staatspräsident Petr Pavel schrieb auf X von einer wahren und unprätentiösen Patriotin. Und der Minister für Industrie und Handel, Lukáš Vlček (Stan), würdigte Drábová im Tschechischen Rundfunk:

„Sie war eine Frau mit großem Überblick und riesiger internationaler Anerkennung, aber gleichzeitig mit ungeheuer viel Humor. Ich persönlich kann ihr für vieles danken.“

Petr Pavel und Dana Drábová | Foto: Zuzana Bönisch,  Prager Burg / Büro des Präsidenten der Republik

2014 wurde der Physikerin die Verdienstmedaille des tschechischen Präsidenten verliehen. Vom Verteidigungsministerium bekam sie 2022 dann das Verdienstkreuz für außergewöhnliche Aktivitäten zur Unterstützung der Ukraine in deren Kampf gegen die russische Invasion. Und im vergangenen Jahr wurde Drábová mit dem japanischen Orden der Aufgehenden Sonne geehrt – die Expertin war nämlich seit 2018 auch Beraterin der japanischen Regierung im Bereich der Atomregulierung.

Ebenso genoss Drábová Respekt in der Slowakei. Marta Žiaková, die Leiterin der dortigen Atomaufsichtsbehörde, reagierte auf den Tod ihrer Amtskollegin:

Marta Žiaková und Dana Drábová | Foto: Kreis Vysočina

„Das ist eine traurige Nachricht, die die gesamte Fachgemeinschaft trifft, und sie trifft mich auch persönlich. Drábová war eine wirklich angesehene Expertin. Die Zusammenarbeit unserer beiden Ämter war überdurchschnittlich gut – und das nicht nur im europäischen Vergleich, sondern ebenso im weltweiten.“

Dana Drábová ist nach schwerer Krankheit am Montag zu Hause im Kreise ihrer Angehörigen gestorben. Vor dem Gebäude des Amtes für Reaktorsicherheit in Prag legen Menschen derzeit Blumen nieder und zünden Kerzen an.

Autoren: Daniela Honigmann , David Schalek | Quelle: Český rozhlas
schlüsselwort:
abspielen