Klavierfestival erinnert an tschechischen Weltklassepianisten Firkušný
Am 8. November wird in Prag das Rudolf-Firkušný-Klavierfestival eröffnet.
Rudolf Firkušný (1912–1994) gehörte zu den bedeutendsten Pianisten des 20. Jahrhunderts. Der tschechische Klaviervirtuose war zweimal gezwungen, seine Heimat zu verlassen: zum ersten Mal 1939 kurz vor dem Einmarsch der deutschen Truppen und zum zweiten Mal 1948, als die Kommunisten in der Tschechoslowakei die Macht ergriffen haben. Nach der Wende von 1989 trat Firkušný nach Jahrzehnten erneut beim Musikfestival Prager Frühling auf. Dessen Veranstalter organisieren seit 2013 jedes Jahr ein Klavierfestival, das den Namen des renommierten Pianisten trägt. Josef Třeštík ist künstlerischer Leiter des Prager Frühlings. Er sagte gegenüber Radio Prag International:
„Wie der Name des Klavierfestivals andeutet, wird mit der Veranstaltung an den großen tschechischen Pianisten Rudolf Firkušný erinnert, der mit den ersten Jahrgängen des Prager Frühlings verbunden war. Danach emigrierte er in die USA. Dort machte er eine große internationale Karriere. Er zählte zu den besten Pianisten der Zeit und spielte viele Klavierwerke ein. Anfang der 1990er Jahre kehrte er wenigstens teilweise in die Tschechoslowakei zurück. Er war bei den ersten Jahrgängen des Prager Frühlings nach der Wende mit dabei und war sogar Präsident des Festivals. Das Festival wird traditionell immer im Mai veranstaltet. Ich war damals noch nicht dabei, als die Organisatoren auf die Idee kamen, ein kleineres Festival zu Ehren von Firkušný zu veranstalten. Denn eine derartige Veranstaltung gab es zuvor nicht in Prag.“
In diesem Jahr findet die 13. Auflage des Klavierfestivals statt, das den Namen des namhaften tschechischen Pianisten trägt.
Talentierter Junge begegnet Janáček
Als ein wichtiger Moment in Firkušnýs Leben gilt das Treffen des damals fünfjährigen Pianisten mit Leoš Janáček im Jahre 1917. Der Komponist erkannte das Talent des Jungen und sorgte dafür, dass er einen entsprechenden Musikunterricht bekommt. Mit elf Jahren trat Firkušný zum ersten Mal mit der Tschechischen Philharmonie auf. Außer dem Studium in Brno / Brünn und in Prag studierte der junge Virtuose auch in Paris und in Berlin. Er gab viele Konzerte. Mit 18 Jahren war sein Name in ganz Europa bekannt. Im März 1939 verabschiedete er sich vom tschechischen Publikum mit einem Konzert mit der Tschechischen Philharmonie. Danach verbrachte er einige Jahre im Exil. Zu der Zeit spielte er mit allen renommierten US-amerikanischen Orchestern.
Nach dem Kriegsende kehrte Firkušný in die Tschechoslowakei zurück. Beim ersten Jahrgang des Prager Frühlings feierte er einen großen Erfolg mit Dvořáks Klavierkonzert. 1948 war er wieder gezwungen, zu emigrieren. Er lebte in den USA und gab Konzerte in der ganzen Welt. Seit den 1960er Jahren war er Professor an der Julliard School in New York. Erst nach der politischen Wende, im Jahre 1990, spielte Firkušný wieder mit der Tschechischen Philharmonie beim Prager Frühling. Der Musiker bemühte sich, verschiedene Musikinstitutionen in seiner Heimat zu unterstützen, und richtete unter anderem eine Stiftung für die Janáček-Akademie der Musischen Künste in Brünn ein. Der Pianist hatte vor, nach Prag umzuziehen, diesen Wunsch konnte er sich aber nicht mehr erfüllen. Er starb 1994 in seinem Sommersitz nahe New York.
Worin war Rudolf Firkušný einzigartig? Der künstlerische Leiter des Prager Frühlings, Josef Třeštík, dazu:
„Sein Repertoire war spezifisch. Die Klavierkompositionen von Antonín Dvořák wurden früher kaum von den renommierten Pianisten der Welt aufgeführt. Firkušný war einer von denjenigen, die ihnen in der Welt zum Durchbruch verhalfen. Ganz speziell war Firkušnýs Beziehung zu Bohuslav Martinů. Sie lebten beide im Exil. Martinů widmete dem Pianisten zwei Kompositionen, einschließlich eines Klavierkonzerts, das Firkušný anschließend öfter spielte. Er propagierte auf diese Weise die tschechische Musik in der Welt. Firkušný wurde auch als Interpret von Beethovens Werken besonders geschätzt. Alle Pianisten spielen Beethoven, aber es passiert nicht jedem, dass er dafür so wie der tschechische Klaviervirtuose gewürdigt wird.“
Das bevorstehende Klavierfestival, das nach Rudolf Firkušný benannt ist, wird mit einem Konzert des kanadischen Pianisten Jan Lisiecki eröffnet. Das Konzert ist ausverkauft, es wird jedoch vom Tschechischen Rundfunk live übertragen.
Keine Langeweile beim Klavierfestival
Die Veranstalter seien bemüht, sehr unterschiedliche Pianisten nach Prag zu holen, wie Josef Třeštík anmerkt:
„Wir wollen natürlich jedes Jahr einige der größten Stars nach Prag bringen. Dabei möchten wir jedoch nicht nur völlig etablierte und ältere Pianisten einladen. Außerdem achten wir sehr darauf, dass jedes Mal auch ein tschechischer Vertreter dabei ist. Wir haben im Blick, dass das Festival nicht langweilig wird und dass nicht alle nur Beethoven oder Schubert spielen. Selbstverständlich haben wir nichts gegen die beiden Komponisten, ihre Musik erklingt auch bei dem Festival. Aber das Programm wird nach verschiedenen Aspekten zusammengestellt.“
Jan Lisiecki ist laut Třeštík ein spezieller Pianist. Er ist 30 Jahre alt, hat jedoch eine 15-jährige internationale Karriere hinter sich.
„Er ist bereits als Teenager berühmt geworden und spielte mit den besten Orchestern und Dirigenten der ganzen Welt. Mich faszinierte beispielsweise die Tatsache, mit einem 30-jährigen Menschen zu sprechen, der mit dem italienischen Dirigenten Claudio Abbado (1933–2014) zusammengearbeitet hat. Als ich aufgewachsen bin und Musik studiert habe, war Abbado für mich der bekannteste Dirigent überhaupt. Er ist schon vor Jahren gestorben. Und nun bin ich Jan Lisiecki begegnet, der um fast 15 Jahre jünger ist als ich, und er hat mit diesem Dirigenten zusammengearbeitet. Das finde ich faszinierend.“
Schostakowitsch, Jazz, Schumann
Etwas weniger bekannte Kompositionen erklingen beim Konzert in Darbietung der russischen Pianistin Julianna Awdejewa. Sie spielt 24 Präludien und Fugen von Dmitri Schostakowitsch. Der Komponist ist hierzulande zweifelsohne viel mehr durch seine Symphonien als durch Kammermusik und Klavierwerke bekannt geworden. Schostakowitsch sei selbst ein glänzender Pianist gewesen, merkt Josef Třeštík an.
„Er nahm an der ersten Auflage des berühmten Chopin-Wettbewerbs in Warschau im Jahre 1927 teil, gewann ihn jedoch nicht. Julianna Awdejewa ist die Siegerin des Wettbewerbs von 2010. Schostakowitsch schrieb den Zyklus von Präludien und Fugen in den 1950er Jahren. Er bekannte sich damit zu Johann Sebastian Bach. Viele Komponisten setzen sich mit Bachs Vermächtnis auseinander. Und dies tat auch Schostakowitsch. Wenn ich seine Symphonien als große Gemälde bezeichnen würde, dann würde ich die Präludien und Fugen als feinere und eher lyrische Zeichnungen beschreiben – als Miniaturen mit einer Pointe.“
Unter dem Titel „God Bless American Jazz“ findet das Konzert von Karel Košárek und Jiří Levíček statt. Ein klassischer Pianist, der die amerikanische Musik liebt, tritt dabei mit einem Jazzman auf. Košárek eröffnet das Konzert mit Aaron Coplands populärer Komposition „El Salón México“. Josef Třeštík dazu:
„Aaron Copland war einer der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. In einer Lebensetappe wurde er durch die Geschichte der USA und des Wilden Westens inspiriert. So entstand auch diese Komposition, die Copland für ein Orchester schrieb. Leonard Bernstein hat sie fürs Klavier bearbeitet. Es ist eigentlich eine Rarität. Anschließend erklingt ein Werk, das hierzulande ganz wenig bekannt ist, und zwar ,Drei Bilder in Tönen‘ von Charles Tomlinson Griffes, der manchmal ,amerikanischer Debussy‘ genannt wird.“
Die erste Konzerthälfte geht mit Samuel Barbers „Sonate für Klavier“ zu Ende. Das Stück ist laut Josef Třeštík sehr bekannt, da es oft als Filmmusik genutzt wird. In der zweiten Konzerthälfte erklingt Jazz.
„Karel Košárek spielt zuerst Jazzetüden von Errol Wilde, in denen Wilde George Gershwins berühmte Lieder bearbeitet hat. Anschließend spielen Košárek und Levíček auf zwei Klavieren Dave Brubecks ,Points of Jazz‘. Wir sollten uns alle überraschen lassen, was sie alles vorführen werden. Denn es wird vermutlich auch Improvisationen geben, auch wenn diese in der Komposition nicht enthalten sind.“
Ein ganz anderes Musikgenre steht auf dem Programm des Konzerts des französischen Pianisten russischer Abstammung Arcadi Volodos. Volodos suche sein Repertoire sehr sorgfältig aus, betont Třeštík.
„Er hat zudem einen speziellen Anschlag. Als ich ihn zum ersten Mal spielen hörte, war ich erstaunt, was für Farben er mit seinem Anschlag zaubern kann. Er spielt Franz Schuberts Sonate und eine etwas vergessene Komposition – Robert Schumanns ,Davidsbündlertänze‘. Den imaginären Davidsbund hat Schumann geschaffen.“
Das Rudolf-Firkušný-Klavierfestival findet vom 8. bis 13. November in Prag statt. Für drei Konzerte gibt es noch Restkarten. Mehr über das Festival erfahren Sie unter https://firkusny.cz/en/.
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