Tschechischer Kohlebaron Tykač kündigt Schließung von drei Kraftwerken an
Der tschechische Energiekonzern Sev.en hat bekanntgegeben, drei seiner Kohlekraftwerke zu schließen. Spätestens Anfang 2027 sollen die Anlagen heruntergefahren werden.
Von der geplanten Schließung sind die Kohlekraftwerke im nordböhmischen Počerady und in Chvaletice im Kreis Pardubice betroffen, ebenso wie das Heizkraftwerk in Kladno. Der Konzern Sev.en des tschechischen Unternehmers und Milliardärs Pavel Tykač begründet dies mit einem Rückgang der Wirtschaftlichkeit. Firmensprecherin Eva Maříková sagt:
„Die Preisentwicklung der Emissionszertifikate ab Januar 2026, die Gaspreise im aktuellen Winter und das zunehmende Aufkommen erneuerbarer Energien – all diese Dinge zwingen uns dazu, den Betrieb unserer Kohlekraftwerke zu beenden.“
Die drei Standorte sollen laut Sev.en schon im Dezember 2026, spätestens aber im März 2027 heruntergefahren werden. Als ersten Schritt dazu hat sich das Unternehmen in der vergangenen Woche an den staatlichen Energienetzbetreiber ČEPS gewandt. Dieser muss nun innerhalb von 60 Tagen bewerten, ob durch die geplante Schließung ein Stromengpass in Tschechien droht. Seine Einschätzung stellt der Netzbetreiber anschließend der Energieregulierungsbehörde (ERÚ) zur Verfügung. Tschechiens scheidender Industrie- und Handelsminister Lukáš Vlček (Stan) sagte zu den weiteren Schritten:
„Sollte ČEPS urteilen, dass der Weiterbetrieb der Kraftwerke notwendig ist, kann die Energieregulierungsbehörde im Notfall – und so dies im öffentlichen Interesse ist – dem Betreiber die Pflicht auferlegen, weiter Strom zu produzieren. Die Lizenz kann an den bisherigen Betreiber gehen oder an ein anderes Subjekt.“
Sollte Sev.en verpflichtet werden, die Kraftwerke weiter am Laufen zu halten, müsste der Konzern dafür Kompensationszahlungen vom Staat erhalten. Unter dieser Bedingung zeigt sich Unternehmenschef Tykač tatsächlich bereit, von der Schließung abzusehen.
Handelsminister Vlček sieht dieses Szenario aber nicht kommen. Denn die drei Kraftwerke produzierten im vergangenen Jahr zusammen zwar 13 Prozent des tschechischen Strombedarfs. Die Versorgung sei derzeit aber durch die Partner im Ausland abgesichert, so Vlček. Zudem gebe es aktuell einen Produktionsüberschuss in Tschechien. Darauf verweist auch René Neděla, Leiter des Energie-Referats im Industrie- und Handelsministerium:
„Tschechien war in den ersten beiden Quartalen des Jahres erneut Nettoexporteur. Wir hatten einen positiven Saldo von vier Terrawattstunden. Diese einfache mathematische Gleichung zeigt, dass das Elektrizitätssystem nicht bedroht ist. Aber nun hängt alles von ČEPS und deren Beurteilung ab.“
Dass durch die Kraftwerksschließung die Strompreise im Land steigen könnten, halten Beobachter derzeit für unwahrscheinlich. Denn der Markt rechne mit dem Kohleausstieg, heißt es.
Anders sieht das Michal Šváb, Miteigentümer des Beratungsunternehmens Enaco. In Zukunft könnten die Energiepreise aufgrund der steigenden Abhängigkeit vom Ausland durchaus anziehen, glaubt er. Denn derzeit seien die Preise im Ausland zwar niedriger. Dies könne sich aber jederzeit ändern, so Šváb.
Die scheidende tschechische Regierung hatte in der Vergangenheit das Ziel ausgerufen, bis 2033 aus der Kohleverstromung auszusteigen. Mehrere Produzenten peilen aber ein früheres Datum an. So nennt der halbstaatliche Energiekonzern ČEZ in seinen Plänen derzeit das Jahr 2030 als spätesten Termin für den Kohleausstieg.
Neben dem Betrieb von Kraftwerken baut Sev.en auch selbst Braunkohle ab, zudem beteiligt sich die Firma an der Renaturierung früherer Halden. Der Kraftwerks- und Förderbereich von Sev.en fuhr letztes Jahr in Tschechien Verluste in Höhe von 2,1 Milliarden Kronen (87 Millionen Euro) ein. An den drei von der geplanten Schließung betroffenen Standorten beschäftigt Sev.en insgesamt rund 800 Menschen, was etwa ein Drittel der gesamten Mitarbeiterzahl ist.
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