Böhmerwald und Bayerischer Wald im Fokus: Der Lichtland-Verlag und sein Programm
Ende November wurde in der Buchhandlung des Verlags Edition Lichtland im bayerischen Schönberg die deutsche Übersetzung des tschechischen Buchs über den Böhmerwald-Schriftsteller Karel Klostermann vorgestellt. Martina Schneibergová war bei der Feier dabei.
Die Buchhandlung im bayerischen Schönberg platzte am Abend des 21. November aus allen Nähten. Vor allem viele Böhmerwald-Fans fanden an diesem Tag den Weg in die gemütlichen Räume. Der Verlag Edition Lichtland stellte dort feierlich die deutsche Übersetzung des Buchs „Karel Klostermann und die Geburt des Böhmerwaldes“ vor. Geschrieben wurde es von Veronika Faktorová und Michal Hořejší. Die beiden Forscher haben zuvor in Tschechien mit ihrem Buch sowie einer Wanderausstellung zu dem Thema einen großen Erfolg gefeiert.
Den Lichtland-Verlag führen Edith Döringer und Hannelore Hopfer. Kurz vor der feierlichen Vorstellung des Klostermann-Buchs entstand das folgende Interview mit Hannelore Hopfer:
Frau Hopfer, wir stehen jetzt in der Buchhandlung in Schönberg und zwar aus einem besonderen Anlass. Es wird die deutsche Übersetzung eines tschechischen Buchs über Karel Klostermann präsentiert. Wie kam es dazu, dass Sie Interesse an dieser Art Literatur gefunden haben?
„Ich gestehe, dass ich bis vor wenigen Monaten noch kein Buch von Karel Klostermann gelesen hatte, weil es mir zu weit weg war. Als ich aber dieses bunte Buch sah und die Annäherung an Karel Klostermann – und da drinnen ist Karl May genauso wie Lederstrumpf und andere Dinge –, da wusste ich: Das ist ein Buch nicht wie jedes andere. Und Bücher, die nicht wie alle anderen sind, sind gute Bücher. Hinzu kommt noch die Grafik. Es ist also ein ganz besonderes Buch.“
War es schwierig, einen Übersetzer zu finden?
„Übersetzer zu finden ist nie ganz einfach. Wenn man nur Deutsch spricht und nicht auch Tschechisch, ist es schwer zu beurteilen, wie jemand vom Tschechischen ins Deutsche übersetzt. Aber wir haben die besten Übersetzer gefunden, und es ist ein wunderbares Buch geworden.“
Sie sagen, der Verlag spezialisiere sich auf die Literatur aus der Region – aus dem Bayerischen Wald und auch aus dem Böhmerwald…
„Das hat sich so ergeben. Zu Anfang haben wir die Themen noch etwas weiter gefasst. Aber wir haben feststellen müssen, dass wir ein sehr kleiner unabhängiger Verlag sind und genau ausrechnen müssen, wie viele Bücher man überhaupt verkaufen und wie viele Bücher man drucken lassen kann. Es hat keinen Sinn, wenn man nur 1000 Bücher verkaufen kann, und man hat 4000 Bücher gedruckt. Dann liegen diese auf Lager, kosten Geld, und der Gewinn der 1000 Bücher ist durch die Lagerkosten wieder weg. Daher haben wir uns im Laufe der Jahre wirklich auf Themen spezialisiert, die hier in der Region, im Nationalpark, stattfinden. Wir gaben beispielsweise ein wunderbares Buch über Schleimpilze und kleine Spinnen von einem Fotografen heraus, der seit seinem zwölften Lebensjahr die Natur rund um Finsterau fotografiert. Hinzukommen Gedichte aus der Region, Kriminalromane aus der Region, also alles, was irgendwie aus der Gegend stammt. Es gab auch ein Wimmelbuch, das Schüler gestaltet haben. Immer steht dahinter die Zusammenarbeit mit Menschen aus der Region, und dann kann man abschätzen, wie viele Bücher man drucken lässt und wie hoch das Potenzial an Verkäufen ist.“
Haben Sie Stammleser oder Stammkunden?
„Wir haben sicher Stammkunden. Und dann gibt es aber natürlich auch Menschen, die hier Urlaub machen und unsere Bücher wie ein Souvenir mit nach Hause nehmen.“
Ist es das erste Buch, das für den Verlag aus dem Tschechischen übersetzt wurde?
„Wir haben zweisprachige Bücher gemacht, aber es ist tatsächlich das erste Buch, das aus dem Tschechischen übersetzt wurde. Der Band ,Die verborgenen Welten‘ ist mit tschechischem und deutschen Text herausgegeben worden. Unser neues Nationalparkbuch wird in Tschechisch herausgegeben für den Nationalpark Šumava. Aber das Buch über Klostermann ist wirklich unser erstes Buch, das aus dem Tschechischen übersetzt wurde.“
Werden diese zweisprachigen Bücher vielleicht auch von Tschechen gekauft, die im Urlaub vorbeikommen?
„Wir wissen es nicht ganz genau. Ich glaube, die Sprachbarriere ist noch größer, als man glaubt. Und wir hoffen, dass wir diese Grenze irgendwie einreißen können. So gab es auch zum Beispiel ein Kinderbuch, mit dem es darum ging, grenzüberschreitend zu kommunizieren. Es handelte sich um zwei Zwerge, die sich über die Grenze hinweg verstanden haben. Wenn man jetzt Klostermann liest, dann weiß man, dass es damals ein einziges großes Gebiet war. Deutsch und Tschechisch war schon immer ein Thema.“
Sie haben die zweisprachigen Bücher erwähnt. Diese könnten auch einen bestimmten Kreis von tschechischen Lesern ansprechen…
„Ich glaube schon. Wobei ich mich immer wundere: Die Tschechen sprechen viel leichter Deutsch, als die Deutschen, die Tschechisch lernen. Es gibt zwar Tschechisch-Kurse bei uns an der Volkshochschule, aber uns erscheint die Sprache wahnsinnig kompliziert.“
Derzeit findet gerade das Festival Šumava Litera in Vimperk statt. Kann es sein, dass Sie bei dem Festival auch auf tschechische Bücher stoßen, deren Autoren Sie ansprechen werden?
„Wenn ein Thema grenzüberschreitend ist, dann kann das durchaus sein – keine Frage. Am meisten haben solche Themen eine Chance, die die Natur betreffen, weil die beiden Nationalparks immer intensiver zusammenarbeiten. Und wir sind da offen für alles. Man muss immer natürlich überlegen, was man verkaufen kann, wen man anspricht und wer die Zielgruppe ist.“
Ich wünsche Ihnen viele begeisterte Leser des Klostermann-Buchs...
„Man sagt, er habe den Tourismus in den Böhmerwald gebracht, das war bestimmt so.“
Einen Tag später punktete der Lichtland-Verlag beim Festival in Vimperk. Der bayerische Fotograf Lukas Haselberg gewann dort den Hauptpreis für den zweisprachigen Band „Verborgene Welten der Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava“.
Katja Brankačkec hat das Buch über Karel Klostermann für den Lichtland-Verlag übersetzt. Während der Präsentation des Buchs in Schönberg entstand das folgende Interview mit der Übersetzerin:
Es war vermutlich kein einfacher Text zum Übersetzen, wie haben Sie damit gearbeitet?
„Eigentlich ging das sehr gut, muss ich sagen. Ich habe ziemlich flüssig gearbeitet, weil die Texte recht prägnant und kurz sind, man kann sich da sehr gut hineinversetzen. Ich habe ein Glossar angelegt, in dem ich die ganzen Begriffe gesammelt habe – die Eigennamen, die verschiedenen Bezeichnungen der Vereine und was da noch so alles vorkommt. Das muss man sammeln und kann es immer wieder gleich verwenden. Schwierig waren hingegen die älteren literarischen Texte, da hat mir mein Mann viel geholfen. Er hat mir auch viel mit dem älteren Wortschatz geholfen. Das müssen dann die Leser entscheiden, ob mir das gelungen ist oder nicht.“
Mussten Sie vorher auch etwas von Klostermann lesen, oder war das nicht notwendig?
„Ich hatte nichts von ihm gelesen. Das müssen dann wirklich die Leser entscheiden, ob das ein Mangel ist an der Übersetzung. Ich kann das nicht beurteilen. Ich habe versucht, von der Sprachentwicklung her in etwa die Zeit zu treffen – mehr oder weniger intuitiv.“
Markus Rudolfi von der Goethe-Universität in Frankfurt hat das Vorwort für das Klostermann-Buch geschrieben. Wie es dazu kam, dass er damit beauftragt wurde, erläuterte er gegenüber Radio Prag International:
„Das ist eine interessante Geschichte. Ich habe zu der Zeit, als das Buch veröffentlicht wurde, an der Prager Karlsuniversität einen Lehrauftrag gehabt. Mir fiel auf, dass es im Buch um Karel Klostermann und seine Vorstellungen in der Natur geht, wozu ich meine Promotion geschrieben habe. Also nicht über Klostermann, aber zu den Vorstellungen in der Natur. Ich habe dann die tschechische Ausgabe des Buches gekauft, weil ich die Idee so interessant fand: dass man die Literatur von Karl Klostermann nimmt und einfach auf die Spur geht, sich dem Naturraum widmet und das erforscht. Ich habe auf einer grenzüberschreitenden Konferenz in Srní, auf Deutsch Rehberg, Michal Hořejší kennengelernt. Wir haben uns darüber ausgetauscht, dass er dieses Buch geschrieben hat und dass ich zu dem Thema forsche. Dann bin ich eingeladen worden, dieses Vorwort zu schreiben. Und dafür bin ich sehr dankbar und fühle mich sehr geehrt.“
Im Publikum saß auch der Vater von Markus Rudolfi, der ein Bewunderer von Karel Klostermann ist. Was fasziniert ihn an dem Werk des Schriftstellers, das manche für überholt halten? Herr Rudolfi:
„Nein, es ist nicht überholt. Ich finde, Klostermann hat zu seiner Zeit die Situation des Böhmerwaldes sehr gut beschrieben. Da geht es um Naturkatastrophen, den Missbrauch der Landschaft, die verschiedenen Einflüssen von außen, aber immer um den Schaden an der Natur. Und mich hat fasziniert, dass dieser Mann im 19. Jahrhundert das zum Teil so beschrieben hat, wie es heute auch ist. Ich komme aus dem Bayerischen Wald, aus der Dreisesselregion, bin hier geboren und aufgewachsen und lebe heute noch im Bayerischen Wald. Deswegen schätze ich auch diese Beschreibung eines Böhmerwäldlers sehr, er erinnert sich an die Jugend, an das Leben hier, an diese Abgeschiedenheit. Denn wir waren ja sehr lange Zeit abgeschieden vom Rest der Welt. Und jetzt sind wir wieder vereint und verbunden. Das war auch so in den Zeiten von Klostermann.“
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