Wegen Überfahren von Haltesignalen: Werden tschechische Lokführer künftig von Kameras überwacht?
Das tschechische Bahnamt will auf den Führerständen der Lokomotiven Kameras installieren. Damit soll die Sicherheit im Schienenverkehrt erhöht werden. Doch die Lokführer sind von dem Vorschlag gar nicht begeistert.
Insgesamt 177 Mal haben Züge in Tschechien vergangenes Jahr unerlaubterweise ein Haltesignal überfahren. Das ist zu viel, findet das tschechische Bahnamt (DÚ). Die Behörde will deshalb künftig auf den Führerständen Kameras installieren lassen, mit denen die Triebfahrzeugführer bei ihrer Arbeit überwacht werden können. Bahnamtschef Jiří Kolář sagte dazu dem Tschechischen Rundfunk:
„Wir erhoffen uns von der Neuerung, dass sich die Lokführer wirklich auf das Fahren konzentrieren und sich nicht von ihrem Privathandy ablenken lassen. Denn die Triebfahrzeugführer werden wissen, dass wir uns die Aufnahmen anschauen.“
Es solle dabei nicht die gesamte Schicht aufgezeichnet werden und auch nicht die gesamte Fahrerkabine, sagt Kolář:
„Wir versuchen, nicht das Gesicht der Lokführer aufzunehmen, sondern nur ihre Hände. Und wir müssen auch nicht die ganze Fahrt aufzeichnen, sondern nur etwa eine Minute vor und nach dem Passieren eines Signals.“
Der tschechische Lokführerverband (FSČR) hält allerdings nicht viel von der geplanten Regelung. Verbandschef Jaroslav Vondrovic sagt:
„Es wird genau der gegenteilige Effekt eintreten. Die Lokführer werden sich fühlen, als hätten sie ein Hemd aus Brennnesseln an, weil sie die ganze Zeit bei der Arbeit gefilmt werden. Dabei kommt ihre Tätigkeit heute gar nicht mehr ohne Tablet oder Handy aus. Die Kommunikation läuft immer mehr digital ab.“
Das Bahnamt will kommende Woche Verkehrsminister Ivan Bednárik (parteilos) mit seinem Vorschlag bekanntmachen. Dieser wollte sich bisher nicht in der Sache äußern. Um die Sicherheit auf den Schienen zu erhöhen, hat die Behörde auch vor, die Ausbildung der Lokführer zu verbessern. So könnten künftig etwa mehr Stunden im Simulator auf dem Programm stehen, sagt Radek Šafránek, Leiter des Technikreferates beim Bahnamt:
„Wir wollen an die Beförderer und Ausbildungszentren appellieren, dem Trend zu folgen und Simulatoren einzusetzen. Wir haben in einem solchen Gerät einmal einen Notfall simuliert. Über die Hälfte der Lokführer hat sich falsch verhalten. Das Üben ist also unabdingbar.“
Dem stimmt ebenfalls der Verband der Lokführer zu. Man begrüße diesen Vorschlag deshalb, hieß es von der Arbeitnehmervereinigung.
Neben dem unerlaubten Passieren von Haltesignalen bereitet dem Bahnamt auch Sorgen, dass sich mitunter Personen unbefugterweise an den Eisenbahnanlagen zu schaffen machen. Vergangenes Jahr verzeichnete man 483 entsprechende Vorfälle – fast zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Jan Vrbata leitet das Betriebsreferat des Bahnamtes und sagt:
„Der Klassiker ist das Betreten des Gleisbettes. In der letzten Zeit häufen sich zudem Fälle, in denen Menschen auf dem Dach der Waggons oder auf den Kupplungen mitfahren. Zudem werden Gegenstände in den Bahnanlagen platziert, etwa Steine direkt auf den Schienen.“
Vrbata schreibt die Verstöße vor allem Jugendlichen zu. Der Nachwuchs wolle mit den Aufnahmen entsprechender Aktionen wohl in den sozialen Netzwerken angeben, heißt es weiter vom Bahnamt.







