Sweeney Todd in der Oper und Kyliáns Meisterstück – Nationaltheater Prag in der nächsten Saison

Auf der Pressekonferenz wurde das Programm der 144. Saison des Nationaltheaters vorgestellt

Das Prager Nationaltheater hat vor kurzem sein Programm für die nächste Spielzeit vorgestellt. Am Rand der entsprechenden Pressekonferenz standen der künstlerische Leiter der Oper, Per Boye Hansen, und der Leiter des Ballettensembles, Filip Barankiewicz, zu einem Interview für Radio Prag International bereit. Die Fragen stellte Martina Schneibergová.

Herr Hansen, in der nächsten Saison steht sogar ein Musical auf dem Programm. So wird „Sweeney Todd“ in der Staatsoper aufgeführt. Wie kamen Sie auf die Idee, denn auf dieser Bühne ist ein Musical etwas ungewöhnlich?

Per Boye Hansen | Foto: Nationaltheater Prag

„Ich weiß. Ich habe bereits lange Zeit eine gute Beziehung zu ,Sweeney Todd‘, es ist wirklich ein Opernmusical. Als ich an der Komischen Oper in Berlin gearbeitet habe, haben wir es dort gespielt. Es war ein großer Erfolg. Ich habe das Musical in London und in Zürich mit Bryn Terfel in der Hauptrolle gesehen. Ich denke, es ist wirklich ein Musical, das auf die Opernbühne gehört.“

Wer wird die Titelrolle singen?

„Adam Plachetka wird diese Partie singen.“

Ich glaube, dass er vor vielen Jahren ursprünglich Musicals singen wollte, bevor er zum Opernsänger geworden ist…

„Das habe ich auch gehört. Aber es ist jetzt ein großer Sprung für ihn. Denn er hat gerade den Wotan in Wagners ,Rheingold‘ gesungen, und jetzt folgt ein Musical. Das zeigt, dass er ein vielfältiger Künstler ist.“

Außer dem Musical planen Sie natürlich weitere Neuproduktionen von Opern, darunter Debussys ,Pelléas et Mélisande‘. Das Stück wurde hier, denke ich, zuletzt vor mehr als zehn Jahren gespielt…

„Natürlich ist es eine Oper, die nicht immer im Repertoire ist. Für mich ist es jedoch eine der wichtigsten Opern von Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie hatte sehr großen Einfluss auf die weiteren Komponisten. Es ist ein wunderschönes Werk mit einer sehr besonderen Orchestrierung. Mit Arnheiður Eiríksdóttir in der Titelpartie lässt sich eine schöne Vorstellung erwarten. Ich bin froh, dass ich den deutschen Regisseur Christof Loy engagieren konnte. Er hat schon auf allen großen Bühnen der Welt gearbeitet. Es ist das erste Mal, dass er nach Prag kommt. Dirigent Patrick Fournillier studiert die Oper musikalisch ein. Er ist derzeit Chef der Oper in Warschau.“

Webers „Freischütz“ ist mit Prag oder Böhmen eng verbunden. War das dafür entscheidend, dass es eine Neuproduktion dieser Oper geben wird?

„Es ist schon ein paar Jahre her, dass ,Der Freischütz‘ hier gespielt wurde. Diese Oper gehört natürlich nach Prag und nach Tschechien. Ich denke, dass Carl Maria von Weber, der drei Jahre lang Musikchef am Ständetheater in Prag war, stark vom Böhmerwald inspiriert war. Unsere Neuproduktion wird von Andreas Homoki einstudiert und vom Musikdirektor der Staatsoper, Hermann Bäumer, dirigiert.“

Kommen Sie in der anstehenden Saison auch auf das Projekt Musica non grata zurück?

„Ja. Hermann Bäumer war von dem Projekt sehr angetan und hat sich entschieden, ein Konzertprogramm mit Werken von Zemlinsky, Schönberg und Mahler zusammenzustellen. Er wird auch unsere Neuproduktion von Zemlinskys Oper ,Der Zwerg‘ dirigieren. Diese wurde in Prag komponiert. Es ist eine fantastische, interessante Oper, die nun wieder gespielt wird. Anfang der 1990er Jahre gab es wohl auch bereits eine Produktion.“

Sie haben sich zudem entschieden, die letzte vollendete Oper von Smetana, „Die Teufelswand“, aufzuführen. Sie ist hierzulande sehr viel weniger bekannt als andere Werke von Smetana. Wie sind Sie auf diese Oper gekommen?

„Im Ausland ist die Oper völlig unbekannt. Es ist jedoch die Aufgabe des Nationaltheaters, auch die unbekannten Werke aufzuführen. Ich bin sehr froh, dass wir Ondřej Havelka als Regisseur für die Inszenierung gewonnen haben. Ich glaube, er ist der richtige Künstler, der aus dem Stoff etwas kreieren wird.“

Igor Strawinskys Oper „The Rake’s Progress“ wird das Prager Publikum nach vielen Jahren wieder live sehen können…

„Ich weiß eigentlich nicht, wann die Oper hier früher gespielt wurde. Die Premiere fand in den 1950er Jahren statt. Sie ist im neoklassischen Stil geschrieben. Es ist eine fantastische Geschichte, die fast ein wenig an ,Don Giovanni‘ erinnert – der Hauptheld wird vom Teufel in die Versuchung getrieben. Das Stück passt sehr gut ins Ständetheater.“

Nach den erfolgreichen Produktionen des „Rosenkavalier“ und von „Ariadne auf Naxos“ aus den letzten Jahren folgt eine weitere Oper von Richard Strauss: Salome. Wer wird sie einstudieren?

„Es ist eine Durchbruchsoper vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Der renommierte Regisseur Calixto Bieito wird bestimmt für viel Spannung sorgen. Dirigieren wird der Musikdirektor des Nationaltheaters, Robert Jindra.“

Vor kurzem erlebte eine Neuproduktion vom „Rheingold“ ihre Premiere hier in Prag. Wie waren die Reaktionen darauf?

„Ich habe sehr viele gute Reaktionen bekommen. Ich glaube, die Leute haben es genossen. Ich war von den tschechischen Sängerinnen und Sängern tief beeindruckt, wie sie mit der deutschen Sprache umgegangen sind.“

Derzeit finden die Proben für Wagners „Parsifal“ statt. Haben Sie für die Oper auch ausländische Solisten engagiert?

„Ja. Der Finne Timo Riihonen schlüpft in die Rolle des Gurnemanz. Der US-amerikanische Tenor Matthew Newlin singt die Titelpartie. Aber auch viele tschechische Sänger treten in dieser Oper auf.“


Herr Barankiewicz, welche Ballett-Neuproduktionen planen Sie in der nächsten Spielzeit?

Filip Barankiewicz  (links) | Foto: Nationaltheater Prag

„Die erste Premiere haben wir im Februar 2027. Das Stück ,One of a Kind’ von unserem beliebten Jiří Kylián erlebt seine tschechische Premiere. Ich habe das Werk in Stuttgart gesehen, als es anlässlich des 50. Jahrestags von Kyliáns Engagement im Stuttgarter Ballett bei John Cranko aufgeführt wurde. (Die Choreografie hatte am 6. Mai 1998 in Den Haag ihre Premiere, Anm. d. Red.). Es wird nicht nur für unsere Tänzer, sondern auch für das Publikum eine Bereicherung sein. Das Ballett wird anlässlich Kyliáns 80. Geburtstags aufgeführt. Die zweite Premiere ist ,Giselle‘, die hier lange nicht gespielt wurde.“

Werden einige der Ballettinszenierungen aus den letzten Jahren wieder im Repertoire sein?

„Ja, eine davon ist ,Onegin‘ von John Cranko. Es ist der Traum jeder Ballerina und jedes Tänzers, in diesem Ballett zu tanzen. Manche warten die ganze Karriere lang, um da besetzt zu werden. Ich habe selbst im ,Onegin‘ getanzt. Das zweite Ballett, das wieder auf dem Programm stehen wird, ist ,Der Prozess‘ von Mauro Bigonzetti. Das Stück ist für die heutige Zeit sehr passend. Die traumatisierende Erfahrung von Josef K. mit dem unmenschlichen System finde ich beeindruckend. Wir hatten nun eine Pause, in der nächsten Spielzeit gibt es wieder einige Vorstellungen.“

Wird auch die andere Choreografie von Bigonzetti, die „Scheherezade“, wieder gespielt?

„Ja, schon. Es ist ein einigermaßen abstraktes Stück und nicht die bekannte Geschichte von Scheherezade. Bigonzetti hatte die Choreografie für das Prager Ballettensembles erdacht. Die Musik stammt von Rimski-Korsakow. Das Orchester des Nationaltheaters spielt meiner Meinung nach sehr gut. Unser Musikdirektor Robert Jindra passt wirklich auf das Orchester auf. Wir spielen auch weiterhin die Ballette , L’Histoire de Manon‘, Coppélia‘, ,Liliom‘ sowie beispielsweise den ,Nussknacker‘.“

Die neue Spielzeit des Prager Nationaltheaters beginnt am 26. August. Die Karten werden in der Regel sechs Monate im Voraus verkauft. Mehr erfahren Sie auf Englisch unter www.narodni-divadlo.cz/en.

schlüsselwort:
abspielen

Verbunden