Firmengründungen in Tschechien: Viele Unternehmer geben nach nur fünf Jahren auf

Eine Langzeitanalyse des tschechischen Statistikamtes (ČSÚ) besagt, dass mehr als die Hälfte der neuen Firmen in Tschechien nur wenige Jahre durchhält. Es gelingt ihnen nicht, sich in der hiesigen Unternehmenslandschaft zu verankern.

53 Prozent aller Firmen, die zwischen 2010 und 2023 in Tschechien gegründet wurden, haben nach spätestens fünf Jahren schon wieder ihre Auflösung gemeldet. Diese Zahl präsentierte das Statistikamt Mitte Februar. Dabei hält die Auswertung dieses Zeitraums eine eher positive Analyse bereit. Denn die Gesamtzahl der aktiven Unternehmen ist um fast 22 Prozent angewachsen und lag Ende 2023 bei 1,3 Millionen. Damit wurden fast 4,3 Millionen Menschen mit einem Arbeitsplatz versorgt.

Die meisten dieser Firmen waren 2023 in den Bereichen Groß- und Einzelhandel sowie Reparatur und Wartung von Kraftfahrzeugen tätig. Die Branche, in der neue Unternehmen am schnellsten wieder eingehen, ist hingegen der Handels- und Dienstleistungssektor. Laut Michal Čigáš, ČSÚ-Abteilungsleiter für die Statistikregister, lag die Quote im Untersuchungszeitraum bei 55 Prozent:

„Offenbar liegt das daran, dass es hier ein hochentwickeltes Konkurrenzumfeld gibt. Im Gegensatz dazu überleben die meisten Unternehmen im Industriesektor.“

Konkret lautet die Analyse für den beobachteten 14-Jahres-Zeitraum, dass 80 Prozent der neugegründeten Firmen das erste Jahr überstanden, 68 Prozent das zweite Jahr, 59 Prozent das dritte Jahr und 52 Prozent auch das vierte Jahr. Danach ist nur noch weniger als die Hälfte weiter aktiv.

In die Gesamtstatistik der 1,3 Millionen bestehenden Firmen in Tschechien im Jahre 2023 zählt das Amt auch Gewerbetreibende oder Mikrofirmen ohne Angestellte. Betrachtet man nur die Firmen, die neben dem Eigentümer auch noch weitere Mitarbeiter beschäftigen, dann lag deren Zahl zum Ende der Analyse bei etwas über 237.000. Dies sei ein eher niedriger Stand, interpretiert Čigáš. Denn seit 2016 habe er immer höher gelegen:

„In dem letzten Beobachtungsjahr kam es zu einem Rückgang bei den Arbeitgeberunternehmen. Gezählt wurden sie nach dem Kriterium, dass sie in dem fraglichen Jahr mindestens einen Angestellten hatten – und das wenigstens für eine kurze Zeit, wie etwa einen Monat.“

Illustrationsfoto: rawpixel,  Pixabay,  Pixabay License

Ein besonderes Augenmerk haben die Statistiker auf die sogenannten schnellwachsenden Unternehmen gelegt. Dies sind Firmen mit mindestens zehn Angestellten, deren durchschnittliches Wachstum im Verhältnis zur Anzahl ihrer Mitarbeiter in den letzten drei Jahren bei über zehn Prozent lag. Davon gab es Ende 2023 mehr als 3400. Sie tragen in bedeutender Weise zur Schaffung von Arbeitsplätzen bei, und das vor allem im Bereich der verarbeitenden Industrie.

Čigáš merkte zudem an, dass die Corona-Pandemie keine großen Auswirkungen auf die langfristigen Trends gehabt habe. Das Statistikamt hat demnach keinen auffälligen Rückgang und auch keine zunehmenden Neugründungen von Firmen in Tschechien beobachtet.

Autoren: Daniela Honigmann , Tereza Chlubná | Quelle: Český rozhlas
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