Autobahn D3 zwischen Prag und Südböhmen: Vor Baubeginn wird nach SS-Munition gesucht
Der Baubeginn für den knapp 60 Kilometer langen Autobahnabschnitt zwischen Prag und Südböhmen ist in zwei Jahren geplant. Zu den erforderlichen Vorbereitungen gehört eine pyrotechnische Untersuchung. Besonders im Fokus steht dabei das Gelände eines ehemaligen Truppenübungsplatzes der Waffen-SS aus dem Zweiten Weltkrieg.
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Die Autobahn D3 soll künftig Prag über České Budějovice / Budweis mit der österreichischen Grenze im Süden Tschechiens verbinden. Während der Abschnitt in Südböhmen bereits befahrbar ist, laufen in Mittelböhmen erst die Bauvorbereitungen.
Unweit des Dorfes Minartice südlich der Stadt Benešov sind Pyrotechniker mit Metalldetektoren im Einsatz.
Er überprüfe hauptsächlich, ob sich dort Munition befinde, erklärt Jiří Chládek von der Firma Borgata:
„Wir befinden uns auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz der Waffen-SS. Hier gab es mehrere Artillerieschulen, daher lässt sich vor allem Artilleriemunition erwarten.“
Einsatz mit Metalldetektoren
Ein anderer Mitarbeiter zieht auf einem Feld einen Karren hinter sich her. Chládek erläutert:
„Das ist ein Magnetometer, das das Erdmagnetfeld misst. Mithilfe spezieller Software können wir feststellen, ob sich Eisen- und Stahlgegenstände im Boden befinden.“
Die Einrichtung des sogenannten SS-Truppenübungsplatzes Böhmen, bis 1943 SS-Truppenübungsplatzes Beneschau, wurde 1941 beschlossen. In den folgenden Jahren wurden deswegen insgesamt über 30.000 Menschen aus Ortschaften in Mittelböhmen südlich von Prag ausgesiedelt. Die Fläche des Truppenübungsplatzes betrug etwa 450 Quadratkilometer. Nach der Kapitulation der Deutschen wurde der er aufgelöst, und ab Mai 1945 kehrten die ausgesiedelten Bewohner in ihre verwüsteten Heimatorte zurück.
SS-Truppenübungsplatz: Minen im Ackerland
Nach dem Zweiten Weltkrieg habe es auf den Feldern in der Region jede Menge Munition gegeben, erinnert Pyrotechniker Chládek:
„Ein Augenzeuge berichtete, es sei beim Pflügen und bei den Feldarbeiten oft vorgekommen, dass ein Traktor oder Pflug auf eine Panzerabwehrmine fuhr. Bei den Explosionen wurden die Traktoren oft zerstört und deren Fahrer getötet.“
Die tschechische Straßen- und Autobahndirektion (ŘSD) lässt die pyrotechnischen Untersuchungen entlang der geplanten Gesamtstrecke der Autobahn D3 in Mittelböhmen durchführen. Die Kosten belaufen sich auf etwa 125 Millionen Kronen (5 Millionen Euro). Der Sprecher der Direktion, Jan Rýdl:
„Wir wollen die D3 in Mittelböhmen, rund 57 Kilometer lang, am Stück bauen und 2028 oder 2029 damit beginnen. Derzeit werden zahlreiche Grundstücke dafür aufgekauft.“
Der Staat wird für den neuen Autobahnabschnitt rund 70 Milliarden Kronen (2,9 Milliarden Euro) aufwenden.
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