Tschechische Linguisten helfen bei Rettung einer Indigenen-Sprache in Mittelamerika
Die Nahuat Pipil sind ein indigenes Volk in El Salvador und sprechen eine eigene Sprache. Doch sie wird nur mündlich überliefert. Seit Neuestem helfen aber Linguisten aus Tschechien, dieses Idiom und die Geschichten der Nahuat Pipil aufzuzeichnen und zu bewahren.
Die Vorfahren der Nahuat Pipil kamen vor rund eintausend Jahren aus Zentralmexiko nach El Salvador. Eng verwandt mit den Azteken, entwickelten sie eine eigene Kultur und ein eigenes Idiom. Über die Jahrhunderte hinweg wurde beides nur mündlich weitervermittelt. Tschechische Wissenschaftler arbeiten aber daran, die Geschichten und die Sprache der Nahuat Pipil aufzuzeichnen. Zum Team gehört auch die Hispanistin Athena Alchazidu von der Masaryk-Universität in Brno / Brünn. Sie fliegt regelmäßig nach El Salvador, um die letzten Bewahrer der Traditionen zu treffen. Dabei hat Alchazidu etwa gelernt, dass das indigene Volk die Schalen von bestimmten Meeresschnecken nutzt…
„Solche Schneckenhörner wurden seit der Zeit der Azteken als Trompete verwendet, um wichtige Ereignisse anzukündigen. Diese Tradition hat sich bei den Nahuat Pipil in El Salvador erhalten“, sagt die Wissenschaftlerin.
Auch Fidelina Cortéz kann auf einem Schneckenhorn trompeten. Aber die 86-jährige Frau aus dem Dorf Santo Domingo de Guzmán zeichnet noch mehr aus, denn sie trägt den Titel Nantzin. Dieser habe bei den Nahuat Pipin eine spezielle Bedeutung, erläutert Athena Alchazidu:
„Nantzin heißt zunächst Großmutter, aber auch Lehrerin. Denn seit alten Zeiten haben die Großmütter ihr Wissen weitergegeben – ihre Geschichten und ihre praktischen Anleitungen, wie was gemacht, vorbereitet und hergestellt wird.“
In einer der Aufnahmen für die tschechischen Wissenschaftler schildert Fidelina Cortéz ihre Arbeit als Töpferin. Dieses Handwerk betreibt sie bereits ihr Leben lang. Und die traditionellen Vorgehensweisen versucht sie auch, an jüngere Generationen weiterzugeben.
Maximal 2000 Sprecher
Laut Athena Alchazidu hat dieses indigene Volk es geschafft, einen Teil seiner Identität zu bewahren – trotz Jahrhunderten der Kolonisierung. Doch die Sprache sei schon stark vom Spanischen verdrängt worden und stehe vor dem Aussterben, sagt die Linguistin. Nach den Angaben der Nahuat Pipil beherrschen maximal noch 2000 Menschen ihre ursprüngliche Sprache…
„Die Nahuat Pipil sind eines der wenigen indigenen Völker, die auf dem Gebiet El Salvadors überlebt haben. Heute zählen sie etwa 280.000 Angehörige. Falls die Sprache ausstirbt, verschwindet auch die gesamte Kultur. Und bei jenen Kulturen, die auf oralen Traditionen gründen, lässt sich der Verlust nicht mehr auffangen“, so Alchazidu.
Doch die Rettung der Sprache und Kultur geht weit über das Anfertigen von Aufnahmen hinaus. Die Forscher arbeiten auch mit der Mährischen Landesbibliothek zusammen, um die Geschichten einer breiteren Öffentlichkeit zu erzählen. So fanden unter anderem bereits Ausstellungen statt. Nun solle ein Buch mit Mythen und Legenden der Nahuat Pipil entstehen, sagt Veronika Fillinger von der Masaryk-Universität:
„Anfang dieses Jahres wurden weitere Fahrten nach El Salvador unternommen, um noch mehr Geschichten aufzuzeichnen. Die Bibliothek bemüht sich darum, dass ein zweisprachiges Buch entsteht, um mehr Leser in der Welt zu erreichen.“
Buch der Mythen und Legenden
Die Publikation soll unter anderem zeigen, wie die Nahuat Pipil die Welt um sich sehen. Einer der Mythen erzählt, wie die Menschen den Kakao von den Göttern bekamen. Athena Alchazidu erläutert die Bedeutung dieser Frucht für das indigene Volk:
„Die Kakaobohnen stellten Materialreserven da und wurden als Zahlungsmittel verwendet. Und sie waren ein Heilmittel. Sie wurden zum Beispiel stillenden Müttern gegeben, damit sie bessere Milch hatten.“
Das Buch der Mythen soll auch auf Tschechisch erscheinen. Dazu hat die Mährische Landesbibliothek eine Geldsammlung auf ihrer Website initiiert.
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