Vom Studentenjob zum bezahlten Hobby: Schlossführer in Tschechien
Nicht selten fängt es mit einem Nebenjob als Schüler oder Student an und dauert dann jahrzehntelang fort. Die Rede ist von Führern der Besuchergruppen auf tschechischen Burgen und Schlössern. Ein Blick hinter die alten Gemäuer am Beispiel Velhartice.
Lukáš Kopecký begrüßt eine Besuchergruppe auf der Burg Velhartice. Er wird sie in der nächsten knappen Stunde auf eine der vier Touren durch das Areal führen. Seit 20 Jahren ist Kopecký als Schlossführer tätig. Mittlerweile aber ist er vor allem Lehrer und hat eine Stelle als stellvertretender Rektor einer Grundschule im nahen Klatovy. Die aktuelle Saison in Velhartice sei seine letzte, sagt er:
„Das Leben verlagert sich, Familie und so. In dieser Form wird es das letzte Mal für mich sein. Aber angesichts meiner Position als Lehrer hoffe ich, häufig wiederkommen zu können, zum Beispiel zusammen mit den Schülern.“
Grundlegende Erfahrungen
Die Erfahrung als Burgführer sei grundlegend gewesen für seine private Entwicklung und sein Arbeitsleben, findet er…
„Sie hat mich gelehrt, wie man mit Menschen umgeht, wie man seine Stimme einsetzt und wie man einen Zeitplan erstellt, den wir als Lehrer ja auch brauchen. Und ich habe Hunderte an Freundschaften geschlossen und unzählige Erlebnisse gehabt. Die Verbindung wird nicht abbrechen, wage ich zu behaupten“, so Kopecký.
Gelernter Gärtner sucht Ausgleich
Vladislav Vlach wiederum ist eigentlich gelernter Gärtner. Seit 22 Jahren führt auch er die Besucher durch die Burg Velhartice, und das vor allem an den Wochenenden:
„Ich komme aus dem Nachbarort Nemilkov. Weil ich wusste, dass ich mich beruflich künftig mit der Gärtnerei beschäftigen werde, brauchte ich noch etwas, bei dem ich vor allem mit dem Kopf arbeite. Daher habe ich als 17-Jähriger mit den Schlossführungen begonnen.“
Diesen Nebenjob wolle er gerne weitermachen, so lange es ihm die Leitung von Velhartice, seine Gesundheit und sein Enthusiasmus erlaubten, fügt Vlach an.
Der Komplex aus einer mittelalterlichen Burg und einem Renaissance-Schloss liegt sehr romantisch in den Hügeln des Böhmerwaldes. Verwaltet wird das Areal durch das staatliche Denkmalschutzamt. In der Hauptsaison seien sechs freie Mitarbeiter nötig, sagt der Kastellan von Velhartice, Martin Mejstřík:
„Unsere Schlossführer melden sich meist von selbst wieder. Und wir bemühen uns auch, dass dem so ist. Denn nach den ersten beiden Jahren, in denen wir sie einlernen, sind wir froh, wenn jene Schlossführer, die gut darin sind, auch weitermachen. Uns erleichtert das den Betrieb. Und wir wissen, dass den Besuchern an der guten Qualität der geführten Touren gelegen ist.“
Rentner mit viel Zeit
Mejstřík bestätigt, dass viele Schlossführer schon als Schüler und Studenten mit der Arbeit beginnen und dann lange dabeibleiben. Zugleich sagt er…
„Eine weitere wichtige Gruppe sind Rentner, die gerne mit Menschen zu tun haben und helfen wollen. Das sind für uns wertvolle Arbeitskräfte, weil sie bereits über Lebenserfahrung verfügen und zugleich viel Zeit mitbringen. Sie helfen uns vor allem in der Nebensaison, wenn die Studenten nicht so viel Zeit haben“, so der Kastellan.
Und so würden auf der Burg Velhartice im Laufe der gesamten Saison zwischen 20 und 25 freie Mitarbeiter zum Einsatz kommen, rechnet Martin Mejstřík zusammen.
Velhartice ist noch bis zum 1. November für Besucher geöffnet. Normalerweise startet die Saison dort mit dem Beginn der Sommerferien, also am 1. Juli.
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