Aus zwei mach eins: Neue staatliche Agentur CzechBusiness nimmt Arbeit auf

Karel Havliček und Rudolf Klepáček

Tschechische Unternehmen beim Gang ins Ausland und ausländische Unternehmen bei Investitionen in Tschechien werden ab Samstag von einer einzigen Staatsagentur betreut. Sie heißt CzechBusiness und ersetzt CzechInvest sowie CzechTrade.

Industrie- und Handelsminister Karel Havlíček (Partei Ano) stellte die neue Agentur am Mittwoch bei einer extra anberaumten Pressekonferenz vor:

Quelle: CzechTrade,  CzechInvest,  Archiv des Tschechischen Rundfunks

„Anstatt zwei Institutionen werden wir eine haben, die Dienstleistungen im Bereich der Exportförderung sowie bei der Unterstützung von Investitionen sowohl einheimischer als auch ausländischer Unternehmen anbieten wird. Hinzu kommt die Infrastrukturhilfe für Startup-Firmen. Alles wird von einem Ort aus geleitet. Wir werden unseren Unternehmen von fast 60 Zweigstellen im Ausland aus zur Verfügung stehen.“

CzechInvest hatte es seit 34 Jahren gegeben, CzechTrade seit 29 Jahren. Von dem Zusammenschluss der beiden Institutionen verspricht sich Havlíček auch Einsparmöglichkeiten bei den Betriebskosten. Es gebe nur noch eine Führung und ein Back Office, hatte er früher schon einmal angekündigt.

Vorbilder aus Europa

Wie der Minister weiter ausführte, schwenke Tschechien nun auf einen Weg ein, den schon weitere Länder in Europa gegangen seien…

„Es ist ein grundlegender Schritt, den diese Regierung versprochen hat. Viele Jahre wurde über ihn gesprochen, wir haben ihn im ersten halben Jahr unserer Regierungsverantwortung umgesetzt. Andere Länder haben diesen Weg bereits eingeschlagen. Ich nenne hier BusinessFinnland und BusinessSweden, vergleichbare Projekte wurden zudem in Frankreich und weiteren Staaten realisiert“, so Havlíček.

Von links: Karel Havlíček,  Rudolf Klepáček und Petr Macinka | Foto: CzechTrade / FB

Leiter von CzechBusiness wird der bisherige Chef von CzechTrade, Rudolf Klepáček. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks wies er darauf hin, dass erstmals auch Start-Ups in ein staatliches Förderprogramm eingebunden würden:

„Die Startup-Agenda wurde bisher überwiegend durch Projekte abgedeckt, zum Beispiel auf EU-Ebene. Nun wollen wir in der eigenen Agentur ein Standbein haben, das langfristig und nicht nur projektbezogen der Startup-Comunity dienen wird. Das hängt auch mit dem geplanten Startup-Gesetz zusammen, denn die Agentur soll dieses eben gerade implementieren.“

Unternehmen erwarten bessere Betreuung

Das besagte Gesetz soll unter anderem Investitionen in solche schnell wachsenden Firmen attraktiver machen. Es könnte zum Juli kommenden Jahres in Kraft treten.

Jan Mráček | Foto: KHK KK

Minister Havlíček betonte im Übrigen, dass die Unternehmen selbst die Zusammenführung der beiden bisherigen Agenturen gefordert hatten. Dies bestätigt Jan Mráček. Der Vizepräsident der tschechischen Handelskammer sagte am Donnerstag aber auch, dass erst die Praxis zeigen werde, ob die gewünschten Effekte wirklich eintreten…

„Die Unternehmer erwarten, dass die Reorganisierung keine Ausfälle in den Dienstleistungen bedeuten wird und auch keine Schwächung der Expertise. Viel mehr wollen wir eine höhere Qualität, eine schnellere Bearbeitung von Anträgen und einen leichteren Zugang zu den Dienstleistungen im In- und Ausland. Nur dann bringt die Zusammenführung den Unternehmen eine wirkliche Zeitersparnis und weniger Bürokratie“, erläuterte Mráček.

Künftig auch CzechTourism eingliedern?

Tomáš Prouza | Foto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

Gerade Unternehmer fordern, die Wirkungsfelder weiterer staatlicher Agenturen in CzechBusiness einzugliedern. Der Präsident des Verbandes für Handel und Fremdenverkehr, Tomáš Prouza, schlug dafür CzechTourism vor. Diese Institution zur Förderung des Incoming-Tourismus verbleibt aber laut Havlíček erst einmal beim Ministerium für Regionalentwicklung. Zugleich schloss der Minister eine spätere Ausweitung des Portefeuilles nicht aus:

„Es besteht immer die Möglichkeit, die Agenda von CzechBusiness zu vergrößern. Zum Beispiel durch Aktivitäten, die mit der Vermittlung von Forschung, Entwicklung und Innovationen verbunden sind. Oder in Zukunft auch um den Tourismus beziehungsweise um weitere Bereiche, zu denen der Staat eine Beziehung hat oder die die hiesigen Unternehmer brauchen.“

Autor: Till Janzer | Quellen: Český rozhlas , ČTK
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