Viadukte und Tunnel der Teplitzer Semmeringbahn: Spektakuläre Fahrt an die Grenze zu Sachsen
Ab Ende des 19. Jahrhunderts kämpften sich Dampflokomotiven aus dem nordböhmischen Most / Brüx hoch ins Erzgebirge. Dann drohte der Teplitzer Semmeringbahn das Ende, doch heute ist sie ein beliebtes Ausflugsziel.
Tomáš Rejmont ist Schaffner auf der Regionalbahnstrecke von Most nach Moldava v Krušných horách / Moldau. Gerade am Wochenende herrscht Andrang, alle wollen hoch ins Erzgebirge, auch zahlreiche Radfahrer. Zudem gibt es viel zu sehen auf den 40 Kilometern Strecke.
„Der Zug hat drei Waggons, und einer ist immer für die Beförderung von Fahrrädern vorgesehen. 50 passen dort hinein. Und wenn es sein muss, auch ein bisschen mehr. Wir lassen nie einen Radfahrer auf dem Bahnsteig stehen, so dass er etwa auf den nächsten Zug warten muss“, betont Rejmont.
Konkret sind es drei geräumige Triebwagen aus den 1970er Jahren, die aneinandergehängt sind.
Keine Erneuerung auf sächsischer Seite
Allerdings sind die Zeiten vorbei, als man in einem Rutsch oder mit Umstieg in Moldava bis nach Freiberg oder Nossen auf der sächsischen Seite fahren konnte. Die Gespräche über die Erneuerung der grenzüberschreitenden Verbindung sind schon vor einigen Jahren ins Leere gelaufen.
„Wir würden gerne, doch für die Deutschen ist hier das Ende der Welt“, meint Tomáš Rejmont. Und so scheiterte die Idee am Finanziellen.
Dabei hat die Strecke, die heute Moldavská horská draha (Moldauer Bergbahn) heißt und früher Teplitzer Semmeringbahn genannt wurde, eine lange Geschichte. Sie wurde zu Habsburger Zeiten von der k.k. privilegierten Prag-Duxer Eisenbahn errichtet und betrieben. Der erste Streckenabschnitt zwischen Most und Osek / Ossegg erhielt am 17. Dezember 1876 die Freigabe für den Verkehr – er feiert dieses Jahr also sein 150. Eröffnungsjubiläum. Die Gesamtstrecke wurde allerdings erst am 18. Mai 1885 in Betrieb genommen.
Vom Kohlentransport zum Ausflugsziel
Hauptgrund für den Bau der Strecke war aber nicht der Tourismus, sondern es gab wirtschaftliche Interessen. Auf der böhmischen Seite des Erzgebirges bestand ein Überangebot an Bauholz und später auch an Braunkohle. Beides konnte man im benachbarten Sachsen gut gebrauchen. Da aber der Transport an die Elbe zur weiteren Verschiffung umständlich war, entstand der Plan für die Bergbahn.
Diese Handelsachse wurde auch nach der Gründung des tschechoslowakischen Staates im Jahr 1918 weiter genutzt. Erst die Besetzung der Sudetengebiete durch Hitler-Deutschland im Oktober 1938 beendete das grenzüberschreitende Geschäft. Denn die Teplitzer Semmeringbahn lag dann bis Ende des Zweiten Weltkriegs komplett auf deutscher Seite, bevor sie wieder tschechoslowakisch wurde.
Noch bis in den Mai 1945 fuhren die Züge von Brüx hoch ins Erzgebirge. Dann sprengte die Wehrmacht Teile eines Viadukts, und an anderer Stelle zerstörten sowjetische Panzer Gleise und Anlagen. Schon im Oktober des Folgejahres war die Strecke jedoch ausgebessert, und wenig später wurde ebenfalls eine durchgehende Verbindung nach Prag wiedereingeführt.
1967 wurde der Dampfbetrieb eingestellt. In dieser Zeit begann eine erste touristische Nutzung der Strecke. Schon damals konnte ein Aus für die Teplitzer Semmeringbahn abgewandt werden, wie auch in der zweiten Hälfte der Neunziger. Ende August 1996 wurden mit einem Messzug insgesamt 21 grobe Fehler an den Gleisen festgestellt. Danach fuhr ein Schienenersatzverkehr. Doch die Anrainergemeinden setzten notwendige Instandsetzungsarbeiten durch, sodass am 10. November des Jahres die Strecke mit einem Festzug wiedereröffnet wurde.
Unter Denkmalschutz
Der spannendste Teil der Fahrt befindet sich zwischen Louka u Litvínova und Moldava – mit zwei Tunneln, drei Viadukten und mehreren historischen Bahngebäuden sowie der Spitzkehre in Dubí. Dieser Abschnitt wurde 1998 unter Denkmalschutz gestellt. Die größte Steigung ist zwischen Hrob und Mikulov–Nové Město, wenn auf rund 15 Kilometern knapp 400 Höhenmeter überwunden werden.
Auch der Zielbahnhof in Moldava ist einzigartig, allein wegen seiner Größe – denn es brauchte Platz sowohl für die tschechoslowakischen als auch die deutschen Behörden. Lange stand das Gebäude leer, doch Eisenbahnenthusiasten haben dort vergangenes Jahr ein Museum eröffnet.
Allerdings hat die Stadt Moldava den Bahnhof im März an den Unternehmer und Politiker Petr Benda (Národní socialisté) verkauft. Dieser will dort angeblich ein Hotel einrichten. Doch die Polizei in Teplice ist gerade dabei, den Verkauf zu überprüfen, wie tschechische Medien Anfang August berichteten. Hintergrund ist eine Strafanzeige wegen des angeblich verdächtig niedrigen Kaufpreises von 1,7 Millionen Kronen (70.000 Euro).
Auf der Moldauer Bergbahn fahren zwischen Most und Moldava v Krušných horách derzeit vier Mal täglich Direktzüge. Teilweise kommen dabei auch historische Dieseltriebwagen der ČD-Baureihen 810 und 814 zum Einsatz.
An diesem Wochenende (22. und 23. August) steigt das Stadtfest in Osek (mehr Infos unter https://www.frytajmosek.cz/osecke-slavnosti/). Da der dortige Bahnhof dieses Jahr seinen 150. Geburtstag feiert, ist in dem Gebäude eine kleine Ausstellung installiert.
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