Tschechien verschärft Regeln: „Lex Kratom“ sieht Altersgrenze ab 21 und höhere Steuern vor
Die Regeln für den Verkauf von Kratom in Tschechien werden ab dem nächsten Jahr verschärft. Das sogenannte „Lex Kratom“ wurde am Montag von der Regierung genehmigt.
Kratom wird in Tschechien als psychomodulierende Substanz mit geringem Gesundheitsrisiko eingestuft und ist seit vergangenem November legal in lizenzierten Geschäften für Erwachsene erhältlich. Diese Läden dürfen auch einen E-Shop betreiben. Laut dem Gesundheitsministerium ist diese bisherige Regulierung jedoch unzureichend: Der Konsum sei unter Schülern weit verbreitet – oft in gefährlicher Kombination mit anderen Substanzen. Dies habe bereits zu zahlreichen Intoxikationen und Notarzteinsätzen geführt, wie das Ressort in den Unterlagen zu seiner Novelle anführt. Als Reaktion darauf hat die Regierung nun das „Lex Kratom“ auf den Weg gebracht.
Die neuen Vorschriften sehen vor, dass der Vertrieb künftig strenger auf spezialisierte Fachgeschäfte mit persönlicher Alterskontrolle beschränkt wird. Gesundheitsminister Adam Vojtěch (parteilos) fährt fort:
„Wir erhöhen die Altersgrenze für den legalen Erwerb und Konsum dieser psychomodulierenden Substanz von 18 auf 21 Jahre.“
Gleichzeitig werden die allgemeinen Auflagen für die Läden sowie die Anforderungen an die Produktsicherheit verschärft. Für den Eigenbedarf gilt fortan eine Obergrenze von maximal 50 Gramm oder zehn Milliliter Kratom. Auch finanziell wird der Markt stärker reguliert: Die Mehrwertsteuer auf das Produkt steigt von 12 auf 21 Prozent. Zudem erhalten die Gemeinden mehr Befugnisse. Adam Vojtěch:
„Damit sie kontrollieren können, wo sich legale Verkaufsstellen für psychomodulierende Substanzen befinden. Diese sollen beispielsweise nicht in der Nähe von Schulen oder anderen Einrichtungen verkauft werden, in denen sich Kinder und Jugendliche aufhalten.“
Der Suchtexperte Tomáš Jandáč vom Allgemeinen Universitätskrankenhaus in Prag (VFN) betont, dass Repression oder Regulierung zwar eine notwendige Seite seien, die er begrüße. Allerdings müsse zwingend auch der nächste Schritt folgen, nämlich die gezielte Förderung der Prävention sowie der adiktologischen und medizinischen Versorgung:
„Bei den Beschlüssen der Regierung handelt es sich eher um kosmetische Änderungen. Sie können zwar eine gewisse Wirkung haben. Ich glaube aber nicht, dass diese so groß sein wird, wie die Regierung annimmt. Wir können uns das wie ein Auto vorstellen, das jetzt von Schwarz auf Weiß umlackiert wurde, und uns fragen, welche Auswirkungen das wohl haben wird.“
Die Mehrheit der EU-Staaten – insgesamt 16 von 27 Ländern, darunter Polen, die Slowakei, Frankreich und Dänemark – hat den Verkauf von Kratom bereits vollständig verboten. Trotzdem sieht Experte Jandáč darin keinen Ausweg.
„Ich würde ein vollständiges Verbot von Kratom nicht begrüßen. Nach der früheren Regulierung sehen wir zwar, dass der Konsum etwas gesunken ist. Allerdings handelt es sich um den Konsum von legalem Kratom. Gleichzeitig wissen wir aus Studien, dass sich die Konsumenten beispielsweise vorab eingedeckt haben. Es waren Tonnen, die von einzelnen Dealern angeschafft wurden. Und diese werden jetzt auf dem Schwarzmarkt verkauft.“
Nach Angaben des Experten konsumieren die Jugendlichen in Tschechien Kratom vor allem deshalb, weil es bisher leicht zugänglich war. Zudem hätten sie aufgrund der Art und Weise, wie es beworben wurde, dessen Risiken nicht wahrgenommen, so Jandáč.
„Das Primäre ist die Entstehung von Suchtverhalten. Aber leider sehen wir bei der jüngsten Generation auch den Konsum zusammen mit anderen Substanzen wie verschreibungspflichtigen Medikamenten, Alkohol oder Cannabinoiden. Dort können die gesundheitlichen Folgen sehr gravierend sein, und manchmal werden bei diesen Kombinationen auch Todesfälle gemeldet.“
Darüber hinaus warnt der Suchtexperte vor der Dynamik auf dem Drogenmarkt, insbesondere im Bereich der Cannabinoide. Diese stellten bereits ein massives Problem dar, da sie sehr vielfältig seien: Kaum nehme der Staat eine Substanz ins Visier und verbiete sie, tauchten auf dem Markt sofort drei neue Varianten auf, sagt Jandáč. Eine ähnliche Entwicklung zeichne sich nun auch bei Kratom ab:
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„Wir sehen weltweit und aus Studien, dass es sich gar nicht mehr so sehr um das pflanzliche Produkt Kratom an sich handelt, sondern eher um synthetisierte Alkaloide. Diese sind beim Konsum weitaus gefährlicher als das eigentliche natürliche Kratom.“
Auf genau diese neuen Stoffe müsse sich die tschechische Drogenpolitik laut Jandáč jetzt vorbereiten. Der Experte erwartet nämlich, dass diese gefährlichen Alkaloide den Markt überschwemmen dürften, sobald die Regulierung für das klassische Kratom strenger wird.









